WAS IST WAS? – work in progress / Teil 1

„Die Vergangenheit lebt nur für den, der sie kennt, erforscht und befragt. Sie wird sich wandeln, je nach Zeit, Ort und Sinn des Fragens.“  (Golo Mann)

Wem es gelingt, dir falsche Fragen einzureden, dem braucht auch vor der Antwort nicht zu bangen. (Thomas Pynchon, die Enden der Parabel)

Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat  (Berthold Brecht zugeschrieben)


WAS IST WAS?


Replik auf den Artikel von Marco Buschmann, in der Welt vom 20.06.2019:                Was Andersdenkenden den Mund verbietet, schwächt unsere Demokratie 

als „Antwort“ auf Peter Taubers „Vorstoß“, in der Welt vom 19.06.2019:                    „Dieser Feind steht rechts

Taubers 5 Minuten habe ich nicht gelesen, er kostet Geld. Buschmann’s war kostenlos, den habe ich gelesen. Das mag daran liegen, ich komme später darauf zurück, dass ich vor langer Zeit als aktiver Blasmusiker gelegentlich in den Genuss von Freibier kam. Früher würdigte man unterhaltsame Töne eben noch mit einem Kontingent erheiternder Getränke. Warum ich heute für stimmungsdämpfende Maßnahmen resp. eine schnelle Meinung bezahlen soll, leuchtet mir daher nicht ein.

Zum Artikel des FDP Bundestagsabgeordneten versuche ich verschiedene Variationen, spricht dieser doch eine gesamt Problematik an, die meinem Dafürhalten in Zukunft noch starke Dissonanzen hervorbringen wird. Insofern sind meine Überlegungen eine musikalische Anspielung und Aufruf, so lange zu improvisieren, bis ein nachvollziehbarer und glaubwürdig interpretierbarer Notentext, für alle Musizier Willigen sicht- und spielbar, vorliegt. Die kurze Schrift für das größer  werdende „Problem“ einer wirklich „freien Meinungsäußerung“, trifft ziemlich genau die Mitte des Jahres, da wo sich die Sonne wendet und die gelegentliche Trägheit der Tage sich langsam aufrafft einen anderen Takt ein zuzählen.

Um gleich mit dem ersten Wort im Titel Ihres Beitrages zu beginnen, frage ich mich, allen Ernstes: 

Was ist „WAS“? 

Erst aber als ich „was“, in der Überschrift, als etwas ganz Anderes als „wer“ realisierte, fingen jene tieferen Stockwerke einer Galeere an zu arbeiten, in der sich die Angeketteten in der Regel vergeblich an ihrer Tages Gymnastik abrudern. Ob diese durch die Übung des MitgliedDesBundestags je das Bewusstseinslicht erblicken können, werden wir im Verlauf unserer Überfahrt sehen.

Das „was“, wenn es also nicht Folge einer zerquetschten Fliegenleiche ist, die wie in Monty Pythons „Brazil“ (bei 2:25) einen einzigen falschen Schreibmaschinenanschlag im Druck erzeugte, mit fatalen Verwechslungen für einen Bürger Dystopias, bezieht sich scheinbar nicht auf eine Person, eine Körperschaft, oder andere Formen von menschlichen „Veranlassern“, sondern deren Veranlassungen selbst. Sonst stünde da eben deren Stellvertreter. Ein „Wer“.

Was“ ist quasi eine Entkopplung von seinen Urhebern, eine Abstraktion und Umleitung, das auf noch Unbekannteres als ein „wer“ verweist. Es hängt ihm das „flair der Tat an“, ohne dabei erwischt werden zu wollen. Handeln, so frei nach Heidegger, will eben wohl überlegt sein, im Haus des Seins welches die Sprache ist und in dem sich dieses auch noch einnistet. Vielleicht deswegen eine Steigerung der Abstraktion weg vom Macher. Es könnte auch peinlich enden. Also bleibt man lieber beim geschlechtslosen „was“, beim „man“, das noch immer taugte die neueste Mode aus einem abgehangenen Lagerfeld in Form einer Vogelscheuche erscheinen zu lassen. Tarnung, Täuschung und Ablenkung sind die Methoden der Einzähler, die den Rhythmus für den Trommler vorschlagen, damit die Ruderer im Mitteldeck zwar maulend, dann aber doch funktionieren.

WAS“ ist aber auch eine Art Maurerkelle, ein Werkzeug zum Aufbau eines Gebildes, selbst ein Gebäude ließe sich damit errichten, bevor es dann durch verschiedene Umstände und Zeiten vergammelt, baufällig wird, abgerissen wird, kaputt gebombt, oder gesprengt wird. Manche Erben wohnen lange darinnen, in vielen Generationen, irgendwann geht es zu Ende damit. Fachwerk ist noch am stabilsten. Stahlbeton eher weniger. Sogar Kerosin bekommt die Bühne „in dem größten Kunstwerk das es je gegeben hat“* komplett pulverisiert. Dazu später mehr. * K.H. Stockhausen zu 9/11

Möglich in unserem „Was – Erklärungsversuchen“ wären aber auch andere Interpretationen des WAS: Wider Reden, bürgerliches Engagement, Diffamierung, öffentliche Ächtung, Aufstand der Anständigen, Verfolgung in verschiedensten Varianten, körperliche Angriffe. Das letzt genannte steht selbstverständlich unter Strafe. 

Es mag sich manchem Verständnis entziehen, wenn unter „WAS“ der „Aufstand der Anständigen“ z.B. verbucht ist. Dieser kann doch per se, da anständig, keinem den Mund verbieten wollen. Das Gegenteil ist doch der Fall. Freie Rede….Einsatz für Menschenrechte und Meinungsfreiheit…, gegen totalitäre Strukturen. Wir werden später sehen dass diese gewöhnliche Annahme fehlt geht. Denn Unduldsamkeit säuselt in der Tonart der Toleranz, die sich für den Nächsten einsetzt nur um ihn später bei untergeschobenem ungünstigen Meinungs – Verlauf und folgend aufgestempelte fragwürdige Sozialprognose, zu Fall zu bringen. 

Das kennt man schon aus Zeiten wo der Kopf Vieler sehr instabil am Rumpf saß. Ursächlich aus früheren Toleranzgründen. Heute gehen Prominente mit dieser Diagnose bis kurz vors Messer eines Parteiausschluss Verfahrens.

In Buschmanns „Was“, läßt sich, da nicht näher konkretisiert, also alles Mögliche hineininterpretieren. Ich nehme mir hierzu die Freiheit und versuche aus diesem „WAS“ Et – Was zu machen. Ich bin Kreativer. Es ist ja zumindest in der Überschrift, der „headline“, nicht näher konkretisiert, bleibt also in seinem vagen Zustande hängen und will gleich dem Inhalt eines schwangeren Bauches irgendwie ausgetragen, gestaltet und später sogar pädagogisch behandelt werden.

Ironischer Weise, steckt in dem „Was“ sogar der § 130 und andere vergleichsweise Paragraphen, die zum Teil miteinander kombiniert dazu führen, Äußerern zwar nicht den Mund zu verbieten, aber für die Folgen ihres Gesagten und wir werden später sehen, des ihnen bloss Unterstellten, dann doch in einen 8 qm ähnlichen Zustand zu überführen. Gesagtes also einer spezifischen Form der Lebensführung zu überantworten. Temporärer Weise. Es könnte aber auch Ausnahmen geben. Ein über 80 jähriger Herr hat in dem Zustande nicht nur seine Unterschenkel verloren, sondern scheint dort in den 4×2 Metern auch langsam nach über 10 jähriger Haft, sein Lebenslicht auszuhauchen. Ähnlich einer noch älteren Dame die Fragen an politische Institutionen dieses Landes stellte und, da sie keine Antwort bekam, sich diese öffentlich selbst gab. Ihre Selbstbeantwortung war nur logisch, zudem friedlich und ohne Hauch von Störung eines irgendwie gearteten öffentlichen Friedens geschweige denn auch nur einem Hauch von Gewalt. Man hätte ihr nur ihre einfachen Fragen beantworten brauchen und sich somit die peinliche Tatsache einer Haft für eine 90 jährige erspart. Stattdessen werden die beide ältesten Dissidenten der BRD sozusagen sonderbehandelt. 

Eine vorschnelle Variante also, Ihren Satz alternativ zu lesen, wäre: 

„Der Paragraph 130, Was Andersdenkenden den Mund verbietet*, schwächt unsere Demokratie.“

* (bzw. als Alternative bei Mund Öffnung Hotel Gitterblick verordnet)

Um es gleich zu sagen. Natürlich kann jeder das sagen was er will. Dafür ist der MDB Herr Buschmann ja auch. Und sogar ohne Einschränkung! Er nennt es nur anders: Zum Beispiel: Für das „Andere“ sind „Staatsanwälte, Polizei und Gerichte gefordert“. Die gab es übrigens im NS Staat auch. Ordnung muß sein.

Ein Beispiel:

Ein Richter in einem Münchener Strafverfahren 2018 zu dem wir später noch kommen werden, bemerkte zu Ende eines Verfahrens im Sommer 2018:

  • Jeder könne ja glauben, was er wolle. Dies sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt, solange man sich nicht strafbar mache. – (eigenes Schrift- und Gedächtnisprotokoll aus einem öffentlichen Prozess) –

Stellt sich sofort die Frage: „WAS“ ist es, das eine Äußerung oder eine Meinung strafbar macht? Ist es die Meinung, das friedlich Geäußerte, welches nicht zu Hass oder Gewalt aufruft, keinen öffentlichen Frieden stört? Oder ist es der Paragraph? Unerhört? Nein, Nach – Denken. Nichts weiter.

Kein vernünftiger Mensch würde gegen eine Verfolgung und Bestrafung argumentieren, wenn körperlicher Angriff, Verletzung, Mord, Totschlag, Betrug, schwerste Beleidigung, Aufruf zu öffentlichen gewalttätigen Unruhen mit entsprechenden „Erfolgen“ und Folgen vorliegen. Oder blanke Gewalt gegen Sachen und Menschen. Abgesehen davon dass diese Akte in einem Krieg meistens „legitimiert“ sind, Staatsorganisationen dies also „dürfen“ bzw. einfach tun. Aber das ist ein anderes Thema.

Buschmann befindet sich mit seiner Sicht der Dinge also auf einer scheinbar sicheren und soliden Seite der Argumentation. Man kann, ja soll sogar Meinungsfreiheit praktizieren, davon lebe ja „unsere Demokratie“, alles andere, das ABER, regele der Rechtsstaat.

Wenden wir uns also dem „Aber“ zu, welches mit „Was“ unmittelbar zusammenhängt. 

„Aber WAS“ ist WAS? Dieses WAS, welches wir unbedingt vor „aber“ klären wollen? Wir werden sehen….

Für Meinungs Exemplare die nun nicht toleriert werden, gibt es also entsprechende Paragraphen die der MDB auch nennt. Schnell gibt ihm der „Normal Bürger“ Recht, der in der Regel keine Ahnung hat, wie Paragraphen funktionieren. Ohne weitere Erörterung. Einen Prototyp (der Normal Bürger) den ich eigentlich gar nicht kennen mag, da in jedem Menschen doch grundsätzlich und menschenrechtlich ein reflexionsfähiges- und würdiges Wesen zu setzen ist, gerade da wo er „Dinge“ vereinfacht und Zusammenhänge (noch) nicht erkennt. 

Dort könnte zum Beispiel der Politiker wirken. Tut er auch. Immer häufiger jedoch mit seiner Sicht der Dinge die irgendwie nicht so ganz kompatibel scheint, mit jener von den Vielen „verirrten Schafen“, die nach eigener innerer Führung dürsten und sich in ihrer Erkenntnisfähigkeit mehr und mehr von der wilden Gestikulation der Schäfer im Stil von Hochglanzbroschüren, abwenden. 

Gegenmaßnahme also: Mehr und clevere Hütehunde her, die über das legen von Spuren den denkwürdigen Haufen wieder einhegen. Hütehunde sind gescheite Wesen. Politiker auch, wiewohl sie selten den Spürsinn für eine feinere Behandlung ihrer „Anvertrauten“ aufbringen. Eher gleichen sie Wölfen die sich das schwächste Schaf einfach holen. Dargestellt allerdings als Hege und Pflege, schließlich muss der Laden resp. die Herde laufen, man kann sich nicht mit Aussätzigen abgeben, das lähmt, ist gar gefährlich, die müssen entsorgt werden. Also kommt der „gute“ Wolf, hinterläßt zunächst seine Abdrücke im Pressewald, um dann an „lichterer“ Stelle den Seehofer zu machen und „Biss“ zu zeigen. Später werden wir versuchen dessen Abdruck zu enträtseln.

Immer noch aber gilt: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Manchmal dauert es lange, bis einer denkt und Gott dann auch das Ruder führen kann. Wer auch immer gerade als transzendente Wirkkraft oder gar deren Negation im spirituellen Ranking an erster Stelle schauckelt.

Stichwort Volksverhetzung. 


Fortsetzung und Überarbeitung folgt….

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s