Die letzte Siedlung war geträumt

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Saskia liebte es, im königlichen Park zu reiten. Galopp galopp galopp schneller schneller hey langsam trab trab trab. Dabei ging ihr der Wind durch das Haar und ihr Hut fiel beinahe hinunter, dann fiel er hinunter. Trab trab trab brrr. Warte mal ganz kurz. Sie hob den Hut auf und bemerkte den komischen Typ nicht, der Schlimmes im Schilde führte. Der Typ ritt im Schritt Schritt Schritt. Er schaute durch die Bäume und Büsche und hatte nichts Gutes im Sinn, das sah man gleich an seinem Blick.

Zur Beerstraße zurück gekehrt, begegnete sie dem Bürgermeister, der wie immer traurig durch die Straßen schlich. Sie grüßte ihn immer freundlich, weil sonst keiner im Dorf ihn grüßte. Seine Frau hatte nämlich allen im Stadtstaat verboten mit ihm zu sprechen. Die Bürgermeisterfrau war ganz schrecklich. Man erzählte im Dorf, dass sie im einzigen Bett im Haus schlief, während ihr Mann und die Kinder auf dem Boden schlafen mussten. Und wenn die Kinder morgens zur Schule gingen, mussten sie sich hinausschleichen, weil wenn ihre Mutter sie hörte, bekam sie einen Schreianfall. Arme Kinder, denn ihre Lehrerin war genau so. Wenn man die Hauptstraße entlang ging und an der Schule vorbei kam, hörte man nur furchtbare Schreie.

„Guten Tag, Herr Bürgermeister! Wie geht es Ihnen heute?“

Er sagte traurig Guten Tag, zuckte auf die Frage nur mit den Schultern.

Saskia lebte glücklich in der Beerstraße 13 mit ihrem Mann, der sehr nett war, aber leider ein wenig langweilig. Meistens stand er in einer Zimmerecke und schwieg oder er saß über seinen Bauprojekten am Tisch. (Er war Architekt und sie war Designerin.) Wenn irgend etwas passierte, war er immer Saskias Meinung. Wenn sie sagte: „Der arme Herr Mahler.“ (Herr Mahler war Maler aber er hieß nur zufällig so ähnlich, wie sein Beruf.) Dann sagte ihr Mann gar nichts und das bedeutete: „Stimmt.“

Als sie Blumen in die Vase steckte und dabei ein Lied summte, merkte sie Vieles nicht, weil sie es nicht merken konnte: Frau Bürgermeisterin ging auf der Hauptstraße, wie immer umzingelt von politischen Männern, die Schule war aus und die Kinder strömten erleichtert nach Hause und der komische Typ von vorhin, den sie nicht gesehen hatte, näherte sich langsam und verdächtig dem Stadtstaat Virgilia.

Am Abend versammelte sich die ganze Siedlung zu einem Volksfest, da wurde Musik gespielt und wie immer redete keiner mit dem Bürgermeister, weil sie Angst vor seiner Frau hatten. Alle kamen, nur Herr Mahler nicht und die Prostituierte auch nicht, weil die sehr arm waren und Tag und Nacht arbeiten mussten in ihren Einzimmerwohnungen ohne Fenster.

Es war sehr schön und niemand bemerkte den Fremden, der sich hinter Bäumen versteckte. Die Bürgermeisterfrau hielt eine Rede und verlies die neue Verfassung von Virgilia:

„So. Ich habe drei Gesetze aufgeschrieben, damit wir und auch die Polizei Bescheid wissen, was geht und was nicht geht.

Paragraph eins: Du darfst niemanden umbringen, es sei denn, es ist Notwehr oder Selbstmord oder Aus-Versehen.

Wer das trotzdem macht, muss das ganze restliche Leben im Gefängnis verbringen.

Paragraph zwei: Du darfst nicht stehlen, es sei denn die gestohlene Sache gehört dir.

Wer das trotzdem macht, muss für zehn Jahre ins Gefängnis.

Paragraph drei: Du darfst niemanden vergewaltigen, der es dir nicht erlaubt hat.

Wer das trotzdem macht, muss für zehn Jahre ins Gefängnis.“

Alle klatschten und fanden die Gesetze gut. Hinter den Bäumen klatschte ein komischer Typ und lächelte gemein.

„Ach ja,“ sagte sie. „Paragraph vier: niemand darf mit meinem Mann, dem Bürgermeister, reden. Ich bin zuständig für alles. Wer das trotzdem macht, dem wird das Wahlrecht entzogen.

Paragraph fünf: keiner darf ein Auto besitzen, außer der Polizei, damit die Polizei die Kriminellen leichter einholen kann. Das kann keiner trotzdem machen, weil es nur ein Auto im Land gibt, deswegen brauchen wir auch keine Strafe dafür. Alle anderen nehmen bitte Pferde oder den Linienbus. Außerdem, liebe Gemeinde, haben wir jetzt ein Einwohnermeldeamt. Bitte tragen Sie sich alle in die Liste ein, damit wir wissen, wie viele wir sind und wie alt jeder ist. Wenn jemand geboren wird, ist es anmeldepflichtig. Name und Datum. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

So. Die Kinder wurden nach Hause geschickt und gingen allein ins Bett, weil es spät war und die Erwachsenen tanzen wollten. Sie tanzten, weil das Lied gespielt wurde: „It´s been a hard day´s night.“

Während fast alle im Dorf tanzten, lag die Prostituierte mit einem Typ im Bett, umarmt. Herr Mahler malte an einem Bild, dann arbeitete er an der Dorfzeitschrift, die er ganz alleine machte, er brauchte immer Geld und hatte es nie. Es war nämlich so, dass jeder im Dorf schon ein Bild von ihm hatte und so viele Bilder, wie er malte, brauchte halt keiner. Das war das Problem. Und natürlich schlich der düster gekleidetete Typ durch die Straßen und überlegte, was er Böses machen konnte, während alle weg waren.

Von allen möglichen Sachen fiel ihm leider ein, bei Saskia und ihrem Mann einzubrechen und alles zu klauen. Alles! Die ganzen schönen Möbel, die sie selbst designt hatte, den schwarzen Arbeitstisch, sogar die Bilder, die an der Wand hingen von Saskia und Herrn Mahler.

Als sie nach Hause kam, war die Wohnung leer und sie rief den Polizisten. Der Polizist sagte: „Das bedeutet zehn Jahre Gefängnis für den Typen, der das alles gestohlen hat. Ich werde ihn suchen. Gute Nacht.“

Saskia und ihr Mann mussten auf dem Boden schlafen ohne Decke. Sie fanden das blöd aber auch ein bisschen gemütlich, man fühlte sich, wie in einer Scheune. Saskia öffnete die Dachfenster, damit es hereinregnete, auf ihre Gesichter, sie erzählte ein paar Geschichten und schlief ein.

Der Polizist suchte überall, fragte alle, aber jeder sagte: „Ich habe ein Alibi. Ich war auf dem Volksfest.“ Und das stimmte. Der Polizist fragte sich, ob die Kinder vielleicht alles gestohlen hatten und drohte ihnen mit Gefängnis. Dann fuhr er mit seinem Auto herum und herum und überall herum, er fuhr sogar weit weg, weiter als der königliche Park, weiter als die Berge, weiter als das Wohnzimmer, weiter als die Küche, bis zum Gang. Fast hat er nicht zurück gefunden nach Virgilia.

Nachdem der Polizist tagelang gesucht hatte, schlief er ein paar Tage. Der komische Mann wurde nicht mehr gesehen, von keinem, eigentlich wurde er nie gesehen, außer vielleicht später. Zum Glück hatte er jedenfalls nicht die Pferde geklaut.

Am nächsten Tag ritt Saskia wieder durch den königlichen Park. Die Blumen waren so schön an den Rändern angeordnet, der Park war wie ein großes Rechteck, wie ein Teppich, aber viel größer und königlicher.

An dem Tag, an dem der Polizist wieder erwachte und weitersuchen wollte, ritt Saskia so herum und herum und herum, so im Kreis, und bemerkte ein Kind.

„Hallo,“ sagte sie. Das Kind aber sagte nichts. Sie fand das nicht so komisch, weil ihr Mann ja auch nie redete. Sie nahm das Kind einfach mit nach Hause. Zu Hause, lernte das Kind Schachspielen von Saskias Ehemann. Sie adoptierten das Kind und später wurde der Junge Schachweltmeister, aber noch nicht jetzt.

Jetzt war der Polizist im königlichen Park. Plötzlich sah er einen Verdächtigen, der die Blumen pflückte, die dort angepflanzt waren.

„Im Namen des Gesetzes, der Freiheit und der Verfassung. Sie sind verhaftet!“

„Sie sind auch verhaftet,“ antwortete der Mann. „Sie sind mehr verhaftet als ich. Ich verhafte Sie, weil sie versucht haben, mich zu verhaften. Wir sind im königlichen Park und nicht in New Virgilia City. Ich bin Polizist.“

„Ich bin auch Polizist. Kann man Polizisten verhaften?“ erkundigte sich der Polizist.

„Ja,“ sagte der andere, der in Wahrheit bloß der komische Typ war, der doch wieder gekommen war. „Hier im königlichen Park ist das möglich. Ich stecke Sie jetzt ins Gefängnis.“

Leider glaubte der Polizist ihm und ließ sich verhaften. Aber davon merkte keiner was, alle waren zu Hause und nicht im Park. Der Polizist wurde nie mehr gesehen, außer vielleicht später, aber ich glaube eher nicht, der war weg und man holte einen anderen Polizisten, um den zu ersetzen. Das war nicht so schlimm, weil der Polizist keine Familie hatte, keiner war traurig, außer vielleicht der Prostituierten, weil sie ihn gut kannte. Aber ich glaube eher nicht, dass sie traurig war, die musste zu viel arbeiten.

Ein Kommentar

  1. Am Ende der Geschiicht erlosch dann das Licht , das all die Zeilen hell erleuchtet und „mich den Leser genüsslich lenkte nur das meine Aufmerksamkeit die ich der Geschichte schenkte im Gulli schnulli bitter endete zum zum Glück bin ich nicht ein Ritter von trauriger Gestalt und so vertraue ich auf eine Frohe Zukunft ohne Gewalt .. Dr. Ali Baba de MachMut