ERINNERUNGSARBEIT & LOKALPOLITIK

Manchem in Überlingen am Bodensee, liegt das Schicksal der Anderen, der Ausgegrenzten und Diskriminierten, der Vertriebenen und Ermordeten mit ihrer historischen Aufarbeitung der Geschichte von „Opfer sein“ besonders am Herzen. Als Veranstalter, Begleiter und Initiatoren z.B. der „Jüdischen Kulturtage in Überlingen“ entspricht dies unter dem Aspekt „Dialog“ offensichtlich deren Anliegen.

Als „Paten“ erwählt man sich hier den jüdischen Denker und Religionsphilosophen Martin Buber mit seinem Motto: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, erweitert um ihr Anliegen und „verbunden mit dem Wunsch, dass die jüdischen Kulturtage eine Initialzündung werden, Start für weitere Aktionen, die der Verständigung der Völker, insbesondere des deutschen und des jüdischen Volkes, dienen.“

So der Bericht im Südkurier vom 29.08.2008

Bubers „Dialog“ jedoch ausschließlich im Kontext und „Nachwirken“ der Shoah zwischen Israel und Deutschland und deren Bevölkerungen anzusiedeln, negiert das was Folge der Staatsgründung Israels war und sich heute mehr denn je in militärischen Gewalttätigkeiten zeigt.

Das konfliktreiche Verhältnis der arabischen und jüdischen Bevölkerung in Palästina und Israel zueinander. Denn gerade Buber rang um die Verständigung von dem palästinensischen und dem jüdischen Kollektiv von der „Warte“ eines einwandernden deutschen Juden aus, um so mehr ihm früh schon das Konfliktpotential bewusst war.

„Wir haben in Palästina nicht mit den Arabern, sondern neben ihnen gelebt. Das Nebeneinander zweier Völker auf dem gleichen Territorium muss aber, wenn es sich nicht zum Miteinander entfaltet, zum Gegeneinander ausarten. So droht es auch hier zu geschehen. Zum bloßen ’neben‘ führt kein Pfad mehr zurück. Aber zum ‚mit‘ kann, so groß sich auch die Hindernisse aufgetürmt haben, immer noch vorgedrungen werden. Ich weiß nicht, wie lange noch. Ich weiß nur, dass wir, wenn wir dahin nicht gelangen, nicht zu unserem Ziel gelangen werden“.

Martin Buber, Rede am 31. Oktober 1929 zitiert aus: Kampf um Israel, Schocken Verlag, Berlin 1933

Lassen wir deshalb Martin Buber nicht ein zweites mal, „wie nirgends sonst unter seinen Landsleuten vereinsamen“9, indem wir seinem Anliegen eines Dialoges zwischen der jüdischen und der arabisch – palästinensischen Welt z.B. in Überlingen am Bodensee nicht nach kommen, denn wir Deutsche könnten doch deren „Vermittler“ sein.

Wer von der Katastrophe der jüdischen Bevölkerung redet, muss auch von der Katastrophe der Palästinenser sprechen, die im Zuge der Besiedlung Palästinas zu weiteren Opfern wurden. Diese Perpetuierung von „Opfersein“ muss ein Ende haben. „Die Erinnerung gibt uns hierzu die Kraft, weil sie Irrwege vermeiden hilft.“ (Roman Herzog Bundespräsident a.D.)

Deswegen  sollten wir das Angebot zum öffentlichen Dialog zur Völkerverständigung und Auseinandersetzung annehmen und mit Fragen und Argumenten, Betrachtungen und Kritik erweitern,  ganz dem Anliegen Bubers verpflichtet, wo sich Wirklichkeit, im wirkenden Handeln wiederfinden mag.

Denn aus der Erinnerung an vergangenes Unrecht und einer kollektiven Katastrophe wie den Holocaust, erwächst der Auftrag für uns, heutiges Unrecht und Verletzung von Menschenrechten anzuprangern und zu verurteilen, wo auch immer diese von Menschen begangen werden und für das „Nie wieder“ einzustehen. Politisch so zu handeln, dass Unrecht transparent wird, ist Maxime dieses Auftrages.

Ein „Nie wieder“ das doch für alle Arten von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für alle Menschen gilt. Oder nur für einen exklusiven Kreis!?

Sonst wäre Erinnerungsarbeit eine nochmalige Verhöhnung von Opfern, von denen ja nichts bleibt ausser dieser stumme „Auftrag“ des „nicht noch einmal“ im gesamten Menschheitsgeschehen, welches alle Menschen und alle Verbrechen an Menschen ohne Unterschied mit einbezieht.

Es ist unter dem Aspekt von Glaubwürdigkeit unerlässlich, sich dafür einzusetzen, dass der „Akt der Erinnerung“ unteilbar bleibt. Entsprechend der Unteilbarkeit der Menschenrechte, die für alle Menschen gelten, gleich welcher Herkunft, Religionszugehörigkeit, Hautfarbe und Ethnie, gleich in welchem Land und Region.

Mit „Erinnerung an“ sind hier sowohl die Ereignisse in unserer jüngeren Geschichte der Naziherrschaft wie auch aktuelle Geschehnisse als auch außerhalb unseres Landes gemeint. Gerade in der heutigen Zeit einer vernetzten Welt und einem bisher nie da gewesenen „Angebot“ von Informationen und Wissen um das, was in der Welt geschieht. Geschichte geschieht jetzt, transparenter denn je, immer mehr auch vor unseren Augen.

Das bedeutet: Gerade unter diesen Bedingungen darf „Die Erinnerung des Schicksals der Einen“ nicht zu dem „Vergessen des Schicksals der Anderen“ führen. Historiker sind verpflichtet zeitübergreifende Zusammenhänge plausibel und transparent aufzuzeigen und nicht nur in Teildebatten unter Ausgrenzung der „Anderen“, einseitig Geschichte zu beleuchten, aufzuarbeiten und zu lancieren.

Dass wir uns als Menschen jedoch in Zwängen wiederfinden, ist eine allbekannte Prämisse sozialen Lebens. Politiker, stehen in dieser um so mehr. Aber gerade Jene sind den den nicht teilbaren Menschenrechten und dem Völkerrecht verpflichtet. So wie auch die „erste Demokratie“ im nahen Osten, nämlich Israel sich verpflichtet hat.

Wenn es möglich ist „jüdische Spuren in Überlingen“ vom ausgehenden Mittelalter bis ins Heute zu begehen, muß es auch möglich sein einen weit besser dokumentierten kleineren historischen Bogen zu beschreiten, der gerade einmal ca. 100 Jahr alt ist und unmittelbar mit heutiger jüdischer Geschichte zusammenhängt. Gemeint ist die Staatsgründung Israels, die Vorgeschichte hierzu und der hieraus entstandene sogenannte Nahostkonflikt.

Das ist Teil jüdischer und israelischer Geschichte damals und heute. Es gibt Spuren, die von Israel bis nach Überlingen am Bodensee führen. Hierzu später mehr.

Zunächst aber erinnern wir uns an die jüngste Geschichte in Überlingen im Zusammenhang mit Waffengeschäften der Firm DIEHL BGT DEFENCE, deren  Kooperation mit Israels Waffenschmieden, Austausch und Kooperation von Zielerfassungs Know-how, die unsichtbare Welt von Software und einer internationalen Wissenskooperation auf dem Feld vernichtender Technik.

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