ANTWORTEN & FRAGEN

Wer öffentlich bekennt dass ohne eine gewisse „Landschaftspflege“ seitens eines Rüstungskonzernes schwer Kulturpolitik* machbar sei, begibt sich in die Nähe von Abhängigkeiten, deren Rechtfertigung nur unter der Ausblendung der Wirkung von Waffen „funktioniert“. Und seien sie noch so „intelligent“.

* s.a. Die Zeit v. 04.11.2010 | zählen hierzu z.B. auch die jüdischen Kulturtage in Überlingen?

Was im Übrigen mit dieser und anderer nivellierender Wortwahl nur ein Versuch des reine Waschens des Tötungsaktes und Zerstörens durch diese Waffen ist. Gerade auch dort wo „Hightech“ indirekt zur Tötung von Menschen und Zerstörung eingesetzt wird. Wie z.B. im Verbund durch Aufklärungs- und Zielerfassungstechnik.

Wer aber redet schon gerne bzw. wer darf überhaupt über solch einen Job reden ohne diesen zu verlieren, wenn daran die Hausfinanzierung, die Familie, gesellschaftliches Ansehen und viele andere Standards hängen.

Es mag den einen oder anderen beunruhigen. Im Alltag zeigt man sich jedoch gerüstet und legitimiert, die Unruhe mit der Faszination des Infrarotsuchkopfes und der Überlegenheit einer „sauberen – intelligenten“ Kriegsführung mit möglichst wenig Tötungen unbeteiligter Zivilisten.

„Opfer“ für die wir keine Schuld tragen?

Wir sprechen von zivilen Opfern in urbanem Umfeld, im sogenannten asymmetrischen Konflikt aktueller Kriegsführung! MOUT | Military Operation in Urban Terrain

Über den Wolken Alles eitel Sonnenschein?

Der Preis für diese arbeitsteilige Gesellschaft?

Spaltung. In der die Rechtfertigung durch „Hightech“, „kleinst Teile Montage“, „Software Engineering“ ausgeblendet und fein säuberlich getrennt von der Vernichtungsmaschinerie eigener „Produkte“, tiefe Gräben ins soziale Sein ziehen. Kaschiert durch gesponserte Bemühungen der Betriebe. Schweigegeld bis tief in die Gesellschaft hinein. Abhängigkeit und Verstrickung, Fessel menschlicher Begegnung.

Verschwiegene Begegnung, begegnende Verschwiegenheit. Ende der Begegnung.

Sagte nicht Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“?

Ist es also nur von diesem (Ver) Schweigen her verstehbar, wenn sich Politiker einem Unternehmen unter dem Aspekt gesellschaftlich- politischen Handelns ergeben zeigen, wo doch dieses Familienunternehmen Diehl unter der Naziherrschaft als vorbildlicher Rüstungsbetrieb ausgezeichnet wurde, indem er die Arbeitskraft tausender KZ und Zwangsarbeiter missbrauchte und viele von ihnen in Folge zu Tode gebracht wurden?! Und jetzt erinnern Jene an ein ehemaliges KZ, wo eben solche KZ Arbeiter durch Arbeit in der Rüstungsindustrie der Nazizeit zu Tode gebracht wurden. Wie geht das zusammen? Macht es einen Unterschied, dass es damals in Überlingen nicht die Arbeiter Diehls waren? Ist die Reinwaschung der Sprache, die Entkontextualisierung der Geschichte bereits soweit erfolgt, daß wir die Zusammenhänge nicht mehr erkennen, oder erkennen wollen. Oder schauen wieder alle weg?

s.a. Der Film: „Wir sind die Sklaven von Diehl“ | Zur Preisverleihung an den Seniorchef DIEHL | Medienwerkstatt Franken 1997. Dort berichten u.a. jüdische ZwangsarbeiterInnen von ihrem Leid und dem Tod ihrer Leidensgenossen unter der Zwangsarbeit im Nazi Rüstungsbetrieb DIEHL.

Da aber, wo Politik korrumpierbar wird in einem Zusammenhang wo es hier um Sponsoring von kulturell- sozialem Leben und dort um den exportierten, potentiell zehn tausendfachen Tod geht, stellen sich Fragen.

Nämlich: Nehmen wir aus Gründen unseres eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens den Tod von unbeteiligten Zivilisten in Kauf? Zwar bedauert und abgeheftet durch das Wortspiel „Kollateralschaden“ aber unter irrealer Verdrängung und Kompensation dessen was dies im Einzelnen an Tragik und Vernichtung bedeutet. Mögliche Schuld und Aufarbeitung von Zusammenhängen werden ausgeklammert und negiert.

Die Diskussion um Schurkenstaaten und Zivilbevölkerung, das Streuen wo und mit wem man Waffen handelt und einsetzt ist entweder politisch / wirtschaftlich besetzt oder vorgeschoben. Denn: Zum als „Schurkenstaat“ Bezeichneten (unabhängig davon, ob er dies auch wirklich ist) führt der Weg auch über den Umweg. Und wer Feind ist, wird im Ernstfall von dem definiert, der seine Waffen lädt. Da hilft auch keine Rüstungskontrollkommission. Je Ferner desto besser, weil weniger transparent für mögliche Kritik.

Oder man erntet dehnbare und nichts sagende Formulierungen wie diese:

„Rüstungsexportkontrollentscheidungen zu Israel berücksichtigen neben den historischen Sonderbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel aber auch die Lage in der Region.“

Bundestagsplenarprotokoll 17/45 vom 09.06.2010, Anlage 53, Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper (Auswärtiges Amt) auf die Frage der Abgeordneten Heike Hänsel (Die Linke).

Die „Lage in der Region“ wird so definiert wie sie genehm scheint um Rüstungsgeschäften nicht all zu sehr in die Quere zu kommen. Man kann alles regeln, sind wir erst einmal „eingeschworen“ auf den gemeinsamen Feind „Terror“. Dadurch entsteht jene Abhängigkeit, wo sich im Nachgang Kritik wie von selbst verbietet, weil wir und unser Land „via Waffenhilfe“ mit dabei waren „als es passierte“.

s.a. Die damaligen, (1980-er Jahre) Waffenlieferungen der USA an den Irak, der Lieferungen von Deutschland an den Irak und die damaligen Waffenlieferungen von Israel an den Iran! Jeder mit Jedem solange die Wirtschaft boomt.

Auf der anderen Seite „predigen“ wir sogar, dass die Pflege und Belebung kollektiver Erinnerung an menschenverachtendes Unrecht unmittelbar Auftrag ist, seine Augen nicht vor aktuellem Unrecht zu verschließen. Oder mindestens den Versuch des Hinterfragens zu bemühen um Zusammenhänge zu verstehen. Ansonsten würden wir nämlich unglaubwürdig! Dass wir es schon geworden sind, ist zu verdrängen. Auch das wissen wir.

Heutiges Geschehen ist die Geschichte von Morgen. Israel Shahak sagt in seinem Buch: Jüdische Geschichte, jüdische Religion:

„Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist gezwungen, sie zu wiederholen“.

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