Aristocat

Monsieur Aristocat ist der letzte Spross einer mütterlicherseits aus Frankreich stammenden Familie von Edelleuten deren Stammsitz nahe bei Besancon liegt. Seit dem frühen 12 Jahrhundert belegt, brachten es die Angehörigen seines Hauses zum Range von Comte und Marquis. Sie stellten Kirchenfürsten und Marschälle. Ahnen kämpften auf Seiten des Herzogs von Burgund in der Schlacht bei Azincourt gegen die Engländer. Väterlicherseits kamen die Vorfahren direkt aus Salzburg.  Dazwischen gemengt hat sich slawisches Blut. Beide Familien fanden im einstigen Ostpreussen zu einander. Ein Zweig gehörte der polnischen Noblesse an, nahm Teil an der Befreiungsschlacht um Wien von den Türken unter König Jan Sobieskys Flügelhusaren am Kahlenberg.

Unter den Salzburgern waren Baumeister und vom Bauwurmb befallene (wie man damals sagte) Personen darunter. Ein Erbe dieses guten Architektur-Gusto ist Aristocat selbst. Denn mehr den schönen Künsten zugeneigt als allem Anderen, vergeht kein Tag ohne Beschäftigung mit Architektur- und Kunstgeschichte mit klassischer und alter Musik, mit Literatur und Poesie und den historischen Wissenschaften.  Auch in Sachen Kochkunst und Gastrosophie ist er kundig und den Genüssen erlesener Weine, Champagner und Zigarren zugetan. Allgemein wird ihm die Kultivierung der Lebenskunst nachgesagt verbunden mit der Kunst des stilvollen Verarmens. Ein dezenter Dandyismus in seinem Habitus gehört dazu. 

Wenn er Manches vordergründig von Oben herab betrachten mag, hat dies nichts mit Cnobismus zu tun. Das mag seiner vornehmen Herkunft geschuldet sein. Nein es ist vielmehr die Distanz zu gewissen aktuellen Aktivitäten und Personen, die es ihm ermöglicht eine klare Übersicht zu bewahren. Viele allzu modische Trends in vielen Bereichen des Lebens sind ihm zuwider und nötigen ihm höchstens ein müdes Lächeln ab. Stets versucht Aristocat die Contenance zu wahren. Doch bei aller stoischen Gelassenheit fällt ihm das angesichts der wachsenden Narretei schwer. So denkt er darüber nach, das altverbriefte Faustrecht wieder zu aktivieren. Vieles vermag Aristocat mit Ironie zu betrachten. Aber manchmal überwiegt der üble Beigeschmack. Ein gewisser Weltekel stellt sich ein. 

Ansonsten sind Finesse und Elegance sein Ziel in allen Lebenslagen. Der gute Geschmack ist sein Beruf. Er schätzt das Zeitalter der Aufklärung. Esprit und unkonventionelle Gedankengänge zieht Aristocat der Konvention vor. Das Mittelmaß, was ihm heute das Nonplusultra in allen Bereichen dünkt, ist ihm ein Gräuel.  Er mag Nostalgiker sein. Dennoch ist ihm bewusst, das die Vergangenheit nicht besser war. Ein laudator der tempi passati ist er nicht. Vielmehr schätzt Aristocat den Geschichtspessimismus eines Jakob Burckhardt, der bekannte: „Wir schweben über Abgründen“ und erkannte, „das die Macht an sich böse sei.“

Aristocat