Herr A. Point

Herr A. Point ist der letzte Spross eines sehr alten und darum etwas ermüdeten Geschlechtes, das seine Ahnenreihe bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen kann. Er verfügt, wie in solch ehrwürdigen Familien üblich, über eine Vielzahl von Vornamen, die alle mit „A“ beginnen und mit „e“ enden (u. a. Auguste, Aristote, Aristide, Alexandre, Adolphe) und die er der Einfachheit halber ganz offiziell unter dem Kürzel „A.“ zusammenfasst. Schon in frühester Jugend (siehe Foto!) wurde ihm bewusst, dass sein Name auch eine Verpflichtung bedeutet, und seitdem zögert er nicht, die Dinge auf den Punkt zu bringen. (Äußerlich hat er sich übrigens bis heute kaum verändert, nur innerlich ist er nach Jahrzehnten der Prüfungen ein wenig gereift.) Mit seinem ersten überlieferten Diktum „Nein, meine Suppe esse ich nicht!“ (bezogen auf eine trübe Brühe mit grausam zerkochtem Gemüse – ein Massaker, das sich „Quer durch den Garten“ nannte) war eine Karriere als kritischer Gastrosoph bereits vorgezeichnet. Allerdings studierte Herr A. Point viel mehr als bloß Speisekarten und Kochbücher, z. B. Geschichte, Philosophie, Politik, Staatsrecht und sogar Viro- und Epidämonologie. Sein interdisziplinärer Ansatz führte ihn schließlich zu der revolutionären Erkenntnis, dass alles mit allem irgendwie zusammenhängt. Aus der langen Liste seiner Publikationen ragt sein Standardwerk „Bakterien und Viren in der deutschen Hochküche von Clemens Wilmenrod bis Tim Mälzer“ ebenso hervor wie ein vielbeachteter, gemeinsam mit Professor Dan Diner von der Universität Tel Aviv verfasster Essay über „Die Diskrepanz von Narrativ und Statistik im Kontext des Jom-Kippur-Krieges von 1973“. Dass Herr A. Point (der nur aus Bescheidenheit auf seine diversen akademischen Titel verzichtet) bei seiner ins prähistorische Dunkel reichenden Abstammung auch israelitische Vorfahren hat, darf vorausgesetzt werden. Anders als sein Name nahelegt, ist er aber kein Franzose (außer im Magen). Am Niederrhein geboren und seinen Unruhestand am Bodensee genießend, betrachtet er sich als Bürger des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ (kurz HRR), das entgegen verbreiteter Meinung nicht 1806 erloschen ist, sondern immer noch fortbesteht, weil seine Auflösung durch den österreichischen Kaiser Franz verfassungswidrig und daher illegal war – mit allen Konsequenzen für den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte… (Vgl. A. Point, Die Zerstörung des Heiligen Reiches, Kopp-Verlag, Rottenburg am Neckar 1999)