Wenn jemand an der Seepromenenade als Charlie Chaplin verkleidet geht und als Herzen geformte Luftbalons verteilt – dann möchte er sie meistens verkaufen, obwohl er zuerst so tut, als ob er sie verschenkt. Das ist keine Verschwörungstheorie. Wenn man seinen Luftballon annimmt und ohne zu zahlen versucht wegzugehen, dann wäre er sehr beleidigt.
Und deine Begleiter würden dich ungläubig anschauen, wenn du daraufhin sagst „Warum? Du bist mein Zeuge, er wollte mir das schenken!“
Immer das gleiche Problem mit Kindern in der Situtation, weswegen der Luftballon-Verteiler, der erst nachher um Geld bittet, zuerst mit Kindern flirtet und ihnen den Luftballon gibt. Je nach dem, wie alt sie sind, können sie nicht verstehen, warum der Charlie Chaplin das macht.
Ist ein Kind 4 Jahre alt, wird es den Ballon bekommen, seine Eltern zahlen, weil das Kind gar so strahlt… Und man bewundert an Kindern ihre „Unschuld“, was man insgeheim für liebliche Dummheit hält.
Dann fragt das Kind „Warum zieht sich der Mann so an und verteilt Luftballons?“
„Er freut sich, wenn Kinder lachen“, sagen die ganz Harmoniesüchtigen, die Kinderunschuld verherrlichen.
„Er ist nur ein Bettler, der keine Lust hat, eine ehrliche Arbeit zu machen“, sagen Eltern, die ihn böse weggeschickt haben.
Manche Eltern mit Skrupeln sagen: „Er hat wenig Geld und hat sich überlegt, wie er etwas Geld verdienen kann und gleichzeitig Menschen erfreuen.“
Das ist nicht unwahr! Wenn er Leute verärgern wollte, würde er sie vermutlich bestehlen.

Aber nehmen wir jetzt an, dass der Luftballon-Verschenker an einem Tag der offenen Tür der örtlichen Polizei seine Luftballons verteilen würde und tatsächlich kein Geld dafür verlangt.
Was würde man nun seinem 4-jährigen Kind sagen, warum er das macht?
„Weil er lieb ist“, würde wieder der Harmoniesüchtige sagen, der sich vor die „Unschuld“ seines Kindes stellt, wie ein antiker Vater vor die Jungfräulichkeit seiner Tochter.
Ein vorsichtiger Erzieher würde sagen: „Er wurde von der örtlichen Polizei dafür bestellt, damit Kinder keine Angst vor der Polizei haben, sondern denken, dass die freundlich sind.“
Das wäre übrigens sehr neutral formuliert.
Wer nicht so gut zu sprechen ist auf den Staat würde sagen: „Die lügen Tag und Nacht, jetzt wollen sie mit so billigen Mitteln die Gefühle unserer Kinder kaufen!“
Was nach einer Frau in einer Scheidungsgeschichte klingt.
Was davon ist wahrer? Es gibt keinen Zweifel, dass der Tag der offenen Tür der örtlichen Polizei so geplant wurde, damit die Bevölkerung Vertrauen in sie bekommt. Das ist alles andere als eine Verschwörungtheorie. Jeder, der in einer Firma jemals gearbeitet hat, weiß, dass das realistisch ist. Man spricht in fast jedem Meeting von „Wordings“ und wundert sich nicht weiter.