Warum bedrängt China die Welt mit Exporten?

Die vielen Seiten der Medaille. Teil 1.



Es gibt eine große Unbekannte, einen Faktor X, der aber nie der gleiche ist, den man nicht mit Gewissheit einkreisen und einschließen kann. Heraklit sagte berühmterweise, dass keiner zwei Mal in den gleichen Fluss steigen kann. Die große Unbekannte hat man manchmal vage als „Wahrheit“ bezeichnet.

Diese allgemeine Ungewissheit in Verbindung mit dem Bewusstsein, dass man irgendwann stirbt, hat dazu geführt, dass sich die Menschen auf etwas anderes gestürzt haben, auf Erfolg. Dieser führt zum Glück, haben sie sich gesagt, während sie ihr großes Unbehagen verdrängten. Die größten Ideologen der Welt sind daher auch die größten Nihilisten.

Für solche ist Demokratie diejenige Kommunikationstechnik, in der eine geschlossene Frage an eine Bevölkerungsgruppe gerichtet wird und mehr als 51% mit Ja antworten, weil sie die Frage nicht verstanden haben.



Selbst eine Frage zu stellen und gar, eine gute Frage zu stellen, liegt dem Menschen fern. Auf seinem Telefon bringen ihm springende Ostereier besondere Angebote und es ist schwierig, nicht darauf zu warten, welcher Rabatt aus dem Ei schlüpft.

Eine gute Frage zu stellen, setzt voraus, dass man seinen Gedanken schon einige Zeit nachgegangen ist, aber diese Bedingung ist nicht gegeben. Wir warten auf die nächste Krise, aber auch die wird keine Ostereier mit guten Fragen bringen.

Stellen wir die Frage dennoch, denn die Situation, die sich zwischen den USA und China entfaltet, ist fragwürdig. Warum kauft China nicht seine eigenen Produkte, statt ausländische Märkte damit zu bedrängen? Was hält die USA davon ab, bezahlbare Konsumgüter für die eigene Bevölkerung herzustellen?





Länder mit dem größten Handelsbilanzüberschuss im Jahr 2023

Quelle:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/242539/umfrage/laender-mit-dem-groessten-handelsbilanzueberschuss




Länder mit dem größten Handelsbilanzdefizit im Jahr 2023

(Anmerkung, ganz oben über England stehen die USA, sie haben ein so großes Defizit, dass ihr Schaubalken fast ihren Namen verdeckt.)

Quelle:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/242564/umfrage/laender-mit-dem-groessten-handelsbilanzdefizit


„Gute Nachrichten für Deutschland, schlechte für die Konkurrenz: Deutschlands Handelsüberschuss wird 2012 höher ausfallen als in jedem anderen Land.“ Das schrieb der Focus im Jahr 2013 und das haben wir über viele Jahrzehnte gehört. Höhere Löhne wären deswegen indiskutabel, da wir ja in direkter Konkurrenz zu China stünden. Und wenn die Löhne hierzulande stiegen, dann würden die Unternehmen einfach nach China umziehen.

Inwischen sind freilich aus mancherlei Gründen hierzulande die Gaspreise so gestiegen, dass das alte Erfolgsmodell nicht aufrecht erhalten werden kann, dazu kommen nun noch die neuesten Zölle von den USA – und so erklärt sich, dass die „Keynsianer“ zurück sind, die mithilfe von Staatsverschuldung, die Nachfrage stützen möchten. Leider ist diese Nachfrage nicht besonders menschenfreundlich. Statt – beispielsweise – die Renten zu verdoppeln, baut man ein großes Militär aus.

„Krieg ist die Schaffung von Nachfrage, indem man den Kunden erschießt.“


C.H. Douglas schrieb 1936 (The Approach to Reality): „Schweden wurde als wunderbares Beispiel emporgehalten, wie gut das monetäre System funktionieren kann. Schweden produziert 3 Mal mehr als es konsumiert, aber dank der Launen der Wechselkurse, kann es die restlichen 2/3 exportieren. Schweden muss also 3 Mal mehr schaffen, als wirklich nötig wäre, damit das monetäre System funktioniert.“


„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt handelt die Welt unter einem Finanzsystem, das im Grunde ein Buchhaltungssystem ist, das die Lebensnotwendigkeiten kontolliert. Dieses Buchhaltungssystem produziert eine illusorische Notwendigkeit, mehr zu exportieren als zu importieren. Die Strafe mehr Importe als Exporte ist eine steigende Arbeitslosigkeit.

Diese Situation ist im Ursprung mathematisch und bietet nur einen brennbaren Hintergrund für einen internationalen Flächenbrand, ohne die beteiligten Länder dabei auszuwählen. Aus dieser Situtaion heraus gilt es aber als anerkannt, dass eine aggressive Psychologie vorteilhaft ist, um vorübergehenden Erfolg zu haben im Kampf um die wirtschaftliche Überlegenheit. Daraus folgt ganz natürlich, dass eine erfolgreiche Periode der kommerziellen Expansion eine starke Tendenz hat, von einer aggressiven Haltung in der Außenpolitik begleitet zu werden. Es ist wahrscheinich, dass die Ursachen für die vorübergehende kommerzielle Überlegenheit größtenteils zufällig sind. Es ist sogar noch wahrscheinlicher, dass die wirtschaftliche Überlegenheit während der letzten 200 Jahre gefördert werden konnte und tatsächlich gefördert wurde, je nach dem, wie die Gegebenheiten mit den Interessen der internationalen Finanzhäuser zusammentrafen.

Diesen Tatsachen zum Trotz hat die unheilbare menschliche Eitelkeit im Verbund mit dem Kult der Belohnung und Bestrafung angenommen, dass ein solcher Erfolg auf eine besondere Tugend des Erfolgreichen zurückzuführen sei. Die Ergebnisse davon waren leicht zu sehen in der Haltung der Vorkriegs-Preussen und sie werden bemkerbar in der nationalen Haltung der Vereinigten Staaten. (…)“ – C.H. Douglas, Warning Democracy, 1935


Wie viel Geld braucht ein Land?

Wenn in einem Land etwas produziert wird, muss es eine Entsprechung dafür geben in Geld. Diese Geldmenge muss eben der Produktion entsprechen. Man kann die Geldmenge natürlich davon abhängig machen, wie viele Haare der Banker auf dem Kopf hat, wie viele Flöhe sein Hund hat oder wie viel Gold in diesem oder jenem Keller vorhanden ist, aber das macht keinen Sinn. Wenn der Banker zufällig ein Glatzkopf ist, gibt es eine unnötige Deflation. Unnötig, weil die Produktion ja vorhanden ist.

Wenn in einem Land etwas produziert wird, muss es eine Entsprechung dafür geben in Geld. Diese Geldmenge muss eben der Produktion entsprechen. Man kann die Geldmenge natürlich davon abhängig machen, wie viele Haare der Banker auf dem Kopf hat, wie viele Flöhe sein Hund hat oder wie viel Gold in diesem oder jenem Keller vorhanden ist, aber das macht keinen Sinn. Wenn der Banker zufällig ein Glatzkopf ist, gibt es eine unnötige Deflation. Unnötig, weil die Produktion ja vorhanden ist.

Die Grundannahme der traditionellen Volkswirtschaft ist, dass die Produktion von Waren und Dienstleistungen automatisch genügend Geld in Form von Einkommen ausschüttet, um die Kosten und damit die Preise für Waren und Dienstleistungen zu decken. Diese Annahme nennt man manchmal „Say’sches Theorem“ (nach dem franzöischen Ökonom Jean-Baptiste Say aus dem 18. Jahrhundert): Das Angebot schafft seine eigene Nachfrage, oder, in finanzieller Hinsicht, der Fluss der Preise wird automatisch durch den Fluss der effektiven Nachfrage in Form von Einkommen ausgeglichen. Wenn in einer bestimmten Wirtschaftsperiode ein bestimmtes Produktionsvolumen unverkauft bleibt, so liegt das daran, dass die Menschen ihr Einkommen sparen, anstatt es auszugeben.

Diese Annahme hat eigene Anhänger unter den Ökonomen, die sich „angebotsorientiert“ nennen. Sie empfehlen den Politikern, das Angebot, die Produktion, zu begünstigen und dadurch werde sich die Nachfrage automatisch einstellen.

Es gibt eine andere Gruppe von Ökonomen, die „Nachfrageorientierten“, die sich auf John Maynard Keynes beziehen, der während den Wirtschaftsdepressionen der 30er Jahre empfohlen hat, die Nachfrage zu stützen, indem sich der Staat verschuldet und dadurch Arbeitsplätze schafft.

Manche Keynesianer geben offen zu, dass Krieg wünscheswert sein kann, um eine Depression zu bekämpfen, es werden Waffen produziert, Soldaten sind Arbeitnehmer:

Aber warum fehlt es grundsätzlich so an Nachfrage, dass man Exportweltmeister werden muss, damit die eigene Bevölkerung gerade so über die Runden kommt?

Wovon sich Trump so bedroht fühlt, ist ein Strategiepapier aus China „Made in China 2025“.

China möchte sich in mehreren Schritten zur Industriemacht transformieren.

„Im letzten Schritt bis 2049, zum hundertjährigen Bestehen der Volksrepublik, soll China als führende Industrienation an der Weltspitze stehen. China wird bis dahin die Fähigkeiten besitzen, Innovationen und fortschrittliche Technologien sowie industrielle Systeme zu entwickeln.“

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Made_in_China_2025


Schriften von C.H. Douglas

https://www.socred.org/s-c-theory/the-douglas-internet-archive


Die fünf Seiten der Medaille sind:

  1. Exportnationen
  2. Geldschöpfung
  3. Inflation
  4. Krieg
  5. technicher Fortschritt (und Vollbeschäftigung)

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