Autor: Júlia da Silva Bruhns

Brief an Hitler von C. H. Douglas

Brief an Herrn Hitler von Major Douglas, 06.05.1939

Herr Führer,

als Einleitung zum beigefügten Memorandum,* bitte ich um die Erlaubnis, Ihre hochgeschätzte Aufmerksamkeit auf folgende Beobachtungen lenken zu dürfen.

(a) Zwar wird behauptet, und zweifellos auch ehrlich geglaubt, dass es einen ideologischen Konflikt gibt zwischen der ‚demokratischen‘ Machtgruppe und der totalitären Gruppe, jedoch gibt es tatsächlich keinen solchen Konflikt – die Handlungen beider Seiten fußen auf Schlussfolgerungen der tiefer liegenden Annahme, die ohne Zweifel als unanfechtbar betrachtet wird, dass die Vollbeschäftigung Ihrer Bevölkerungen den Erfolgsbeweis in sich tragen. Die Meinungsverschiedenheiten beider Gruppen beschränken sich allein auf ihre Verfahrensweisen.

(b) Wenn diese Behauptung auf einer ‚moralischen‘ Grundlage beruht, dann muss festgestellt werden, dass sie praktische Probleme mit sich bringt, die nur lösbar sind durch Rückgriff auf einen Krieg mit wechselseitiger Zerstörung, der gewiss in Anarchie münden wird und in schlussendlicher Unterwerfung unter einen transatlantischen Überlebenden.

(c) Wenn jedoch behauptet wird, dass die Vollbeschäftigung eine praktische Notwendigkeit für eine fortschreitende Zivilisation sei, kann leicht nachgewiesen werden, dass das Gegenteil der Fall ist. Es ist allgemein anerkannt, dass die gegenwärtige Rüstungsproduktion in jedem Land erzwungen wurde durch die allgemeine Annahme, dass Arbeitslosigkeit der wirtschaftlichen Zerstörung gleich kommt, und so muss gleichzeitig zugegeben werden, dass die Vollbeschäftigung, die durch die Aufrüstung errungen wird, sowohl zeitlich begrenzt, als auch zugleich das beste Beispiel für Verschwendung und Ineffizienz ist.

(d) Diese Beschäftigungspolitik, die ich hier in Zweifel stelle, wird jetzt als untrennbar vom jüdischen Finanzsystem erkannt.

(e) Eine einfache Änderung in diesem System würde die Vollbeschäftigung obsolet, den Wettbewerb um Märkte unnötig machen und würde die Macht des internationalen Finanziers zerstören – eine Macht, die der Krieg nur vergrößert und die letztlich die Zivilisation in Europa zerstören wird, wenn nicht sie selbst zerstört wird.

Darf ich den ernsten Antrag vorbringen, dass die gegenwärtige Krise in der weltgeschichtlichen Schlüsselrolle, die Sie tragen, dafür genutzt werden kann, eine Aufdeckung dieser falschen und zerstörerischen Politik zu erzwingen?

Wenn dieses Thema auf den vorgeschlagenen Konferenzen in den Vordergrund gebracht würde, dann ist es unbestreitbar, dass sich nicht nur Deutschland, sondern die gesamte zivilisierte Welt in der Unterstützung Ihrer Handlungen vereinen wird. Nicht Präsident Roosevelt, sondern Sie, wären anerkannt als der Vertreter all jener Werte, die gleichermaßen geehrt werden von den sogenannten Demokratien und ihren künstlich erzeugten Gegnern.

 

Hochachtungsvoll,

Ihr C. H. Douglas

 

 

* Bei dem erwähnten Memorandum handelt es sich um eine Ausgabe des zuvor veröffentlichten ‚Eine Warnung an Europa‘ (‚Warning Europe‘).

 

 

Übersetzung von Júlia

Original: https://www.socred.org/images/douglas-archives/Letter-to-Herr-Hitler.pdf

Das Bedenkliche denken und Heidegger lesen

1. Sprache der Tiere und der Menschen

Wenn man Vögel beobachtet und ihnen zuhört, wie sie mit ihren Lauten ihr Innen- und Außenleben bedeuten, wird man feststellen, dass sie nie ein ‚Wort‘ zwei Mal verwenden. Sie haben keine Wörter in dem Sinne, auch wenn sie immer wieder von den gleichen ‚Dingen‘ oder Wesen sprechen. Sie legen die aktuellste ihrer Emotionen ohne einen Moment des Überlegens (das Überlegen passiert laufend im Hintergrund und kulminiert beispielsweise in einer Warnung), ohne Übergang in ihren Ton, was man auch in ihren Augen sehen kann. Dies nehmen sie aus ihrer Lebensintensität, die immer vorhanden ist, egal ob sie sich angstvoll in einem Busch vor einem Sturm verstecken oder sich der Nachdenklichkeit hingeben, eine leise Melodie hervorzubringen, die sie noch nie gehört haben. Auch in der Schläfrigkeit sind sie ‚ganz‘ schläfrig.

Sie wenden die Intensität nicht an, um zu beeindrucken, sondern im Falle einer Warnung beeindrucken sie, WEIL sie versuchen, eine Gefahr so klar wie möglich zu bedeuten.

Sie üben diese Kommunikationstechniken in ihren Leben so gut ein, dass ihr Verständnis für einander oft für uns aussieht wie Hellsichtigkeit. Und das ist es für uns auch, denn wie würdest du das finden, lieber Leser, wenn ich zum Fenster einmal Koffer sage, dann Tablette und danach Wasserbett. Du würdest anfangen, mich zu korrigieren, obwohl ich eine Methode anwende, die seit Millionen von Jahren funktioniert. Der Punkt ist nur der, dass man sich dabei nicht verstellen darf.

Das Gegenteil davon wäre eine Diva aus Hollywood, die wie ein Schluck Wasser in der Kurve zu Hause herumhängt, um sich dann plötzlich aufzubrezeln und auf die Straße zu stürmen, um sich dort zwei Stunden lang fotografieren zu lassen mit einem Pappbecher in einer Hand und einem Handy oder kleinen Hund in der anderen. Die Betrachter ihrer Fotos werden dann vermutlich sagen (weil sie das schon oft gehört haben und eigentlich nie etwas Urtümliches, Eigenes denken): „Naja, mir gefällt das auch nicht, was sie macht, aber ich finde, sie verkauft sich gut!“

„Soll aber der Mensch noch einmal in die Nähe des Seins finden, dann muss er zuvor lernen, im Namenlosen zu existieren. Er muss in gleicher Weise sowohl die Verführung durch die Öffentlichkeit als auch die Ohnmacht des Privaten erkennen. Der Mensch muss, bevor er spricht, erst vom Sein sich wieder ansprechen lassen, auf die Gefahr, dass er unter diesem Anspruch wenig oder selten etwas zu sagen hat. Nur so wird dem Wort die Kostbarkeit seines Wesens, dem Menschen aber die Behausung für das Wohnen in der Wahrheit des Seins wieder geschenkt.“

M. Heidegger, Über den Humanismus

Das Namenlose muss natürlich kein ‚Nirvana‘ sein oder ein theoretisches Nichts. Eben gerade die Vögel haben einen ausgeprägten Sinn für Musik und laut Ezra Pound (Guide to Kulchur) ist der vorrangige Sinn von Musik:

Die Zauberkraft der Musik liegt in ihrer Wirkung auf den Willen. Eine plötzliche Räumung des Geistes vom Gerümpel und die Wiedererschaffung eines Sinns für Proportion.

Bei uns heutigen Menschen sind die Wörter so sehr mit (häufig falschen) Bedeutungen überfrachtet, dass wir unter ihnen zusammenbrechen. Wie alle echten und tiefen Probleme, ist dieses Problem sehr alt, wir sehen es nur in neuen Gewändern und meinen, es wäre neu, nur weil wir es zum ersten Mal entdecken.

Goethe im Faust I:

MEPHISTOPHELES.
(…)
Im ganzen – haltet Euch an Worte!
Dann geht Ihr durch die sichre Pforte
Zum Tempel der Gewißheit ein.

SCHÜLER.
Doch ein Begriff muß bei dem Worte sein.

MEPHISTOPHELES.
Schon gut!
Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen;
Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte läßt sich trefflich glauben,
Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.

Um zwei Beispiele zu geben. Ich denke, dass das Wort ‚Querdenken‘ von vorne herein verfehlt war. Die Einzigen, die es notwendig finden, Labels an ‚Dinge‘ zu heften, sind die Werbefritzen mit ihren Slogans. Dass sich eine Gruppe von Menschen als Querdenker bezeichnet, hat nur dazu geführt, dass andere Menschen zu einander Dinge sagen wie: „Haben die Querdenker eigentlich eine eigene Partei? Ach so, sie haben ja die AfD.“

Es kommt in unserer Zeit dabei gewohnheitsmäßig so weit, dass das bedeutungsüberfrachtete Wort wichtiger wird als sein Sinn, so wichtig, dass es geradezu den Sinn negiert.

„Sie fragen: Comment redonner un sens au mot ‚Humanisme‘? Diese Frage kommt aus der Absicht, das Wort ‚Humanismus‘ festzuhalten. Ich frage mich, ob das nötig ist. Oder ist das Unheil, das alle Titel dieser Art anrichten, noch nicht offenkundig genug? Man misstraut zwar schon lange den ‚-ismen‘. Aber der Markt des öffentlichen Meinens verlangt stets neue. Man ist immer wieder bereit, diesen Bedarf zu decken. (…) 

Die Herrschaft solcher Titel ist nicht zufällig. Sie beruht, und das vor allem in der Neuzeit, auf der eigentümlichen Diktatur der Öffentlichkeit. (…) 

Darum gerät die Sprache in den Dienst des Vermittelns der Verkehrswege, auf denen sich die Vergegenständlichung als die gleichförmige Zugänglichkeit Allem für Alle unter Missachtung jeder Grenze ausbreitet. So kommt die Sprache unter die Diktatur der Öffentlichkeit. Diese entscheidet im voraus, was verständlich ist und was als unverständlich verworfen werden muss.

M. Heidegger, Über den Humanismus

Ein anderes Beispiel wäre, dass wir Heutigen uns wirklich fragen müssen, ob Viren überhaupt als Krankheitserreger existieren. Wenn dem nämlich nicht so wäre, müssten wir alle anderen Wörter hinterfragen, die wir sonst auch verwenden. Z.B. das Wort Immunsystem. Das Wort bedeutet mehr als wir wissen. Es impliziert auf so eine vage Weise so viel, dass man es eigentlich weglegen muss und lieber Wörter finden sollte, die auf der eigenen Erfahrung beruhen.

Ein Gedankengebäude oder Haus der Sprache, darf nicht zusammenbrechen, wenn man ein Wort entfernt und durch ein anderes ersetzt. Ein gutes Haus besteht nicht durch eine einzelne Annahme, es ist an so vielen Stellen mit der Wirklichkeit, mit dem Boden und ist sich selbst so stabil, dass man es auch renovieren könnte.

Ich habe einmal gehört, wie ein Schulkind zum anderen auf dem Heimweg sagte: „Als die D-Mark noch war, da hat ein Brot tausend Euro gekostet.“

Ich konnte mich an eine solche Zeit nicht erinnern. Ich vermutete, dass sie in der Schule etwas über ‚Inflation‘ gelernt haben, aber nicht darüber natürlich, dass man vollkommen verschiedene Phänomene einfach als ‚Inflation‘ bezeichnen kann, obwohl in einer Situation Inflation als unzulässige Erhöhung der Geldmenge (aber nicht der Produktion) gegeben ist, während andere Preissteigerungen einfach durch Monopolmacht beschlossen sein können, sich aber durch ein solches Wort gut tarnen.

Denn manche erachten die Wörter als ihre Untertanen und gehen mit ihnen um, wie es ihnen gerade passt, während die anderen wichtig klingende Wörter als ihre Vorgesetzten betrachten, die sie nie hinreichend verstehen können, dieses Unvermögen aber tunlichst verbergen.

2. Was heißt Denken?

Die Herrschaft der Wissenschaft und der Technik sind viel mehr als George Orwell in seinen Albtraum-Visionen vom Überwachungsstaat gesehen hat. (Auch ‚Überwachungsstaat‘ ist eines jener übermächtigen Wörter, die mehr Bedeutung vorgeben, als ihnen wahres Wissen und genaues Verständnis zugrunde liegt.)

Die Abschaffung des Denkens passiert dadurch, dass niemand es mehr lernt. Da das Denken dem Menschen aber nahe steht als sein natürliches Erbe, aber nicht mehr erreichbar ist, will Heidegger hier zeigen, wie der Sprung in das andere Element, welches das Denken ist, zu bewerkstelligen ist und wie man sich darin bewegen kann. Niemand bewegt sich an der Luft gleich wie im Wasser, es sind verschiedene Dichten, Widerstände und Möglichkeiten sich fortzustoßen und sich darin zu schlängeln.

Ich greife einige der schönsten Zitate aus diesem bemerkenswerten Vortrag heraus:

Als das vernünftige Lebewesen muß der Mensch denken können, wenn er nur will. Indes will der Mensch vielleicht denken und kann es doch nicht. Am Ende will er bei diesem Denkenwollen zu viel und kann deshalb zu wenig. Der Mensch kann denken, insofern er die Möglichkeit dazu hat. Allein dieses Mögliche verbürgt uns noch nicht, daß wir es vermögen. Denn wir vermögen nur das, was wir mögen. Aber wir mögen wiederum wahrhaft nur Jenes, was seinerseits uns selber und zwar uns in unserem Wesen mag, indem es sich unserem Wesen als das zuspricht, was uns im Wesen hält. Halten heißt eigentlich hüten, auf dem Weideland weiden lassen. Was uns in unserem Wesen hält, hält uns jedoch nur so lange, als wir selber von uns her das Haltende be-halten. Wir be-halten es, wenn wir es nicht aus dem Gedächtnis lassen. Das Gedächtnis ist die Versammlung des Denkens.

(…)

Unsere Sprache nennt z.B. das, was zum Wesen des Freundes gehört, das Freundliche. Dementsprechend nennen wir jetzt das, was in sich das zu-Bedenkende ist: das Bedenkliche. Alles Bedenkliche gibt zu denken. Aber es gibt diese Gabe immer nur insoweit, als das Bedenkliche von sich her schon das zu-Bedenkende ist. Wir nennen jetzt und in der Folge dasjenige, was stets, weil einsther und allem voraus, zu bedenken bleibt: das Bedenklichste. Was ist das Bedenklichste? Wie zeigt es sich in unserer bedenklichen Zeit? Das Bedenklichste ist, daß wir noch nicht denken; immer noch nicht, obgleich der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.

(…)

Dieser Vorgang scheint freilich eher zu fordern, daß der Mensch handelt und zwar ohne Verzug, statt in Konferenzen und auf Kongressen zu reden und sich im bloßen Vorstellen dessen zu bewegen, was sein sollte und wie es gemacht werden müßte. Somit fehlt es am Handeln und keineswegs am Denken. Und dennoch — vielleicht hat der bisherige Mensch seit Jahrhunderten bereits zu viel gehandelt und zu wenig gedacht.

(…)

Daß wir noch nicht denken, kommt vielmehr daher, daß dieses zu-Denkende selbst sich vom Menschen abwendet, langher schon abgewendet hat.

(…)

Es wird gut sein, wenn wir möglichst lange in solcher Abwehrhaltung zu dem Gesagten ausharren; denn so allein halten wir uns in dem nötigen Abstand für einen Anlauf, aus dem her vielleicht dem einen oder anderen der Sprung in das Denken gelingt. Es ist nämlich wahr, daß das bisher Gesagte und die ganze folgende Erörterung mit Wissenschaft nichts zu tun hat, gerade dann, wenn die Erörterung ein Denken sein dürfte. Der Grund dieses Sachverhaltes liegt darin, daß die Wissenschaft ihrerseits nicht denkt und nicht denken kann und zwar zu ihrem Glück und das heißt hier zur Sicherung ihres eigenen festgelegten Ganges.

(…)

Wir sagten: der Mensch denkt noch nicht und zwar deshalb nicht, weil das zu-Denkende sich von ihm abwendet; er denkt keineswegs nur darum nicht, weil der Mensch sich dem zu-Denkenden nicht hinreichend zu-wendet. Das zu-Denkende wendet sich vom Menschen ab. Es entzieht sich ihm. Doch wie können wir von Solchem, das sich einsther entzieht, überhaupt das Geringste wissen oder es auch nur nennen? Was sich entzieht, versagt die Ankunft. Allein — das Sichentziehen ist nicht nichts. Entzug ist Ereignis. Was sich entzieht, kann sogar den Menschen wesentlicher angehen und in den Anspruch nehmen als alles Anwesende, das ihn trifft und betrifft. Die Betroffenheit durch das Wirkliche hält man gern für das, was die Wirklichkeit des Wirklichen ausmacht. Aber die Betroffenheit durch das Wirkliche kann den Menschen gerade gegen das absperren, was ihn angeht, angeht in der gewiß rätselhaften Weise, daß das Angehende ihm entgeht, indem es sich entzieht. Der Entzug, das sich Entziehen des zu Denkenden könnte darum jetzt als Ereignis gegenwärtiger sein, denn alles Aktuelle.

(…)

Was sich uns in der genannten Weise entzieht, zieht zwar von uns weg, aber es zieht uns dabei gerade mit und zieht uns auf seine Weise an. Was sich entzieht, scheint völlig abwesend zu sein. Aber dieser Schein trügt. Was sich entzieht, west an, nämlich in der Weise, dass es uns anzieht, ob wir es sogleich oder überhaupt merken oder nicht. Was uns anzieht, hat schon Ankunft gewährt.

 

Ich empfehle dem Leser folgenden Text sehr genau zu hören und selbst nachzudenken, was seine angemessene Geschwindigkeit ist, seine Dichte, seine Bewegung:

 

 

An den Mistral – Friedrich Nietzsche

Ein Tanzlied

Mistral-Wind, du Wolken-Jäger,
Trübsal-Mörder, Himmels-Feger,
Brausender, wie lieb ich dich!
Sind wir zwei nicht Eines Schoßes
Erstlingsgabe, Eines Loses
Vorbestimmte ewiglich?

Hier auf glatten Felsenwegen
Lauf ich tanzend dir entgegen,
Tanzend, wie du pfeifst und singst:
Der du ohne Schiff und Ruder
Als der Freiheit freister Bruder
Über wilde Meere springst.

Kaum erwacht, hört ich dein Rufen,
Stürmte zu den Felsenstufen,
Hin zur gelben Wand am Meer.
Heil! da kamst du schon gleich hellen
Diamantnen Stromesschnellen
Sieghaft von den Bergen her.

Auf den ebnen Himmels-Tennen
Sah ich deine Rosse rennen,
Sah den Wagen, der dich trägt,
Sah die Hand dir selber zücken,
Wenn sie auf der Rosse Rücken
Blitzesgleich die Geißel schlägt, –

Sah dich aus dem Wagen springen,
Schneller dich hinabzuschwingen,
Sah dich wie zum Pfeil verkürzt
Senkrecht in die Tiefe stoßen, –
Wie ein Goldstrahl durch die Rosen
Erster Morgenröten stürzt.

Tanze nun auf tausend Rücken,
Wellen-Rücken, Wellen-Tücken –
Heil, wer neue Tänze schafft!
Tanzen wir in tausend Weisen.
Frei – sei unsre Kunst geheißen,
Fröhlich – unsre Wissenschaft!

Raffen wir von jeder Blume
Eine Blüte uns zum Ruhme
Und zwei Blätter noch zum Kranz!
Tanzen wir gleich Troubadouren
Zwischen Heiligen und Huren,
Zwischen Gott und Welt den Tanz!

Wer nicht tanzen kann mit Winden,
Wer sich wickeln muß mit Binden,
Angebunden, Krüppel-Greis,
Wer da gleicht den Heuchel-Hänsen,
Ehren-Tölpeln, Tugend-Gänsen,
Fort aus unsrem Paradeis!

Wirbeln wir den Staub der Straßen
Allen Kranken in die Nasen,
Scheuchen wir die Kranken-Brut!
Lösen wir die ganze Küste
Von dem Odem dürrer Brüste,
Von den Augen ohne Mut!

Jagen wir die Himmels-Trüber,
Welten-Schwärzer, Wolken-Schieber,
Hellen wir das Himmelreich!
Brausen wir … o aller freien
Geister Geist, mit dir zu zweien
Braust mein Glück dem Sturme gleich. –

– Und daß ewig das Gedächtnis
Solchen Glücks, nimm sein Vermächtnis,
Nimm den Kranz hier mit hinauf!
Wirf ihn höher, ferner, weiter,
Stürm empor die Himmelsleiter,
Häng ihn – an den Sternen auf!

Louis-Ferdinand Céline – Skandalautor auch im Tod

„Meine kleine Geliebte

Man darf keinem mehr die Hoffnung auf eine mehr oder weniger baldige Befreiung vorspielen. Jetzt sind es schon Jahre, dass ich so denke. Die Ungeduld ist der Essig der Qualen. Man muss sich dort sehen, wo man ist, ein für alle Mal. Die Dänen kommen alle früher raus als ich. Sie haben nicht Frankreich zur Mutter und Rosembly Lecache und Popol als Aufseher der Folter und tausend andere! Die glücklichen Dänen! Nur ein neuer Krieg kann mich aus der Schlinge ziehen, der den Hass auf neue Ziele ablenkt.“ Céline, 1946, Brief aus dem Gefängnis an seine Frau

„Ich bin so erschöpft, dass ich mir mit der Arbeit wirklich schwer tue – Mein Besatzer in der Rue Girardon hat mich in den Müll geschmissen – die Fortsetzung des Manuskripts von Guignol – und noch 3 andere Romane hat er in der Hand! Das ist ein sogenannter Morandat, ein Freund von de Gaulle – er schreibt in La Seine! Das Organ der Ertrunkenen? Er hasst mich, dieser Morandat, wie es scheint.“ Céline 1947 an Henri Poulin

Célines gestohlene Manuskripte sind jetzt wirklich aufgetaucht. Die Begründung ist so unglaublich, dass man nichts mehr kommentieren kann.

WER oder was ist die Delta Variante?

 

Ich wähle die Rubrik ‚False Flag‘ einzig deswegen, weil es keine Rubrik ‚Reinkarnation‘ gibt.

Ich habe mich heute an ein Zitat von Prince Philip, Prinzgemahl der heutigen englischen Königin, erinnert und es schnappte mehrmals zu, es ergab Sinn.

Dieser Philip sagte nämlich mal 2009 zur Zeitung The Guardian:

„Wenn ich einmal reinkarniert werden sollte, dann würde ich gerne als tödlicher Virus zurück kehren, damit ich etwas beitrage, um die Überbevölkerung zu beheben.“

Da dachte ich mir, der Mann hat sein Wort gehalten!

Er starb am 09.04.2021, die Delta Variante des Corona Virus (jetzt verstehen wir auch den Namen ‚Corona‘, wenn das direkt spirituell aus dem Buckingham Palast kommt!) wurde im Mai 2021 entdeckt bzw. benannt.

Bestimmte Videos, wo er das genauer erläutert, von denen ich vor Jahren mindestens ein sehr gutes gesehen habe, sind bedauerlicherweise auch für den Findigsten nicht mehr auffindbar. 

Die letzte Siedlung war geträumt

Saskia liebte es, im königlichen Park zu reiten. Galopp galopp galopp schneller schneller hey langsam trab trab trab. Dabei ging ihr der Wind durch das Haar und ihr Hut fiel beinahe hinunter, dann fiel er hinunter. Trab trab trab brrr. Warte mal ganz kurz. Sie hob den Hut auf und bemerkte den komischen Typ nicht, der Schlimmes im Schilde führte. Der Typ ritt im Schritt Schritt Schritt. Er schaute durch die Bäume und Büsche und hatte nichts Gutes im Sinn, das sah man gleich an seinem Blick.

Zur Beerstraße zurück gekehrt, begegnete sie dem Bürgermeister, der wie immer traurig durch die Straßen schlich. Sie grüßte ihn immer freundlich, weil sonst keiner im Dorf ihn grüßte. Seine Frau hatte nämlich allen im Stadtstaat verboten mit ihm zu sprechen. Die Bürgermeisterfrau war ganz schrecklich. Man erzählte im Dorf, dass sie im einzigen Bett im Haus schlief, während ihr Mann und die Kinder auf dem Boden schlafen mussten. Und wenn die Kinder morgens zur Schule gingen, mussten sie sich hinausschleichen, weil wenn ihre Mutter sie hörte, bekam sie einen Schreianfall. Arme Kinder, denn ihre Lehrerin war genau so. Wenn man die Hauptstraße entlang ging und an der Schule vorbei kam, hörte man nur furchtbare Schreie.

„Guten Tag, Herr Bürgermeister! Wie geht es Ihnen heute?“

Er sagte traurig Guten Tag, zuckte auf die Frage nur mit den Schultern.

Saskia lebte glücklich in der Beerstraße 13 mit ihrem Mann, der sehr nett war, aber leider ein wenig langweilig. Meistens stand er in einer Zimmerecke und schwieg oder er saß über seinen Bauprojekten am Tisch. (Er war Architekt und sie war Designerin.) Wenn irgend etwas passierte, war er immer Saskias Meinung. Wenn sie sagte: „Der arme Herr Mahler.“ (Herr Mahler war Maler aber er hieß nur zufällig so ähnlich, wie sein Beruf.) Dann sagte ihr Mann gar nichts und das bedeutete: „Stimmt.“

Als sie Blumen in die Vase steckte und dabei ein Lied summte, merkte sie Vieles nicht, weil sie es nicht merken konnte: Frau Bürgermeisterin ging auf der Hauptstraße, wie immer umzingelt von politischen Männern, die Schule war aus und die Kinder strömten erleichtert nach Hause und der komische Typ von vorhin, den sie nicht gesehen hatte, näherte sich langsam und verdächtig dem Stadtstaat Virgilia.

Am Abend versammelte sich die ganze Siedlung zu einem Volksfest, da wurde Musik gespielt und wie immer redete keiner mit dem Bürgermeister, weil sie Angst vor seiner Frau hatten. Alle kamen, nur Herr Mahler nicht und die Prostituierte auch nicht, weil die sehr arm waren und Tag und Nacht arbeiten mussten in ihren Einzimmerwohnungen ohne Fenster.

Es war sehr schön und niemand bemerkte den Fremden, der sich hinter Bäumen versteckte. Die Bürgermeisterfrau hielt eine Rede und verlies die neue Verfassung von Virgilia:

„So. Ich habe drei Gesetze aufgeschrieben, damit wir und auch die Polizei Bescheid wissen, was geht und was nicht geht.

Paragraph eins: Du darfst niemanden umbringen, es sei denn, es ist Notwehr oder Selbstmord oder Aus-Versehen.

Wer das trotzdem macht, muss das ganze restliche Leben im Gefängnis verbringen.

Paragraph zwei: Du darfst nicht stehlen, es sei denn die gestohlene Sache gehört dir.

Wer das trotzdem macht, muss für zehn Jahre ins Gefängnis.

Paragraph drei: Du darfst niemanden vergewaltigen, der es dir nicht erlaubt hat.

Wer das trotzdem macht, muss für zehn Jahre ins Gefängnis.“

Alle klatschten und fanden die Gesetze gut. Hinter den Bäumen klatschte ein komischer Typ und lächelte gemein.

„Ach ja,“ sagte sie. „Paragraph vier: niemand darf mit meinem Mann, dem Bürgermeister, reden. Ich bin zuständig für alles. Wer das trotzdem macht, dem wird das Wahlrecht entzogen.

Paragraph fünf: keiner darf ein Auto besitzen, außer der Polizei, damit die Polizei die Kriminellen leichter einholen kann. Das kann keiner trotzdem machen, weil es nur ein Auto im Land gibt, deswegen brauchen wir auch keine Strafe dafür. Alle anderen nehmen bitte Pferde oder den Linienbus. Außerdem, liebe Gemeinde, haben wir jetzt ein Einwohnermeldeamt. Bitte tragen Sie sich alle in die Liste ein, damit wir wissen, wie viele wir sind und wie alt jeder ist. Wenn jemand geboren wird, ist es anmeldepflichtig. Name und Datum. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

So. Die Kinder wurden nach Hause geschickt und gingen allein ins Bett, weil es spät war und die Erwachsenen tanzen wollten. Sie tanzten, weil das Lied gespielt wurde: „It´s been a hard day´s night.“

Während fast alle im Dorf tanzten, lag die Prostituierte mit einem Typ im Bett, umarmt. Herr Mahler malte an einem Bild, dann arbeitete er an der Dorfzeitschrift, die er ganz alleine machte, er brauchte immer Geld und hatte es nie. Es war nämlich so, dass jeder im Dorf schon ein Bild von ihm hatte und so viele Bilder, wie er malte, brauchte halt keiner. Das war das Problem. Und natürlich schlich der düster gekleidetete Typ durch die Straßen und überlegte, was er Böses machen konnte, während alle weg waren.

Von allen möglichen Sachen fiel ihm leider ein, bei Saskia und ihrem Mann einzubrechen und alles zu klauen. Alles! Die ganzen schönen Möbel, die sie selbst designt hatte, den schwarzen Arbeitstisch, sogar die Bilder, die an der Wand hingen von Saskia und Herrn Mahler.

Als sie nach Hause kam, war die Wohnung leer und sie rief den Polizisten. Der Polizist sagte: „Das bedeutet zehn Jahre Gefängnis für den Typen, der das alles gestohlen hat. Ich werde ihn suchen. Gute Nacht.“

Saskia und ihr Mann mussten auf dem Boden schlafen ohne Decke. Sie fanden das blöd aber auch ein bisschen gemütlich, man fühlte sich, wie in einer Scheune. Saskia öffnete die Dachfenster, damit es hereinregnete, auf ihre Gesichter, sie erzählte ein paar Geschichten und schlief ein.

Der Polizist suchte überall, fragte alle, aber jeder sagte: „Ich habe ein Alibi. Ich war auf dem Volksfest.“ Und das stimmte. Der Polizist fragte sich, ob die Kinder vielleicht alles gestohlen hatten und drohte ihnen mit Gefängnis. Dann fuhr er mit seinem Auto herum und herum und überall herum, er fuhr sogar weit weg, weiter als der königliche Park, weiter als die Berge, weiter als das Wohnzimmer, weiter als die Küche, bis zum Gang. Fast hat er nicht zurück gefunden nach Virgilia.

Nachdem der Polizist tagelang gesucht hatte, schlief er ein paar Tage. Der komische Mann wurde nicht mehr gesehen, von keinem, eigentlich wurde er nie gesehen, außer vielleicht später. Zum Glück hatte er jedenfalls nicht die Pferde geklaut.

Am nächsten Tag ritt Saskia wieder durch den königlichen Park. Die Blumen waren so schön an den Rändern angeordnet, der Park war wie ein großes Rechteck, wie ein Teppich, aber viel größer und königlicher.

An dem Tag, an dem der Polizist wieder erwachte und weitersuchen wollte, ritt Saskia so herum und herum und herum, so im Kreis, und bemerkte ein Kind.

„Hallo,“ sagte sie. Das Kind aber sagte nichts. Sie fand das nicht so komisch, weil ihr Mann ja auch nie redete. Sie nahm das Kind einfach mit nach Hause. Zu Hause, lernte das Kind Schachspielen von Saskias Ehemann. Sie adoptierten das Kind und später wurde der Junge Schachweltmeister, aber noch nicht jetzt.

Jetzt war der Polizist im königlichen Park. Plötzlich sah er einen Verdächtigen, der die Blumen pflückte, die dort angepflanzt waren.

„Im Namen des Gesetzes, der Freiheit und der Verfassung. Sie sind verhaftet!“

„Sie sind auch verhaftet,“ antwortete der Mann. „Sie sind mehr verhaftet als ich. Ich verhafte Sie, weil sie versucht haben, mich zu verhaften. Wir sind im königlichen Park und nicht in New Virgilia City. Ich bin Polizist.“

„Ich bin auch Polizist. Kann man Polizisten verhaften?“ erkundigte sich der Polizist.

„Ja,“ sagte der andere, der in Wahrheit bloß der komische Typ war, der doch wieder gekommen war. „Hier im königlichen Park ist das möglich. Ich stecke Sie jetzt ins Gefängnis.“

Leider glaubte der Polizist ihm und ließ sich verhaften. Aber davon merkte keiner was, alle waren zu Hause und nicht im Park. Der Polizist wurde nie mehr gesehen, außer vielleicht später, aber ich glaube eher nicht, der war weg und man holte einen anderen Polizisten, um den zu ersetzen. Das war nicht so schlimm, weil der Polizist keine Familie hatte, keiner war traurig, außer vielleicht der Prostituierten, weil sie ihn gut kannte. Aber ich glaube eher nicht, dass sie traurig war, die musste zu viel arbeiten.

BLATT

Sie wissen nicht, wie es ist, auf einem Blatt geboren worden zu sein. Ich schon. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens auf einem Blatt gelebt, bin wie ein Obdachloser auf seinen Straßen umhergegangen, habe versucht, mir dort Respekt zu verschaffen, einer von den Harten zu werden und es zu was zu bringen. Mit der Ausbildung hat es schon mal nicht geklappt, weil meine Lehrer trockene Bürger waren, die ich hasste und sie hassten mich auch, weil ich vom Blatt kam. In der ersten Klasse bin ich durchgefallen wegen mangelnder Anwesenheit. Und wenn ich in der Schule war, hab ich nichts kapiert.

Nachdem mein Vater aus dem Gefängnis kam, ließen sich meine Eltern scheiden. Meine Mutter fragte mich: „Möchten Sie nicht zu Ihrem Vater ziehen?“ Ich konnte es ihr nicht übel nehmen, denn sie hatte viel Scheiße gefressen mit mir. Sie wollte nur noch meinen Onkel heiraten und in Ruhe leben. Also sagte ich: „Ja gut.“
Ich zog nach Fünf Löchern, zu meinem Vater. Eines Tages saß ich über meinen Hausaufgaben und mein Vater hat mir mit der Faust auf den Kopf geschlagen, weil ich mal wieder nichts verstanden habe. Ich sagte: „Bitte schlagen Sie mich nie wieder. Gewalt erzeugt Gegengewalt.“

„Ach wie, Sie wollen mich schlagen, Sie schwule Sau?“

Wir begannen mit Gegenständen um uns zu werfen und ich rannte aus dem Haus. Spät nachts kam ich wieder, mein Vater wartete bei schwachem Lampenschein. Er war sehr traurig, umarmte mich und sagte: „Es kommt nie wieder vor. Tut mir leid.“

Wenn mich jemand fragte, was mein Vater war, sagte ich „Ökonom“. Was nicht stimmte, denn mein Vater hatte keinen richtigen Beruf. Ich wusste nicht, was er war und warum bei uns immer Dollarscheine, Gewehre und Handgranaten herumlagen. Jedenfalls konnte ich deswegen nie Freunde einladen.

Als ich zehn war, lernte ich Jakob kennen. Wir spielten zusammen Fussball, er war sehr gut im Toreschießen und ich war für nichts gut, aber wir waren Fans vom gleichen Verein. Wir liebten den FC Millionäre und verpassten kein Spiel von ihnen. Wenn sie in einer anderen Stadt spielten, fuhren wir eben im Bus hin mit unseren grünen Schals. Natürlich bin ich dadurch wieder durchgefallen. Aber ansonsten war ich sehr glücklich und wollte der beste Fan der Welt werden. Jakob und ich lernten Wörterbücher von Beschimpfungen auswendig, um die Nationalen und die Heiliger Glaube fertig zu machen, wenn sie gegen unsere Mannschaft antraten. Immer blickte ich zu den Jungs der Hochtribüne und wollte eines Tages auch dort sitzen, wie die richtigen Fans, vor denen jeder Angst hatte. Wie das Leben so spielt, lernte ich sie aber ganz wo anders kennen, als ich gedacht hätte. Ich saß in einer Bar und war gerade dabei, mich mit Jakob zu betrinken. Wir erkannten einander, an unserer grünen Kleidung und haben bis fünf Uhr morgens sehr heftig gefeiert. Seitdem nahmen sie mich und Jakob immer zur Hochtribüne mit und die kleineren Fans mussten mir sofort ihren Sitzplatz überlassen, wenn ich es eben wollte. Ab da habe ich den Fussball immer ernster genommen. Ich lebte nur noch wegen und für die Millionäre. Dazu gehörte auch, dass ich mit den anderen Millio-Fans durch die Straßen der Blätter patroullierte, auf der Suche nach Feinden. Wir kreuzten auf den Partys der Feinde auf und schlugen sie zusammen. Und wenn sie auf dem Boden lagen und zuckten, schlugen wir weiter, weil sie einfach lebender Müll waren. Dann gingen wir in eine Bar, um unseren Sieg zu begießen. Wir verloren nämlich nie einen Kampf. Mit Jakob fühlte ich mich immer sehr sicher, denn uns verband eine sehr seelische und mystische Freundschaft. Oft gestalteten wir bis tief in die Nacht acht Meter lange Tücher mit Sprüchen wie: „Millios, Millios, unsre Hoffnung ist grün!“

Ein anderer Fan in meinem Freundeskreis, den ich einfach Affe nannte, wurde drogenabhängig und ich sagte zu ihm: „Gut, wenn du meine Freundschaft eintauschen willst gegen die Typen, die dir Drogen geben, dann viel Glück im Leben.“ Drogen waren nie meine Welt.

Ich fuhr mit Jakob im Bus zu einem Spiel und da saß doch tatsächlich ein Mädchen mit einem Nationalen-Hemd. Ich schrie sie an: „Sie verdammte Hure!“ und versuchte, ihren blauen Schal wegzunehmen, denn die Farbe machte mich über alle Maßen wütend. Manchmal dachte ich, dass etwas mit meinem Leben nicht stimmte, aber manchmal dachte ich, dass ich noch nie so glücklich war.

Auf einer Schlacht gegen Fans vom FC Heiliger Glaube, sah ich zum ersten Mal, wie einer tatsächlich mit einer Pistole auf einen Gegner schoss. Das fand ich übertrieben. Danach wollte ich nach Hause und sagte zu Jakob, er könne mit zu mir kommen, mein Vater war nämlich weg und würde so schnell nicht wieder zurückkehren. Schnaps hatte ich genug. Aber Jakob sagte, er könne seine Mutter nicht so provozieren. Er wollte lieber heim.

Um drei Uhr morgens wurde ich von der Türklingel geweckt. Es war der Bruder von Jakob, der sagte, die Heiliger Glaube Fans hätten Jakob erstochen. Wir weinten fassungslos. Er war rein aus Versehen auf dem Nachhauseweg auf eine Gruppe von achtzig von denen gestoßen. Da haben die ihn fertig gemacht. Wie die Polizei so ist, haben sie ihn verhört, statt ihn zum Krankenhaus zu bringen. Als ihn die Ambulanz wegfuhr, hörte er auf, zu atmen, wurde ganz bleich und ward nie mehr lebend gesehen.

Auf seiner Beerdigung waren alle Fans von den Millionären da. Ich warf Jakob einen grünen Schal in den Sarg, er sollte ihn zum Himmel mitnehmen. Dann band ich noch einen Schal an den Baum über seinem Grab, damit die Welt auch sähe, dass hier ein Mann für seine Mannschaft gestorben war. Einer von der Regierung war da und sagte zu uns: „Leute, wir werden die Sache aufklären. Bitte keine Rache jetzt von euch.“ „Klar, Mann“, sagte ich. „Es sollen nicht noch mehr Leute verrecken.“ Aber die Regierung hat natürlich rein nichts gemacht. Wir hingegen wussten sehr bald ganz genau, wer Jakob umgebracht hatte.

Eines Nachts war ich sehr deprimiert und habe mich besoffen wie noch nie. Wir fanden ein paar Leute vom Heiliger Glaube und haben die Gedärme aus ihnen herausgeschlagen. Ich ging zu Fuß nach Hause und weinte: „Gott, wenn es Sie gibt, warum bringen Sie mich nicht endlich um? Ich bin in meiner Ehre verletzt! Bringen Sie mich doch endlich um! Ich will nicht mehr!“

Am nächsten Tag ging´s mir verdammt dreckig und ich beschloss, mit den Prügeleien aufzuhören. Ich ging zu den anderen Jungs und sagte ihnen, dass ich nicht mehr konnte. Sie hatten Verständnis und machten eine große Abschiedsparty für mich. Ich schaute noch Fussball, aber ich ging weder zu Treffen, noch patroullierte ich in den Straßen.

Eines Tages saß ich auf dem Platz Fünf Löchern und einige Typen kamen und sagten: „Wir sind die Front. Wir sind gekommen, um für die Armen und Benachteiligten zu kämpfen. Die Reichen brauchen nicht so viel Geld wie sie haben. Die wollen es nicht freiwillig hergeben und deswegen führen wir einen gerechten Krieg in diesem Land.“
Das war schön gesprochen. Und weil ich an diesem Tag von der Schule geflogen war, sagte ich: „Ich würde gerne mit Ihnen arbeiten.“ „Kein Problem. Ich organisiere gerade eine Aufgabe, für die ich noch Leute brauche. Kommen Sie mit.“ Man gab mir Fleisch und Bohnen zu essen, was sehr gut schmeckte. Sie sagten, sie könnten mir nichts zahlen, aber mir würde es bei ihnen auch an nichts fehlen.

Der Auftrag bestand darin, mit dem Kameraden Fritz das Auto von einer Schokoladenfabrik zu entführen und dann Geld zu verlangen und es abzuholen. Ich wollte auf keinen Fall etwas falsch machen und war sehr aufgeregt. Fritz und ich warteten im Regen aber das Auto kam einfach nicht. Stattdessen kam ein Schulbus mit vielen Kinderlein, die gerade auf einem Ausflug waren. Es blieb uns aber nichts übrig und deswegen mussten wir diesen Bus nehmen.
Wir kamen mit Gewehren und sagten zu allen: „Sie müssen alle aussteigen. Wir sind die Front und wir brauchen den Bus.“ Die Kinderlein weinten und ich hatte Mitleid. Ich sagte: „Es tut mir leid, es ist ein Auftrag von höherer Gewalt. Sie müssen aussteigen.“

Es regnete immer mehr und die armen Kinderlein mussten zu Fuß nach Hause und wir waren sehr weit von der Stadt entfernt. Fritz und ich versteckten den Bus im Wald unter vielen Zweigen und dann tranken wir einige Schnäpse. Als wir dann weiter fuhren, hatten wir leider einen Unfall, weil Fritz so blau war und der Bus war völlig geschrottet.
Zur Ausbildung kam ich in ein Lager, wo ich mit schweren Rucksäcken die Berge hinauflaufen musste. Das fand ich etwas zu viel, aber ich wollte nicht als Schwächling dastehen. Doch am Muttertag begann einer der Kameraden zu weinen und ich ging zum Oberkameraden und fragte: „Wann darf ich meine Mutter besuchen?“ Er lächelte und sagte: „Bald. Machen Sie sich keine Sorgen.“ Am nächsten Tag kam ein Kamerad und sagte zu mir: „Aufstehen. Sie gehen.“

Ich wusste nicht warum. Vielleicht war ich doch zu jung für sie mit meinen vierzehn Jahren. Man fuhr mich zurück nach Blatt und ich klopfte an die Tür, hinter welcher Mutter wohnte. Sie öffnete und als sie mich sah weinte sie und sagte: „Söhnchen, warum sind Sie mir davongelaufen? Fehlt Ihnen denn irgendetwas hier bei uns?“ „Aber nein, Mama.“

Am nächsten Tag begann ich mit der Feldarbeit. Aber ich hasse nun einmal die Landwirtschaft, besonders, wenn man nichts für sich selbst erwirtschaftet. Drei Mal am Tag gab es Kartoffeln und nie ein Schnäpslein oder Fleisch. Da begann ich wieder von der Organisation zu träumen und nahm mir vor, dass ich wieder beitreten würde, sobald ich fünfzehn war.  „Aber wenn du der Front beitrittst, dann bist du für immer einer von uns, da gibt es kein Umentscheiden“, sagte Fritz, als ich ihn wieder bat, mich aufzunehmen. „Ich werde mich nicht umentscheiden. Ich will unbedingt mit euch für die gerechte Sache kämpfen!“ „Also gut.“

Zuerst wurde ich eingelernt, wie man Entführte versorgt und wie man Nachrichten weiter gab. Später war ich auch bei einem heiklen Manöver dabei, es ging darum Gasflaschen aus einer Lagerhalle wo anders hin zu transportieren. Aber plötzlich rief Fritz kreidebleich: „Die Regierung! Die Angeber sind da!“ Die Angeber hatten gute Maschinengewehre und Fritz traf es durch den Hintern, so dass die Kugel oben an der Brust wieder heraus kam. Es gelang mir, mich zu retten und sogar noch ein paar Angeber umzubringen. Auf alle Fälle war das mit Fritz eine traurige Sache, denn er wurde zum Invaliden und konnte nicht weiterkämpfen. Die Organisation hatte nicht genug Geld, um für seine Behandlung zu zahlen und so starb er ziemlich elend. Deswegen verlor ich die Lust, für die Organisation zu arbeiten.

Ich floh also wieder nach Blatt und arbeitete als Zigarettenverkäufer. Ich hatte viele Freunde, weil ich immer kluge Sachen redete und nie Scheiße laberte. Wenn die von der Front kommen, um mich zu verhören, habe ich keine Angst. Ich finde keine Schuld an mir. Die Organisation ist gerecht, sie töten nicht, um zu töten. Und es würde mich freuen, wenn sie gegen die Angeber gewinnen könnten. Aber das darf ich nicht laut sagen. Wenn die aus Blatt das erfahren, werde ich verjagt und wenn die Organisation davon hört und doch meint, sie hätte noch eine Rechnung offen mit mir, kann es blöd werden.

KRISENTAG

(In der deutschen Bundesbank:)

Meine Herren, es ist Zeit! Der Aufschwung war sehr groß
Legt nun Hand an die Notenpresse an –
Und auf die Menschen lasst die Zettel los!

Befehlt der letzten Blase bald zu platzen
Gebt ihr noch drei heimlichere Wochen
Wir verkaufen dann – wie abgesprochen –
Was uns gelang, den andren aufzuschwatzen.


(Ein Arbeitsloser:)

Wenn ich das kauf, kauf ich lang nix mehr
Wenn ich jetz‘ kein Geld mehr hab, dann wird das lang so bleiben
Ich werd‘ hoffen, warten und Bewerbungen schreiben
Werd‘ in den Gängen des Arbeitsamtes hin
Und her wandern, mit zwei Käsescheiben

(Parodie auf Herbsttag von R.M. Rilke)

https://de.wikipedia.org/wiki/Herbsttag