Osterhase

Es geht die uralte Mär, dass Meister Lampe jedes Mal zu Ostern einen Vogel hat: Er legt Ostereier!

Diese sind in allen Variationen gefärbt, von Hepatitis Gelb und gallig Grün bis zu Hämatom Blau, Apoplex Rot nicht zu vergessen. Der Osterhase trägt aus seiner Sasse die bunte Gabe zu den zweibeinigen Hintersassen, den Menschenkindern und versteckt sie mehr oder minder klug vor diesen. Doch wenn wir uns nach der ersten Euphorie ernüchtert besinnen, so erkennen wir, dass in dieser Geschichte der Hase im Pfeffer liegt. Denn es ist keineswegs erwiesen, dass der österliche Mümmelmann die Eier selbst legt. Schließlich schreibt ein Briefträger auch nicht all die Briefe, die er den Adressaten zustellt. Entsprechendes gilt für den Gepäckträger, Hosenträger und vor allem für die politischen Bedenkenträger. Dafür beherrschen die Letzteren perfekt den Eier-Tanz. Corona lässt grüßen!….…Aber lassen wir das!

Die Frage also „Können Hasen Hühner sein?“ dürfen wir getrost verneinen.

Oder in regionaler Mundart: Des kasch de Hase gä! Und falls es doch eine solche Mutation gäbe, so wäre es ein falscher Hase, gell! Denn die Zoologie statuiert: Hasen zählen zu den viviparen, also lebendgebärenden Säugetieren. Das Huhn hingegen gehört zur oviparen, d.h. eierlegenden Spezies. Außerdem trägt es ein Federkleid, wohingegen Hasen im Pelzmantel herumhoppeln müssen. Letzteres hat den Vorteil, dass die Leporidae (Hasen) nicht gerupft werden können. Auch unter kulinarischen Aspekt ergeben sich eklatante Unterschiede: Der Hase muss in die Beize, damit sein dunkles, streng riechendes Fleisch überhaupt genießbar wird. Aufgetischt benötigt er als Begleitgetränk einen kräftigen, gerbsäurereichen Roten, selbstverständlich gut chambriert. Da wäre z.B. der Barbera, besser noch ein Barbaresco zu empfehlen.

Hühnerfleisch hingegen zählt zur Schonkost, vorausgesetzt es stammt nicht vom sog. „Wiesenhof“, der jedoch kein solcher ist, sondern eine Fabrikhalle mit Massentierhaltung. Das Fleisch der Bio-Henne war und ist mit einem guten Weißwein, also einem Chablis so bekömmlich, dass Heinrich IV bereits vor über 400 Jahren in sein Regierungsprogramm das Motto aufnahm: «Chacun son poule au pot! » Und so blieben die Franzosen beim Huhn, das sie zum köstlichen Bresse-Huhn veredelten, nicht zu verwechseln mit dem Blesshuhn, was der Connaisseur jedoch sofort am Geschmack erkennt.

Zu guter Letzt weise ich noch auf den zeitlichen Aspekt hin, in dem sich die genannten Mitgeschöpfe unterscheiden: Die Henne legt chronisch Eier und nicht nur Ostern. Daher gibt es als Zubehör die Eieruhr, welche wir beim bemalten Osterei nicht benötigen, auch wenn oder gerade weil es hart ist. Der Eierbecher als Utensil  -das sollte mal klargestellt werden- dient nicht als Trinkgefäß, schon gar nicht als Schnapsglas. Parbleu!

Zu ergänzen wäre noch, dass das Huhn im Vergleich zum Säugetier ständig hohes Fieber mit ca. 400C zu haben scheint. Insofern dürfte das dauernde Gackern ein Symptom des Delirium sein. Und damit kommen wir zum Ovum-Gallus-Paradoxon, also zur Frage: Was war zuerst da – das Ei oder das Huhn? Eine Antwort wäre: „Das Huhn ist der listige Plan eines Eies, mehr Unterhaltung zu haben.“

Wenden wir uns nun dem Osterei zu. Es ist ja nicht einerlei, was man so allerlei schenkt. Denn die Gabe soll zum Charakter des Beschenkten passen: Einem sich stets bespiegelnden Narziss – denken wir z.B. an Donald Trump oder Jens Spahn- tischt man am besten ein Spiegel-Ei auf. Hingegen wäre für eine trübe Tasse das verlorene Ei angemessen. Da kommt uns Andreas Scheuer mit seinem Maut-Desaster in den Sinn. Den Schwindler entzückt man mit einem Wind-Ei. Ersatzweise wäre auch ein Kuckucks-Ei dienlich.Empfänger wäre Karl-Theodor zu Guttenberg, der vormalige Verteidigungsminister und Doktor a.D. Und überhaupt: Wem man am Zeug flicken will, dem schenke man ein Stopfei. Jemanden kräftig einheizen, lässt sich auch mit Eier-Briketts bewirken. Wer es sich leisten kann, verführt seine Angebetete mit einem Fabergé Ei. Den Intimfeind ergrimmt das geschenkte anrüchige Chinesische Ei, das zehn Jahre lang zuvor im Erdreich mit Würmern intimen Umgang hatte. Was so Diplomaten alles erdulden müssen! Kompensieren wir das angerichtete Leid mit einem Rühr-Ei…Wer zu Gast bei Putin ist, benötigt eine gute Verdauung und muss trinkfest sein. Ansonsten liegen die offerierten  Russischen Eier wie Steine im Magen. Den eierköpfigen Doktorvater kann man mit dem Ei des Kolumbus begeistern. Doch bei all der bunten Vielfalt haben wir den Star aller Eier, den Kaviar vergessen! Der darf nur mit einem edlen Champagner genossen werden. 

So köstlich gespeist und mit süffigem Nektar geflutet werden wir ermutet – pardon ermutigt, ohne Scheu auf den achternen Patten tanzend zu singen: „Lütt Matten de Has…“. Währenddessen schlägt Meister Lampe meisterlich Haken auf seiner Flucht in die Zukunft, in seine bergende Sasse, die er nie aus den Augen verliert. Hingegen ist der Weg in die Hölle breit, eben und bequem.

Und damit sind wir wieder beim aktuellen Tagesgeschehen: Die Corona-Fallzahlen steigen trotz monatelangen Lock down. Und dennoch bleibt die Obrigkeit bei dieser Holzhammermethode, die alles andere totschlägt, nur nicht das Virus . „Wann wird man je verstehn, wann wird man je verstehn?“



 

 

  

 

Ein Kommentar

  1. Im Kontext von Eieruhr und Eierbecher könnte man auch noch den Eierstecher (umgangssprachlich auch Eierpiker oder kurz Eierpik genannt) erwähnen, vor allem aber den Eierschneider, ein höchst ingeniöses Utensil irgendwo zwischen Harfe und Fallbeil. Ein mir gut bekannter Gitarren-Virtuose absolvierte auf den gespannten Edelstahldrähten, also den „Saiten“ dieses Küchengeräts schon im zartesten Kindesalter seine ersten Fingerübungen. Der Eierschneider ist besonders bei etwas pedantisch veranlagten Menschen beliebt, die es normiert und überraschungsfrei mögen und beispielsweise alle ihre Dokumente fein säuberlich In Leitz-Ordnern abheften. Kreative Chaoten meines Schlages hingegen richten mit dem Eierschneider regelmäßig ein Massaker an – was wiederum den Vorteil hat, dass der Eiersalat schneller fertig wird und bloß noch ein paar Kleckse Mayonnaise braucht.