WIE JOURNALISMUS DAS DENKEN ZERSTÖRT, Teil III

Bild: „Ich will niemanden beunruhigen, aber ich glaube, wir sind in die falsche Richtung gerudert.“

Bildhafte Verben


Ja, was haben wir uns unter diesen bildhaften Verben vorzustellen?

Horst Seehofer erwacht aus einem Koma und entdeckt, dass er sich auf einem Ruderboot befindet. Er erkennt auch die Umgebung, es ist der Walchensee! Erinnern kann er sich an nichts, vielleicht war er besoffen, vielleicht wurde er aber auch wie Nawalny vergiftet. Fest steht, dass er rudern muss und zwar an irgend ein Ufer. Als er aber das Ufer erreicht, hört er so lautes, bedrohliches Geschrei, vermutlich von Journalisten, dass er vor Schreck wieder an die ursprüngliche Stelle zurückruderte, weil es dort wenigstens still war.

Wenn eine Zeitung über jemanden schreibt, er hätte seinen Standpunkt zu einem wichtigen Thema geäußert, der aber großes Geschrei ausgelöst hätte und die Person hätte daraufhin den Standpunkt sofort zurückgezogen in einer Manier, die an ‚zurück rudern‘ erinnert… dann kann die Zeitung eigentlich nur meinen, die Person wäre dümmer, als die Polizei erlaubt.

Da die Zeitung aber gleichzeitig sagt, dass diese Person eine Autorität ist, die ein einfacher Bürger keineswegs anzweifeln darf, kann man hier durchaus von einem ‚Freudschen Dilemma‘ (Kapitel 1) sprechen. (Das ist auch wichtig, denn wenn etwas geschieht, das man nicht als politisch gewollt darstellen kann oder will, braucht man dringend einen Dummen und da ist es gut, wenn es schon im Vorfeld eine große Auswahl gibt.)

Das Wichtigste an Sprachbildern im Journalismus ist, dass sie oft wiederholt werden und dass sie auf keinen Fall in irgend einer Weise zur wirklichen Problematik passen. Diese Bilder, die um die Welt gehen, sind wie die berühmte Invasion von Außerirdischen, die uns schon so lange von Amerika her versprochen wird. Das ist bildhaft, manche finden es unterhaltsam und es hätte nichts mit den wahren Problemen zu tun, wie ein Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, Paul Krugman, mehrfach öffentlich zugab. 1

Beispiele für bildhafte Verben aus deutschen Zeitungen:

– wettern gegen (= blitzen, donnern, regnen), ausbremsen, kontern, dazwischengrätschen, sich distanzieren, zocken / sich verzocken (Karten spielen), zusammenraufen, ätzen gegen, schießen gegen, schummeln (ist an sich nicht bildhaft, assoziiert aber ein schuldbewusstes Kind beim Brettspiel – mogeln oder tricksen assoziieren eher harmlose Verspieltheit.)


Nomen-Komposita

Es gibt ganz verschieden Arten von zusammengesetzten Substantiven. Man kann absolut nichts sagen gegen ‚Zwangsimpfung‘. Es bedeutet einfach, dass eine Impfung nicht freiwillig ist. Jeder, der über ein solches Thema spricht, würde das Wort selbstständig bilden, ohne dass es ihm jemand vorsagen muss.

Hingegen gibt es Modewörter von dieser Art, die nur von Personen verwendet werden, die in den 20er Jahren geboren wurden, wie z. B. Maulheld. Spätere Generationen finden dann nur, dass das Wort nach Mottenkiste riecht, sie haben kein Gespür mehr dafür.

Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hat man haufenweise solcher Wörter gemünzt und zwar am liebsten mit Zeit-, Welt- oder Volks- beginnend:

  • –  großtuerisch: Weltgeist, Weltliteratur, Weltschmerz, Weltweiser, Weltmarkt etc.
  • –  bieder: Volksdichtung, Volkslieder

Die Schöpfer dieser zeitlosen Modewörter waren oft so illustere Persönlichkeiten wie Herder, Jean Paul und Lessing.
Ich habe an sich nichts gegen diese Wörter, aber ich sehe schon einige Probleme an ihnen, zum Beispiel, dass sie den Eindruck erwecken (wollen), eine geistige Neuentdeckung zu sein, die eine ganz neue Intelligenz (‚Zeitgeist‘) zu Tage fördert, obwohl die Wörter selbst schwammig und vollkommen auf den Kontext angewiesen sind. Sie erschaffen keineswegs eine neue Bedeutung oder gar einen neuen Geist, aber sagen in ihrer Verwendungsart viel über den Sprecher aus.

Man könnte zum Beispiel in Bezug auf Volkslieder einwenden:
Damit sind doch nur die Lieder gemeint, die von der ländlichen Bevölkerung gesungen wurden!

Gut. Dann bräuchte man den Begriff aber nicht (Lieder würde reichen), denn die ländliche Bevölkerung, um die es angeblich geht, kann nicht wissen, dass es auch Weltlieder (oder Weltliteratur) gibt.

Es ist daher ‚Gebildeten-Deutsch‘ und legt nahe, dass eine Kaste über die Lieder einer anderen Kaste theoretisiert (und diese womöglich zum Teil verfasst), während die andere Kaste zu ungebildet ist, um umgekehrt die Kultur der Gebildeten zu reflektieren. Da ist auch etwas Wahres dran und da steckt eine sehr komplexe, historische Problematik, die bis in die heutige Zeit hineinreicht und nur höchst selten überhaupt angesprochen wird. 2

In der deutschen Nachkriegs-Lyrik (also nach 1945) wurden zusammengesetzte Substantive fast zu pathetischen Mikro-Gedichten (von Celan & Co.) in sich: Herzzeit, Todesfuge, Wortbegier, Sterbenswörter, Zeithöfe, Niemandsrose, Purpurwort, Atemwende, Zwillingsröte (??!) 3

– oder auch als Adjektive: heilignüchtern, himmelswüst, großgeweint (da kommen einem wirklich die Tränen)

Es gibt aber auch Nomen-Komposita, die einen wichtigen Sinn erfüllen, weil sie im Zusammenhang mit einer speziellen Theorie ersonnen wurden, z. B. Kulturkreis. Heute verwendet man das Wort wieder recht beliebig, aber es hatte früher eine sehr konkrete Bedeutung:

„Als Kulturkreis wurde früher in den Kulturwissenschaften ein großflächiges Siedlungsgebiet bezeichnet, dessen Einwohnern eine gleiche oder zumindest ähnliche Kultur zugeschrieben wurde. Der Begriff wurde 1898 vom deutschen Ethnologen Leo Frobenius geprägt, als Teil seiner als überholt geltenden Kulturkreislehre. Die Kulturkreislehre fasste Kulturen über ihre Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten (Kulturverwandtschaft) in Kulturkreisen zusammen.“ – Wikipedia

Frobenius sah Kulturen als Lebewesen, die einer bestimmten Erde oder einem Landstrich anhaften und nicht verpflanzt werden können (siehe z. B. die Geschichte des Christentums auf dem afrikanischen Kontinent.)

Modische Zusammensetzungen aus der Journalistensprache unserer Zeit:
Querdenken, Hetzjagd, Schnäppchenjagd, Schnappatmung, Brandrede, Impfstoff-Rennen, Brandbrief, Alleinstellungsmerkmal

Mischwörter aus deutschen Wörtern und Fremdwörtern (oder nur aus Fremdwörtern) wirken oft besonders abstoßend:
Streitkultur, Migrationshintergrund (das Bild dabei scheint mir zu sein, dass im Hintergrund der Phantasie, ganz kleine Migranten über Grenzen laufen), Krisenregion, Lachnummer, Zitterpartie, Kernkompetenz, Maßnahmenpaket, Hilfspaket (schnüren)


Bunte Metaphernpakete

(Journalistische Kollokationen und zu viele Metaphern)

Brandrede halten, Fallzahlen explodieren, Botschaft verpacken (unnötige Verbindlichung für aussagen oder auch lügen), Stadtbild prägen (2 Metaphern), Brandrede halten, Joko Winterscheidt platzt der Kragen, schallende Ohrfeige, ‚Die Zeche zahlt der Steuerzahler‘, Lappen weg!, Wahlschlappe, unterste Schublade, pikante Einzelheiten, XY zieht blank

Oder auch in längeren Sätzen:

Selbst die schärfsten Kritiker von Trump schwanken auf seinen Kurs zu. (3 Metaphern)

Obama geißelt Rassismus. (Obama peitscht einen abstrakten Begriff aus.)

Muss man Schnäppchen eigentlich immer jagen oder kann man sie auch in Ruhe aufsammeln?
(Erotische Frauenstimme im Radio – Werbung)


Unterstellungen

Das Wahlergebnis war eine schallende Ohrfeige der Wähler. (Ich kann mir gar keine Wähler vorstellen, die in die Wahlkabine gehen, ein Kreuz machen und sich gleichzeitig vorstellen, dass sie irgendjemanden ohrfeigen. Aber eine Ohrfeige, die weder in der Wirklichkeit noch in der Phantasie stattgefunden hat, wird in der Zeitung sogar zu einer ’schallenden‘, damit man es sich noch besser vorstellen kann.)

Boris Johnson erneut gedemütigt! (Er ist offenbar nicht ganz dicht und kann demokratische Prozesse nicht psychisch verarbeiten.)


Unnötige oder nicht definierbare Wortneuschöpfungen

Eigentlich gehört auch Rassismus hier rein. ‚Rasse‘ wurde aus dem Französischen ins Deutsche importiert und ‚ismus‘ bedeutet, ja, also … manchmal Systematik, manchmal auch Wahn, je nach dem eigentlich… und hierdurch können sich Menschen über ein Wort streiten und wirklich verfeinden, obwohl sie gar nicht über das selbe Thema sprechen. Und manchmal ergreifen die Systematiker auch Partei für die Wahnhaften, obwohl sie sich am meisten davor fürchten müssten, ihren guten Ruf zu verlieren.

Teleskopieren (Testzeit verkürzen), Vogelschiss-Affäre (AFD), Amoklauf, BREXIT etc.


Begriffen eine neue Bedeutung geben

Das passiert auch die ganze Zeit und ich würde sagen, das ist eine typische Freimaurer- Methode. 4 ‚Faschist‘ bedeutet plötzlich ‚Nazi‘, obwohl es ganz leicht ist, diese beiden Begriffe zu unterscheiden, ‚Nazi‘ bedeutet aber plötzlich ‚Impfgegner‘, obwohl Hitler die Impfpflicht in Deutschland eingeführt hat (soviel ich weiß) und überaus überzeugt war von Impfungen.

Ein gutes Beispiel in Zeiten von google ist ‚Social Credit‘. Eigentlich war das eine alternative Wirtschaftstheorie von C. H. Douglas, 5 aber seit das auch der Name ist für Massenüberwachung in China, 6 findet man in google fast nichts anderes mehr, wenn man den Suchbegriff eingibt.


Pseudowissenschaftlichkeit

Die erste Folgemilch mit GOS-FOS. (GOS = Galacto-Oligo-Saccharide, FOS = Fructo-Oligo- Saccharide, deutsch: Zuckerschrott)

Slogans

Arbeit macht frei.
Wir sind Pabst.
Land der Dichter und Denker.
Da werden Sie geholfen.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.


Namen sind keine Dinge – links und rechts

Ich denke nicht, dass es um links und rechts geht.

Die Menschen, die die Welt beherrschen denken nicht in diesen Begriffen. Sie haben bestimmte Visionen, die neueste Variante davon bezeichnen manche als Biokapitalismus. 7 Im Grunde geht es darum, dass eine große Menge an Untertanen einer kleinen Gruppe dienen soll. Die Untertanen sind, grob gesagt, alle, die in Bilanzbüchern auf der Soll-Seite stehen, die Lohnabhängigen. Wenn Maschinen günstiger oder ‚intelligenter‘ werden als Angestellte, dann können Unternehmen auf Lohnarbeiter verzichten. Die zu große Zahl an Lohnabhängigen nennt man seit langem Überbevölkerung. 8 Die Reduktion von Menschen kann profitabel sein und so wird der Satz verständlich:

Krieg ist die Schaffung von Nachfrage, indem man den Kunden erschießt.

Eine gegnerische Gruppe von Menschen ist der Auffassung, dass die Wirtschaft dem Menschen dienen soll und nicht umgekehrt. Das ist eine ganz grundsätzlich andere Vision, die nicht mit der erstgenannten Gruppe ausdiskutiert werden kann, weder mit Logik, noch mit Rhetorik, noch mit 99 Luftballons (Kitsch). Man kann einen überzeugten Sklavenhalter nicht bekehren, indem man ihm ‚Onkel Toms Hütte‘ vorlegt. Trotzdem muss man es versuchen (mit anderen Büchern), denn die Wahrheit ist, dass niemand im Biokapitalismus (oder grünen Kommunismus) glücklicher sein wird.

Ezra Pound hat es mal so formuliert:

„Dieser Krieg wurde nicht durch eine Kaprize von Mussolini oder Hitler verursacht. Dieser Krieg ist ein Teil des weltlichen Krieges zwischen den Wucherern und den Bauern, zwischen den Wucherern und jedem, der einer ehrlichen Arbeit nachgeht – gleich, ob er mit seinem Gehirn oder seinen Händen arbeitet. Ich weiß nicht, wie viele Bücher man gelesen haben muss, um diesen einfachen Satz zu verstehen, (…) 9

Die konstruktiven und verständigen Menschen, die politisch rechts oder links oder auch unpolitisch sind, sollten sich zusammen schließen.


Júlia da Silva Bruhns


Wie Journalismus das Denken zerstört TEIL 1
Wie Journalismus das Denken zerstört TEIL 2




Anmerkungen:

  1. Paul Krugman says perceived Alien Invasion would fix Economy
  2. Sehr empfehlenswert zu dem Thema: Friedrich Gottlieb Klopstock: Die deutsche Gelehrtenrepublik Teil 1 Teil 2 | Teil 3
  3. Flöte,
    Doppelflöte der Nacht:
    denke der dunklen Zwillingsröte
    in Wien und Madrid.
    (- Paul Celan)
  4. Man lernt in der Freimaurerei irgendwelche Abkürzungen, die je nach Grad, den man emporsteigt, etwas völlig anderes bedeuten.
  5. social credit
  6. Social Credit System
  7. Achille Mbembe: Fall 2020 Lecture at European Graduate School – Excerpt – 10.10.2020 – „Biocapitalism has turned life into property.“
  8. Malthus, Bill Gates, etc.
  9. America, Roosevelt and the causes of the present war – Erza Pound