Überlinger Verkehrter Verkehrssalat mit Linzgau Kulinaria

Das Rad soll eine Erfindung der Jungsteinzeit (Neolithikum) sein. Und das kam so:

Verkehrter Verkehrssalat

Als sich die Eiszeitgletscher zurückzogen, konnten unsere Vorfahren nirgends und mit niemanden mehr Schlitten fahren. Diese klimatische Anomalie zwang sie, nach einem geeigneten kinetischen Ersatzuntersatz für den zyklischen Orts-wechsel zu suchen. Eile war angesichts der Immobilitätskrise geboten, die dem Schwund der Glätte zu verdanken war. Denn die Seegfrörne war zu Ende:

Das Wasser hatte den Aggregatzustand der Liquidität angenommen, eine Eigenschaft, die zwar für das pekuniäre Fortkommen förderlich ist, aber einen Schlittschuhlauf zum anderen Ufer ins Wasser fallen lässt. Die besten Köpfe des homo sapiens in den Molasse Höhlen des Linzgaus rauften sich das kranial bepelzte Köperteil, sodass Laus und Floh flohen. 

Der Klügste von ihnen, ein gewisser „Alberner Stein vom Tropf“, rutschte eines Tages in der Goldbacher Gletschermühle beim deftigen Verzehr einer Bronto-saurier Lende auf einem Mahlstein aus. Dieser Rolling Stone führte zum harten Fall und in diesem Fall zu einem Einfall: 

Er kam von der Kufe auf´s Rädchen. 

Binnen kurzer Zeit rollten rollige Räder durch das damals noch übersichtlich bebaute Überlingen, was den dortigen Einzelhandel besonders entzückte, der sich nun endlich diversifizieren konnte. Die eintönigen Pelzangebote der eisigen Zeiten wandelten sich in Offerten für bunte Stoffe, leichtes, elegantes Schuhwerk, Schmuck und dergl. Auch an lockend schummrigen Schenken fehlte es nicht: Nachdem es kein Gletschereis mehr zu schlotzen gab, ließen sich die durstigen Troglodyten gerne einen einschenken, z.B. «eau de vie» aus vergorenem Honig. Denn die Bienen, auch holde zweibeinige, summten in der wohligen Wärme fleißig herum. Von dieser populären Trunkenheit profitierten wiederum die Berufe der Heiler und der der Streithelfer, welche man heute Advokaten nennt. Die Siedlung plusterte sich auf, wie der Gockel vor der Henne

Aus dieser jungsteinzeitlichen Marketenderschaft ragten zwei Persönlichkeiten im Dörfchen heraus: Der eine kratzte sich ständig mit einem dornigen Utensil, weshalb man ihn „Kratzdorn“ nannte. Der andere, sein Nachbar, war zwar nicht so aufgekratzt, hatte aber die Gabe, jeden Streit zu schlichten, zum Kummer der Advokaten. Es gelang ihm also, alles zu kitten. Und so erhielt er kurz und bündig den Namen „Kitt“. Die beiden waren Inhaber von Geschäften, welche Linsen feilboten, also Früchte aus der Gattung der Papilionazeen, wie ja jeder weiß. Auch verkauften sie Ohrsticks, ein nützliches  Hilfsmittel, Fremdkörper aus diesem gewundenen Sinnesorgan zu entfernen, falls sich z.B. eine Linse dorthin verirrt haben sollte. Die beiden tüchtigen Persönlichkeiten organisierten schließlich die Zunft des Überlinger Einzelhandels.

Auf diesem „Urgestein“ basierte in der Folgezeit die Stadtgeschichte. Eine solche streitbare Interessenvertretung war auch dringend geboten. Denn es gab Überlinger, die sich vom zunehmenden Verkehr wie gerädert fühlten, sich zusammenrotteten und forderten:

„Zurück in die Steinzeit – Freie Fußpfade für freie Flaneure!“

Das wüste Geschrei drang hoch in die Lüfte und so auch hinauf zum Hügel in der Nähe des Eglisbohl. Dort residierte der Vorfahre aller Wilhelminer, ein tüchtiges Schlaule. Kaum hatte er die Parolen vernommen, verfiel er in grollenden Grimm. Denn er sah das Copy right verletzt, das seinen urheberrechtlich patentierten Spruch betraf „Freie Fahrt für freie Bürger!“

Dieses Motto stand für das ungehinderte Heranrollen zu seiner Hungerburg, das nötig war, weil die unmäßig beleibte Kundschaft der Bipedie verlustig geworden war. Diese konnte sich allenfalls für kurze Zeit im wiegenden Schwippgang einer schlachtreifen fetten Gans fortbewegen.  In besagter Herberge kümmerten sich geschulte Büttel kurativ um diese erste Zivilisationskrankheit der Menschheitsgeschichte, die in unserer Zeit als „Adipositas“ bekannt wurde. Doch wie ist es schon in der Jungsteinzeit zu diesem vermeintlichen Wohlstandsübel gekommen? Antwort: Der Schwund der Gletscher kam dem Ausfall Tausender wohl gefüllter Tiefkühltruhen gleich. Überall tauten die erlegten und tiefgefrorenen Mammute auf und drohten zu verderben.  Die neolithische Einwohnerschaft sah sich also gezwungen, das nun dahinschmelzende Gefriergut möglichst rasch zu verzehren:

Zum Frühstück gab es auf der Zunge zergehende Mammut Zunge, z´Nüni Mammut Lende, zu Mittag „Gefüllter Rüssel aus der Schüssel“, zur Tea Time „Saure Mammut Leber“, das war bitter, und endlich zu Abend „Mammut Füße“ als letzte Grüße.

Überdies versuchten die Köche verzweifelt der Verwesung Einhalt zu gebieten. Ganze Höhlen wurden zu Räucherhallen umgestaltet. Mammut Schinken war schließlich was Köstliches, gar nicht zu vergleichen mit einem heutigen San Daniele oder Parma. Auch mit Beizen versuchte man sich. So entstand der Goldbacher Sauerbraten, der über den See den Rhein hinunter exportiert wurde und leider später zum Rheinischen Sauerbraten verkommen ist. Besagte Fressorgie deformierte die Gestalt des einst ranken Eiszeitmenschen. Manche folgten den zurückweichenden Gletscher Zungen nach Norden auf der Suche nach Kühlung und Heilung. Einer dieser „Zöglinge“ geriet in einem Tal bei Mettman auf Abwege. Seine Schädelkalotte wurde Mitte des 19. Jh. entdeckt. 

Seine fliehende Stirn mit der wulstigen Orbita ließ auf eine gewisse Monstrosität schließen, also auf inopportune Körpermaße. Benannt nach dieser Fundstätte hielt der Neandertaler Einzug in die Wissenschaft, obwohl er in Wirklichkeit ein adipöser Überlinger war. Doch das wollen wir nicht weiter vertiefen… Die zottelig bärtigen Urmenschen hockten sich zusammen und sannen, die Plage des rollenden Verkehrs loszuwerden. Die Versammlungsräume hießen dementsprechend „Rad-Häuser“. Man ging mit sich zu Rade

Der weiche Dentallaut verhärtete sich im Laufe der Debatten zum gespuckten „T“…Heute, nach vielen Jahrtausenden versuchen etliche Gemeinden, das Rad der Geschichte zurückzudrehen: Wege und Plätze werden radlos gemacht. Denn schließlich sei Ötzi auch zu Fuß unterwegs gewesen und nicht per Mountain Bike oder gar auf einem Motocross Motorrad. Diese car-losen städtischen Areale nennt man Fußgänger Zonen. Sie sind u.a. in Ravensburg, Wangen i.A., Konstanz, Waldshut, Freiburg…zu finden. 

Der Überlinger Einzelhandel meint nun, dass solche Städte zu musealen  Wohnstätten verkommen. Die Geschäfte würden ohne rollenden Verkehr in den Ruin getrieben. Spätestens nach dieser Behauptung weiß der geneigte Leser: Nicht nur Schwarzwald Uhren haben einen Vogel!

Doch urteilen wir nicht zu hart: Vielleicht sollten die Fußgänger die Optikgeschäfte Kretzdorn und Kitt in Überlingen aufsuchen und sich dort eine passende Spezialbrille verpassen lassen, damit sie von ihrer Vision einer verkehrsfreien Innenstadt geheilt werden. Dann werden ihnen die Augen aufgehen in der Offenbarung:

Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns,
im Gewand des Gemeinwohls gekleidet,
in Wirklichkeit deinem Eigennutz allein dienen.




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und



Zu guter Letzt: Ein Digestif



Zum Ernsthaften Studium Überlinger Verkehr ter Welt