Corona Tales aus Venedig

Der Fahndungskommission(FAK) der gemeinsamen Findungskommission (GEFIKO) von Gesundheitsministerium(GEMI) und Innenministerium (IMI) ist es gelungen, das geheime Versteck des unterschlagenen Corona-Impfstoffes mitten in Venedig zu entdecken. 

Und das kam so: Auf der Recherche faselte ein bildungsferner Fahnder immer wieder vom „Dosenpalast“. Genervt lallte ein Grappa gefluteter Kollege, er meine wohl den „Dofenpalast“. Von dort komme er gerade; er sei seufzend über die Säuferbrücke zu dem besagten Gebäude getaumelt, nachdem er sich zuvor als Vertreter der Staatsmacht auf dem Makkensplatz im Café Florian gastfreundlich bewirten habe lassen. Die Cozze seien ihm aber nicht bekommen, obwohl es angeblich harmlose Muscheln gewesen seien. Beim Salto auf der Realobrücke sei ihm dann schlecht geworden, zumal es aus den Langunen fürchterlich gestunken habe, weil ja der Po nahe sei. Die Fische hätten es ihm gedankt. 

Diesen Sermon vernahm ein dritter Kollege, ein Literat, den der Broterwerb in die FAK verschlagen hatte. Bei dem Stichwort „Po“ fiel ihm Edgar Allan Poe ein, der einst über das „Prinzip des offenen Briefes“ geschrieben hat: „Jenes, das in die Augen springt, da man stets in der Ferne sucht, was ganz nah ist.“ Wie wäre es, dachte er, wenn die Täter toll dreist die 50 Million unterschlagenen Impfdosen im Dogenpalast eingelagert hätten, gewissermaßen unter den Augen der Öffentlichkeit? 

Der über das Handy von diesem Verdacht informierte Chef der FAK befand sich just gallig grandig auf dem Grande Canale in Gondola, wo er vergeblich mit Besteck Bistecca mundgerecht zuschneiden wollte. Zudem sangen die Lango-Barden grottenfalsch und das Birra war calda. Da kam ihm der Fahndungshinweis gerade recht: Über den Vize-Questore wurde ein Palastdurchsuchungsbefehl beim Tribunale durch die Richterin Donna Léon erwirkt. Somit war für action in der lahmen Truppe gesorgt. Denn immer nur Schianti schlotzen zu Pizza auf Piazza, war langweilig.

Das Versteck war zunächst nicht leicht zu finden, weil jede Menge Gerümpel den Weg verstellte. Es handelte sich um Bilder von einem Canaletto, einem Kanalarbeiter. Hinzu gesellte sich Carpaccio, allerdings ungenießbar ölig gerahmt an Wänden aufgehängt. Als die Mannschaft endlich die Mauern freigelegt hatte, fand sich eine Geheimtür, die in den Keller führte. Dort dümpelten die vermissten Impfdosen im Brackwasser vor sich hin. 

Zur Belohnung durfte die schwäbische Eingreiftruppe im Danieli zusammen mit der venezianischen Polente Polenta speisen. Deren Chef, ein gewisser Casanova von Canova, ließ sich von Commissario Brunetti vertreten, der die Dankesrede hielt. Er wies auf berühmte Deutsche hin, die die Serenissima besucht hätten, wie z.B. Albrecht Dürer und Richard Wagner. 

Die angetrunkene Task Force Einheit, mit Ausnahme des Literaten, verstand nur Bahnhof. Was hat Venedig mit Sirenen zu tun? Zudem kannte niemand die angeblich berühmten Kriminalisten namens Dürer und Wagner. Des ungeachtet schwelgte der Redner in seiner Laudatio und endete schluchzend:

„Venedig, Du Schöne“: Trüb zerfließt der Schminke holder Trug!“

Gerührt fasste sich der angeheiterte Literat ein Herz und legte für die Tedeschi Ehre ein, in dem er aus dem „Weinschwelg“ Ulrich v. Liechtensteins Liedtext grölte: 

„Ich wähn, dass Gott viel guotes hat:
Daz muz die gantze varheit seyn. 
Verwehr di nit, du stuolzes weyb.
Denn du und der recioto-weyn – 
daz wär der garden eden meyn!“

Das bestätigte seinen Kollegen, dass dieser Typ zwar nicht recht bei Trost ist, dass aber andererseits seine Absencen kreative Wirkungen haben:

Der Impfstoff war gerettet. 

Manchmal scheint Bildung praktischen Nutzen zu haben.