Neues von Park und Flur aus Baden klein Schilda (ehemals Baden Baden)

Als ich unlängst wieder über die alte und vornehme Lichtentaler Allee flanierte, die derzeit bar jeder exclusiven und zahlreichen Gesellschaft und der Pferdewagen ist,

… immerhin geschmückt in den leuchtenden Farben und Blüten des Frühlings, staunte ich nicht schlecht über ein kleines blaues Schild mit weißem Maskenmotiv und einem darunter befindlichen Schriftzug. 

Zuerst dachte ich in meiner kulturaffinen Grundhaltung an ein modern gestyltes Plakat zu einer bevorstehenden Freiluftaufführung  eines Stücks von Shakespeare mit masque und Bühnenmusik von Henry Purcell. Im Rahmen eines Kulturneustarts bevor es endgültig vorbei ist. Allerdings wunderte mich die lange Aufführungsdauer von 8 Uhr bis 21 Uhr, eine Verbindung aus Matinee und Soiree. Das wäre in der Tat ein Novum. Erst recht irritierte mich das Wörtlein Pflicht, was sehr, ja sehr german ist. Kurzum Vorfreude kam nicht auf. I was not amused. Erst recht nicht, als ich erfuhr, das ein Gremium der Stadt unter Leitung der Oberspreaderin ( oder sagt man noch Bürgermeisterin. Ich bin wohl nicht auf dem neuesten Inzidenzstand? ) beschlossen haben, die Maskenpflicht auf große Teile der Allee auszudehnen. Nun, was kleinbürgerlicher Sinn nicht alles anstellt. Wohl sind die Forschungen des Lord oft the flies, Bumslauter genannt, schon das Gunzenbachtal medial hinunter geplätschert oder in das Bett der Oos gedrungen. Denn diese Blütenpracht und das Wiesengrün sind hochtoxisch, voller Frühlingsaerosolen einer Pseudowissenschaft. Wie furchtbar! Böse Zungen behaupten gar, Prinz Philipp von England hätte hier in vergangenen Sommern without a masque zu viel der Alleeluft geschnuppert und  sei deshalb plötzlich so krank geworden. Das muss auf der Reise vom Erbpinz von Baden zum Fürsten zu Hohenlohe Langenburg passiert sein. Das wäre dann wirklich Shakespeare at its best. Tragedy of life! Hoffen wir auf eine Klage gegen die Gemeinde wegen versäumter Pflichten gegenüber der Gesundheit ihrer Gäste-doch zurück in die Niederungen lokaler Fürsorgepolitik für unmündige Bürger.

Ja, das die Stadtoberen meinen, allein durch medizinische Masken und blaue Schildlein könne man die hochgiftigen Schwefeldämpfe des Coronatus Drachen aufhalten, spricht für eine schildbürgerliche Naivität. Da helfen doch nur Panzer oder Wunderwaffen. Oder noch effektiver wäre eine Total-Impfung der Alleebäume. Einziger Weg zum Endsieg. Auch das eine sehr deutsche Wortprägung. Pflicht und Endsieg, warum nicht gleich beide Wörter auf die Schilder setzen? Das kommt bestimmt noch im weiteren Gefecht bis zur letzten Impfpatrone. 

Offenbar gilt die Pflicht nur für deutsche Bürger, die deutsch lesen können. Russische Oligarchen interessiert das sicher  nicht, selbst bei guten Deutschkenntnissen antwortet bei einer möglichen Ordnungsamt-Kontrolle der Bodygard mit seiner Kalaschnikow sehr direkt und sorgt für eine leicht höhere Todesrate an natürlich mit Corona verstorbenen Opfern. Das Verfahren wird nach einer Lieferung von Sputnik Impfstoff ohnehin eingestellt.  Ein mutiger Maskenmuffel sollte sich also Oligarchen anschließen, diese vorausgehen lassen.  Zu den Farbtupfen der Wiesenblumen gesellen sich jetzt, bei braven Bürgerinnen und Bürgern weiße und blaue Farbtupfer, selbst violette und schwarze wurden gesichtet, von Masken mitten im Gesicht derselben, korrekt straff über Mund und Nase gezogen. Je weniger Frühlingsduft durchdringt, desto besser. Je schwerer das Atmen fällt, desto gesünder, denn das stärkt die Widerstandskräfte. Besonders Vorsichtige tragen gleich mehrere Masken übereinander. Dann gibt es aber immer noch aufmüpfige Maskenmuffel, die aufrecht die Allee langstolzieren. Sind das Corona-Leugner oder per Fallschirm gelandete Partisanen? Da muss mehr Kontrolle her samt Bußgeld und Platzverweis, samt Verbot jemals wieder nach Baden-Baden zu kommen. Hausverbot im Casino und Androhung einer sofortigen Zwangsimpfung würden das Sanktionen Angebot bestimmt abrunden. Hoffen wir, das diese Ideen nicht Schule machen, denn das würde den Ort noch leerer machen und das endgültige Aus bedeuten. Warum aber nicht, ein Weltbad von einst, das wieder zurück zur Natur geht, ganz zu Ruinen sich wandelt, malerisch überwachsene Gründerzeitbauten und klassizistische Tempel in einem Dickicht, das hätte morbiden Charme und Reiz. Ohnehin sind die Zeiten eines Weltbads längst dahin, wenn solche Schilder in blau mit Maskensymbol an der Allee stehen. So etwas hat es bislang hier noch nie gegeben. Ehedem rauschte hier Fürst Menschikow mit seiner Troika vorbei mit drei herrlichen Pferden voran und die Welt gab sich jede Sommersaison ein Stelldichein. Werden weitere Schilder kommen? Wir dürfen gespannt sein. Vielleicht kommt ein Lach und Kuss-verbot. Ein Verweilverbot auf den Bänken. Ein Rauch und Trink wie Ess-verbot. Ein Pissoir und Abortierverbot, auch für vierbeinige bislang noch von der Maskenpflicht befreite Zeitgenossen.

Doch zurück zu den Geboten der Gemeinde erstellt für das große und mondäne

Baden klein Schilda, geboren aus dem Ungeist der Stunde. Goethe, der einmal her wollte und wegen eines Achsbruchs seiner Kutsche bald nach Reisebeginn dies als schlechtes Omen nahm und es sein ließ je nach Baden Baden zu wallen, ja Goethe hätte wohl seinem Osterspaziergang umgedichtet, wäre er auf diese Allee heute geraten. 

Selbst von des Berges fernen Pfaden blinken uns farbige Masken an.
Ich hörte einst des Weltbads Getümmel,
Hier war des Gastes wahrer Himmel,
Unzufrieden jaulen groß und klein,
Hier war ich Mensch,
Hier muss maskiert nun sein.

Doch lieber Dr. Faust als Dr. Dämlich aus Drostenhausen. Wahrscheinlich ist diese Beschilderung- neuerdings kommen noch gelbe und grüne argumentative Plastikschilder hinzu, die zum Schutz aufrufen vor Viren und dafür Maske  wie Abstand empfehlen- Teil des neuen Wettbewerbs Spas of Nonsense, lange strebte man an, auf die Liste des Welterbes zu gelangen: Spas of Europe.

Aber mit dem Spass ist es vorbei und mit dem Spas auch, bei geschlossenen Thermen und Hotels und Bars etc. Also Nonsense, why not? Und das mit deutscher Gründlichkeit, denn nicht ein Zuweg wurde bei der Beschilderung vergessen.

But, I´m not amused, it´s a bad joke. Isn´t it?