Der Mensch muss neu über sich nachdenken und wenn ich sage „der Mensch“, meine ich alle, jeder für sich und alle miteinander. Es gibt verschiedene ziemlich alte Gedanken dazu, der Mensch sei das denkende Wesen oder der Mensch sei der Sterbliche im Verhältnis zu den Unsterblichen. Vielleicht muss man so etwas im Ernst einmal gedacht haben, um den Kontrast zu sehen und zu fühlen zu jemandem wie Karl Marx. Er sah den Menschen nur in seiner Funktion als Arbeiter und als Machtpotenzial, indem er zusammen mit anderen die „Masse“ bildet. Er spricht wie ein Ingenieur von sozialen Gefügen und sozialen Aufständen, der sich für eine bestimmte Kundschaft einsetzt, der Arbeitermasse oder Arbeiterklasse.
Das Nachdenken vom Menschen über den Menschen wurde in unseren Kultursphären eine lange Zeit im Rahmen der Bibel betrieben und diese Text-Melange wurde zum Teil wirklich wörtlich umgesetzt:
Genesis 1,28 (Luther Übersetzung):
„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: … Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und unterwerft sie; und herrscht über die Fische des Meeres … und über jedes lebende Wesen, das sich auf Erden regt.“
Was keinen Nutzen abwirft, braucht sich eigentlich erst gar nicht zu regen. Die Unterwerfung der gesamten Erde ist kein zufälliges Nebenprodukt des Versuchs zu überleben, sie ist das Programm. Wissenschaft und Technik haben sich diesem systematisch verschrieben.
Dass der Mensch natürlich auch unterworfen ist, steht nicht so klar dort, aber das kann auch Absicht sein. Dass es an unsichtbaren Orten wirkliche Hirten gibt, die die Menschen als Nutztiere sehen, wird auch nirgends deutlich gemacht.
Diese Besessenheit mit dem Nutzen scheinen einige Leute gemeinsam zu haben, obwohl sie als ganz gegensätzlich gelten. Charles Darwin hat den Nutzen geradezu heiliggesprochen, indem er jede Veränderung in der Evolution auf einen Nutzen zurückführte, und zwar einen handfesten Nutzen, deswegen musste er alles als in ständiger Gefahr (eigentlich Krieg) schwebend darstellen.
Charles Darwin hat zugegeben, dass seine Inspiration bezüglich der natürlichen Selektion von einem Mann namens Malthus kam, der Theologe und Ökonom war und die Idee der Überbevölkerung entdeckte, die sich mit seiner Begründung zwar als falsch herausstellte. Es ist sogar heute nicht unmöglich, die ganze Weltbevölkerung zu ernähren. Man würde übrigens meinen, dass im wissenschaftlichen Denken eine Theorie verworfen wird, wenn sich zeigt, dass die Begründung nicht stimmt. In der Praxis ist das aber nicht so. Oft gibt es eine Theorie und den Auftrag an alle, diese per Deduktion zu begründen und ein „Quod erat demonstrandum“ darunter zu schreiben, „wie zu beweisen war“. Deswegen hat man Malthus Theorie mit einer neuen Begründung belebt und die Überbevölkerung zur allgemeinen Gefahr erhoben, indem man den „Carbon Footprint“ erfand.
So sehr das Britische Empire auch räumlich expandierte, ging es gedanklich immer in einem Kreis: von Adam Smith (1723 – 1790) und seiner Theorie von Angebot, Nachfrage, Knappheit, der „unsichtbaren Hand der Märkte“ und so weiter, zu Thomas Malthus (1766 – 1834), der den falschen Beweis vorgelegt hat, dass die wachsende Bevölkerung nicht genügend Ressourcen hätte, zu Charles Darwin (1809 – 1882), der die „unsichtbare Hand der Märkte“ auf die Biologie übertrug und dies „natürliche Selektion“ nannte. Da machen die verschiedenen Wissenschaften und Philosophien zwar den Eindruck, gut zusammenzupassen und damit alle Teil der gleichen Wahrheit zu sein, dabei ist das eine Art Ewige Suppe, die seit hunderten von Jahren weitergekocht wird.
Aus Sicht dieser Suppenköche hat der Mensch ohne Funktion, also ohne Arbeit, keine Daseinsberechtigung. Das meinte Martin Heidegger, als er sagte, dass der Mensch vom „nicht festgestellten Tier“ (Nietzsche) zum „arbeitenden Tier festgestellt“ wurde. Wenn die Zukunft der Arbeit aber immer unklarer wird, was wird dann aus dem arbeitenden Tier? Deswegen habe ich eingangs gesagt, dass wir uns die Frage nach dem Menschen selbst stellen müssen, denn selbst Karl Marx wäre an die Grenzen seines Lateins gekommen, wenn seine Kundschaft plötzlich Arbeiter ohne Arbeit und nur noch „Masse“ geworden wären.
Um das Nachdenken führt kein Weg herum und das meint auch, dass wir uns nicht hinter Slogans versammeln können wie „Make America great again“. Es ist jetzt so deutlich wie nie zuvor, dass jeder das anders verstanden hat. Und wir können auch nicht ausschließen, dass die Erfinder dieses Sprüchleins mit America wirklich den Kontinent meinten und aussagen wollten, dass sich die USA die Ressourcen des restlichen Kontinents unter den Nagel reißen möchten, wie ihre kriegerischen Ambitionen in Venezuela zu zeigen scheinen.
Der britische Premierminister Benjamin Disraeli (1804 – 1881), Zeitgenosse von Darwin, schrieb in seinem Roman „Sybil“:
„Man kann sagen, was man will, aber unsere Königin regiert über die größte Nation, die jemals existiert hat.“
„Welche Nation?“ Fragte der junge Fremde. „Denn sie regiert über zwei… zwei Nationen, zwischen denen es weder Verständigung noch Verständnis gibt, die keine Kenntnis haben über ihre jeweiligen Gewohnheiten, Gedanken und Gefühle, als wären sie Bewohner völlig verschiedener Gebiete oder Planeten. Sie werden verschieden gezüchtet, von verschiedenen Nahrungsmitteln genährt, ihre Umgangsformen sind verschieden und sie unterliegen nicht den gleichen Gesetzen.“
„Du sprichst von…“, sagte Egremont zögerlich.
„Den Reichen und den Armen.“
Benjamin Disraeli, Sybil, Book ii, Chapter 5 (1845)
Vierzig Jahre zuvor schrieb John Adams, einer der „Gründungsväter“ der Vereinigten Staaten, deren Absichten es sich durchaus lohnt zu untersuchen:
„Wir verfügen über ein einziges Material, das eigentlich eine Aristokratie bildet, die die Welt beherrscht. Und dieses Material ist Vermögen.
Talente, Geburt, Dienste, Opfer bedeuten uns wenig. Die größten Begabungen, die höchsten Tugenden, die wichtigsten Leistungen werden als nutzlos beiseite geworfen, es sei denn, sie werden von Reichtümern oder Interessengruppen getragen und das Ziel beider Parteien ist hauptsächlich Vermögen. … In der römischen Geschichte sehen wir ein beständiges Ringen zwischen den Reichen und den Armen, von Romulus bis Cäsar. Die große Trennlinie war nicht die zwischen Patriziern und Plebejern, sondern zwischen Schuldnern und Gläubigern. Spekulation und Wucher hielt den Staat in ständiger Hitze. Die Patrizier rissen das Land an sich und die Plebejer verlangten nach Agrargesetzen. Die Patrizier liehen Geld zu äußerst hohen Zinsen und die Plebejer waren manchmal nicht in der Lage, aber immer unwillig, diese zu zahlen. Das waren die Ursachen, weshalb die Menschen in zwei Parteien geteilt wurden, so verschieden voneinander und so neidisch, dass sie einander fast so feindlich gegenüberstanden, wie zwei Nationen.“ – Tract by John Adams, 1808
Siehe „Adams Papers“: https://founders.archives.gov/documents/Adams/99-02-02-5237

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