axiomata von ezra pound

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AXIOMATA

I

  1. Das urtümliche Wesen des Universums ist seiner Natur nach nicht unserem Bewusstsein gleich.

  1. Unser eigenes Bewusstsein ist unfähig, das Universum erschaffen zu haben.

  2. Folglich existiert Gott. Anders gesagt, es gibt keinen Grund, das Wort Gott, Theos, für das urtümliche Wesen nicht zu verwenden.

  3. Das Universum existiert. Wenn wir von existieren sprechen, meinen wir zumeist: es ist für unser Bewusstsein wahrnehmbar oder unser Verstand kann Rückschlüsse ziehen aufgrund von Gegebenheiten, die unser Bewusstsein wahrnehmen kann.

  4. Das urtümliche Wesen des Universums entzieht sich vollkommen unserer Kenntnisse. Wir haben keine Beweise, dass dieser Gott, Theos, einer oder viele ist, ob er teilbar oder unteilbar ist, oder ob er hierarchisch aufgebaut ist und sich in einer Einheit zuspitzt oder nicht.

  5. Unser Bewusstsein, oder jede Verdichtung oder Gerinnung solchen Bewusstseins oder vieler Bewusstseine, ist nicht nur unfähig, das Universum erschaffen zu haben, sondern es ist auch unfähig nachzuweisen, wie dieses Universum erschaffen wurde und beschaffen ist.

  6. Dogma ist ein Bluff, der auf Unwissenheit fußt.

  7. Es gibt wohlwollendes und übelwollendes Dogma. Wohlwollendes Dogma ist ein Versuch, „die Welt zu retten“, indem man sie dazu anstiftet, bestimmte Behauptungen anzunehmen. Übelwollendes Dogma ist ein Versuch, die Herrschaft über andere zu erlangen, indem man sie dazu anstiftet, bestimmte Behauptungen anzunehmen.

    Es gibt auch nicht-wollendes, ’nolent‘, Dogma, ein Art selbstständige Reaktion des Geistes seitens des Dogmatikers, der zu großem Unglück gekommen sein mag, indem er bestimmte Behauptungen befolgt hat, und hieraus die verkrampfte Überzeugung erlangt hat, dass die gegenteiligen Behauptungen wahr sind.

  8. Glaube ist ein Krampf, eine Lähmung, eine Schrumpfung des Geistes in bestimmten Haltungen.

II

  1. Zu versuchen, den Theos im Bewusstsein zu fassen, ist ebenso albern wie zu versuchen, Elektrizität nach den Gesetzen der Wasserphysik zu regulieren. Unser Bewusstsein kann Elektrizität nicht nach den Gesetzen der Wasserphysik nutzen und noch weniger vorstellbar ist es, dass das Wasser die Elektrizitätsphysik verstehen kann.

  2. Alle philosophischen Systeme scheitern, sobald sie versuchen, Axiome des Theos in den Begriffen des Bewusstseins und der Logik aufzustellen; auf ähnliche Weise wie die Vorstellung, dass sich Elektrizität der Wasserphysik entzieht.

  3. Die Wahl zwischen Monotheismus, Polytheismus, Pluralismus, Dualismus, dreifaltigem Gott oder Göttern oder Hierarchien, ist in Freigeistern eine rein persönliche Angelegenheit, die vom Temperament bestimmt ist, und in gebundenen Lehrlingsgeistern ist sie eine Frage der Tradition des Umfelds.

  4. Geschichtlich betrachtet diente die Organisation von Religionen zumeist verdeckten Zwecken, Ausbeutung, Beherrschung der Massen, etc.

III

  1. Dies soll keineswegs abstreiten, dass das Bewusstsein vom Theos beeinflusst werden kann (während wir im Kopf behalten, dass wir diesem Theos weder die Einzahl noch die Mehrzahl zuschreiben).

  2. Der Theos kann sich auf einzelne Wesen auswirken, aber das Wesen oder Bewusstsein ist nicht in der Lage zu erkennen, warum dies geschieht oder sogar auf welche Weise oder ob die Wirkung vom Theos herrührt; obwohl das Bewusstsein angenehme und womöglich unangenehme Empfindungen erleben kann oder Empfindungen, die weder der Lust noch der Unlust zuzuordnen sind. Hieraus entspring der Mystizismus. Wenn das Bewusstsein solche Einwirkungen vom Theos empfängt oder empfangen hat oder von etwas anderem, was nicht zum Theos gehört, aber vom Bewusstsein nicht verstanden oder nicht als Theos oder A-Theos eingeordnet werden konnte, dann ist es unfähig, diese Eindrücke auf zusammenhängende Abfolgen von Ursache und Wirkung zu vereinfachen. Die Auswirkungen verbleiben für das Bewusstsein im Bereich der Erfahrung und unterscheiden sich intellektuell nicht vom Geschmack einer Zitrone oder dem Duft von Veilchen oder dem Geruch von Misthaufen oder dem Tastgefühl eines Steins oder einer Baumrinde oder irgend einem anderen unmittelbaren Eindruck. Wie das Bewusstsein das Ergebnis der Sinne wahrnimmt, so nimmt es auch Trugbilder der Sinne wahr, oder das, was ein Trugbild der Sinne sein kann oder eine Einwirkung des Theos, dem Nicht-Verstehbaren.

  3. Dies soll auf keine Weise Visionen oder Auditionen oder Eindrücke der Mystiker abstreiten, Dantes Rose oder Teresas Walnuss; aber es soll die Thesen von Abschnitt I. bekräftigen.

IV

  1. Das Bewusstsein kann sich der Auswirkungen des Unbekannten und des Nicht-Wissbaren gewahr werden, aber das hat keinen Einfluss auf unsere These, dass das Bewusstsein vollkommen unwissend ist über die Natur des urtümlichen Wesens. Zum Beispiel: Ein Mann kann von einer Kugel getroffen werden und nichts über seine Beschaffenheit wissen oder den Grund, warum sie abgefeuert wurde, noch die Richtung aus der sie kam und auch nicht, dass es eine Kugel ist. Er kann fast augenblicklich sterben und nur den Eindruck eines Schocks merken. So kann das Bewusstsein sehr gut bestimmte Ergebnisse feststellen, als Eindruck, ohne ihre Natur zu begreifen. (I, (1).) Er kann auch an einer lang bedachten Krankheit sterben, ohne ihren Bazillus zu verstehen.

  2. Das Denken wird hier trübe und wir sehen die Neigung der Logik, sich im Kreis zu bewegen. Verwirrung besteht zwischen einem möglicherweise entdeckbaren Bazillus und dem nicht-verstehbaren Theos. Über die letztendliche Natur des Bazillus gibt es jedenfalls kein Wissen; aber das Bewusstsein kann lernen, mit den oberflächlichen Auswirkungen des Bazillus umzugehen, wie mit der Zielrichtung von Kugelschüssen. Verwirrung mischt sich in die Überlegungen, sobald man die Analogie herbeiruft. Wir kehren zur Klarheit von Abschnitt I (1-9) zurück.

  3. Die Einführung von Analogie hat unsere These nicht beeinflusst, dass das ‚urtümliche Wesen‘ existiert. Es hat unserer Erfassen des Unwissbaren des urtümlichen Wesens getrübt.

    (Vermutung: Haben die Religionen Analogien eingeführt? Philosophien haben manchmal versucht, ohne sie auszukommen. Das beweist nicht, dass Religionen alle unsere Konzepte getrübt haben. Man kann unbegrenzt viele Varianten dieses logischen Hutzaubertricks vollführen.)

V

  1. Es ist jedenfalls unmöglich zu beweisen, ob das Theos einer oder mehrere ist.

  2. Die größten Tyrannien sind aus dem Dogma aufgestiegen, dass das Theos eines ist oder dass es eine Einheit über den verschiedenen Schichten des Theos gibt, die ihren Willen den unten stehenden Schichten und damit auch den einzelnen Menschen auferlegt.

  3. Bestimmte Schönheiten der Phantasie und des Konzeptes sind sowohl aus der These entstanden, dass es viele Götter gibt, als auch dass es einen Gott gibt oder ein geordnetes Gefüge des Theos.

  4. Die Wahl zwischen diesen Vorstellungen des Theos ist eine Sache des Geschmacks; wie eine Vorliebe für Dürer oder Velázquez oder den Moschophoros oder des Bildnis Amenhoteps oder die Marmorsteine von Phidias.

  5. Die Religion versichert meist, dass der Theos durch ihr patentiertes System ausgenützt werden kann.

  6. Es ist nicht bekannt, ob der Theos ausgenützt werden kann oder nicht.

  7. Die meisten Religionen bieten einige Tipps, wie man den Theos ausnützen kann.

  8. Häufig macht Menschen das Gefühl durchaus Vergnügen, dass sie diese Ausnützung treiben oder dass sie mit dem Theos auf gutem Fuß stehen.

  9. Das ist nicht schädlich, so lange sie dabei anderen keine Unannehmlichkeiten bereiten.

  10. Der Grund warum sie anderen keine Unannehmlichkeiten bereiten sollten ist nicht beweisbar; das gehört zu jenem Teil der Konzepte des Bewusstseins, welchen wir allgemeinen Anstand nennen.

  11. Wir wissen nicht genau, wie wir zu diesen Konzepten des allgemeinen Anstandes gelangt sind, aber man vermutet, es kommt aus unserem Erbe der höher stehenden Individuen der Vergangenheit; das ist der Schatz der Überlieferung. Barbaren und bekennende Religionsgläubige verfügen nicht über dieses Konzept des allgemeinen Anstandes. Normalerweise hegen sie den Wunsch, sich in unsere Dinge einzumischen und uns dazu zu bringen, etwas „zu unserem eigenen Wohl“ zu glauben.

  12. Ein Glaube ist, wie wir bereits sagten, ein Krampf. Und von dort aus wird er schrittweise eine Lähmung oder Schrumpfung des Geistes in einer bestimmten Haltung.

 

 

 

 

  • übersetzt von Júlia

3 Kommentare

  1. ZU I:

    „1. Das urtümliche Wesen des Universums ist seiner Natur nach nicht unserem Bewusstsein gleich.“

    Buddhismus würde „Wesen“ wahrscheinlich als „Leere“ bezeichnen. (die unmittelbar Fülle/Form ist).

    -Die Form ist leer und die Leere ist (erscheint als) Form;
    Erscheinung ist nicht getrennt von der Leere,
    die Leere ist nicht gesondert von der Erscheinung;-
    (Herz Sutra)

    Bewusstsein meint Subjekt-Objekt, Bewusstsein von Etwas haben…

    „2. Unser eigenes Bewusstsein ist unfähig, das Universum erschaffen zu haben.“

    Das liegt schon daran, dass es keine Vorstellung von unendlich hat, Buddhisten würden sagen; -ohne Anfang, ohne Ende-

    „3. Folglich existiert Gott. Anders gesagt, es gibt keinen Grund, das Wort Gott, Theos, für das urtümliche Wesen nicht zu verwenden.“

    Das ist ein Setzen, eine These aus mangelnder Handhabe und dann einen Demiurgen bzw. Timaios zu schaffen, also doch etwas was dem Bewusstsein entspringt welches gerade den Werk- und Baumeister des Universums erschafft um diesem eine quasi unabhängige Existenz zu zu schustern,…
    Wenn Pound allerdings „ursprüngliches Wesen“ und was er damit meinte näher zu erklären versuchte (in Paradoxien) käme er der Sache vielleicht näher… „Gott“ wird aber von (ZEN) Buddhisten NICHT anerkannt. Eine Götter und Geisterwelt mag es geben, als Aspekt der Erscheinungen des Bewusstseins und dessen Projektion. Jedoch auch die haben Anteil an der Leerheit und vor allem Vergänglichkeit. Ebenso also das Hilfskonstrukt „Gott“. (so brutal sind sie halt…) Erfahrung solcher Qualitäten ist demnach nicht das Ziel und nicht Gott oder göttlich werden gesucht, sondern eben ein Zustand, der ein Nicht Zustand ist, den es letztlich zu „überwinden“ gilt. Leben als Vorläufiges…

    „4. Das Universum existiert. Wenn wir von existieren sprechen, meinen wir zumeist: es ist für unser Bewusstsein wahrnehmbar oder unser Verstand kann Rückschlüsse ziehen aufgrund von Gegebenheiten, die unser Bewusstsein wahrnehmen kann.“

    Das ist genauso schlüssig und unschlüssig wie zu sagen es existierte nicht. Natürlich sind die Sterne und die unendliche Weite des Weltalls bis zu einer gewissen Dimension sinnlich erfahrbar (mit Fernrohren und Messungen sogar deutlich erweitert). Das ist aber NICHT das ganze Universum… Vielleicht schauen wir uns nur selber an. (Quantenphysik?)

    „5. Das urtümliche Wesen des Universums entzieht sich vollkommen unserer Kenntnisse. Wir haben keine Beweise, dass dieser Gott, Theos, einer oder viele ist, ob er teilbar oder unteilbar ist, oder ob er hierarchisch aufgebaut ist und sich in einer Einheit zuspitzt oder nicht.“

    Allerdings. Aber wenn er keinen Beweis hat für seine viele, eine, teilbare oder unteilbare , hierarchische Existenz, warum setzt er ihn dann vorher 😉

    „6. Unser Bewusstsein, oder jede Verdichtung oder Gerinnung solchen Bewusstseins oder vieler Bewusstseine, ist nicht nur unfähig, das Universum erschaffen zu haben, sondern es ist auch unfähig nachzuweisen, wie dieses Universum erschaffen wurde und beschaffen ist.“

    Was meint Bewusstsein in diesem Zusammenhange? Und was „solches- oder viele Bewußtseine“? Wahrscheinlich ist, dass eben „solches- oder viele Bewußtseine“ eben dieses (welches?) Universum geschaffen haben und gerad wieder neu erschaffen, in ihrer Vorstellung und WissenSchaft lichkeit davon. Wenn es aber unfähig ist das Universum erschaffen zu haben, was nach dieser Ausführung als reine Vorstellung denkbar ist, ist die Frage wie es erschaffen wurde und es beschaffen ist eigentlich obsolet. Die Frage müßte die nach der Beschaffenheit (eigenen) Bewußtseins sein und wie es dazu kommt „Universum“ vorzustellen um zu verstehen, welchen Gegenstand es erschafft, den es dann betrachtet.

    „7. Dogma ist ein Bluff, der auf Unwissenheit fußt.“

    Dogma kann als Hilfskonstruktion betrachtet werden, ab da keiner mehr weiter weiß und aus Gründen der Beherrsch- und Erklärbarkeit seiner selbst zunächst, diesen dann bewußt oder unbewußt in die Außenwelt stellt um aus den Reaktion zu begreifen was Sache ist. Bluff kann es dann sein, wenn es bewußt und absichtlich täuschend angewendet wird. Es dürfte aber letztlich (jedenfalls nach buddhistischem Dafürhalten) auf den Bluffer selbst zurückfallen, also in einer mehr oder weniger günstigen Wiedergeburt enden.

    „8. Es gibt wohlwollendes und übelwollendes Dogma. Wohlwollendes Dogma ist ein Versuch, „die Welt zu retten“, indem man sie dazu anstiftet, bestimmte Behauptungen anzunehmen. Übelwollendes Dogma ist ein Versuch, die Herrschaft über andere zu erlangen, indem man sie dazu anstiftet, bestimmte Behauptungen anzunehmen. Es gibt auch nicht-wollendes, ’nolent‘, Dogma, ein Art selbstständige Reaktion des Geistes seitens des Dogmatikers, der zu großem Unglück gekommen sein mag, indem er bestimmte Behauptungen befolgt hat, und hieraus die verkrampfte Überzeugung erlangt hat, dass die gegenteiligen Behauptungen wahr sind.“

    Man könnte auch sagen: Gutes und schlechtes Karma. „Die Welt retten“ (im säkularen, soziologischen Sinne) scheint ein utopischer Ansatz von neueren Turnübungen menschlichen Unvermögens (s.a. z.B. franz. Revolution und deren Folgeversuche bis hin zu allen modernen Schattierungen der Philanthropie und selbstverständlich (schein) religiösen Vorhaben… Charity, Wohltätigkeit u.s.w.) Dahinter verbergen sich meist bewußte oder unbewußte Steuerungs Absichten. Entweder zur Entschuldung eigenen Seelenheils, oder auch jener abgründigen Praxis wie wir sie gerade mit der „Coronapolitik“ erleben zur Steuerung und Konditionierung ganzer Gesellschaften um nicht zu sagen Welten… Dogma pur. Nach obiger buddhistischer Definition wird allerdings das inszenierte Desaster auf die Verursacher zurückfallen. Viele Reaktionen menschlichen Geistes sind wie selbständig und automatisch und unreflektiert. Das hat in vielen Angelegenheiten Vorteile in wesentlichen Lebensbelangen die man geistig-seelisch nennen könnte, aber wohl mehr Nachteile. Aus Unwissenheit und folgender Not automatisch das andere zu tun entspricht der Not der Unwissenheit.

    „9. Glaube ist ein Krampf, eine Lähmung, eine Schrumpfung des Geistes in bestimmten Haltungen.“

    Glaube als Krampf und Schrumpfung des Geistes zu bezeichnen wäre zu einfach. Es gibt eine dynamische erfahrbare Kraft auf Grund von Glauben. Unabhängig des Wahrheitsgehalt oder der Tatsächlichkeit des Geglaubten und äußert sich meist in Notlagen oder auch als Lebensprinzip. Es sind sehr persönliche Umstände der Lebensführung die einem Menschen innere Leitung sein können. Paradoxerweise würde ein (ZEN) Buddhist versuchen Leerheit und Fülle/Form nicht einfach zu glauben (wie er in Mantren zu beten pflegt), denn dann hätte er sein Ziel der Erleuchtung noch nicht erreicht. Sondern er wird im Grund beide (Leere und Fülle) zu transzendieren suchen über seine Praxis in der Meditation in dem Sinne dass beide sich entsprechen. Fülle/Form ist Leere, Leere ist Fülle/Form (Herz Sutra)

    https://de.wikisource.org/wiki/Herz-Sutra

    So lange also mit mit Worten gearbeitet wird, lebt man in einer Worte Welt. Das Wesen aber ist jenseits von Worten und Nicht Worten…. und genauso erfahrbar wie wandelbar, unteilbar und zeitlos und kann dennoch nicht benannt werden.

    Der ZENKleister

  2. Lieber Herr ZEN,

    es wäre sehr interessant, wenn es uns gelänge, einige wirkliche Unterschiede unserer jeweiligen Religionen heraus zu bekommen. Ich bin mir nicht sicher, dass ich alle Ihre Einwände (falls es alles Einwände sind) verstehe. Pound hatte einige japanische Freunde, die Buddhisten waren und er hat einige Vorzüge dieser Glaubensrichtung sehr wohl wahrgenommen (aber je nach dem, wie verfeinert sie sich in einem Einzelnen gezeigt haben), im Ganzen war er tatsächlich nicht für den Buddhismus (Zen oder anderweitig).

    ‚Leere‘ und ‚Unendlichkeit‘ sind mir zu abstrakt. Dergleichen zu akzeptieren und dann noch als das Höchste oder der Weisheit letzter Schluss kommt für mich daher nicht in Frage.
    Ich sehe darin weder einen Sinn, noch halte ich Abstraktionen für umso wertvoller oder erhabener, je abstrakter sie sind.

    (Nochmal der Verweis auf Schopenhauer, der wegen ihrer ‚Abstraktomanie‘ 😀 nicht gut auf Hegelianer zu sprechen war:

    „Gegen die plumpe Unverschämtheit, mit der die Hegelianer in allen ihren Schriften ohne Umstände und Einführung ein Langes und Breites über den sogenannten Geist reden, wäre die geeignete Sprache: Geist? wer ist denn der Bursche? und woher kennt ihr ihn? ist er nicht etwa bloß eine beliebige und bequeme Hypostase, die ihr nicht ein Mal definiert, geschweige deduziert, oder beweist? u. s. w.“ (Parerga und Paralipomena))

    Für mich ist Leere und Unendlichkeit ein gutes Beispiel dafür, dass Glaube ‚ein Krampf‘, eine Versteinerung ist. Vielleicht ist ein Glaube zum Zeitpunkt, wo man ihn fasst, lebendig, man hatte einen wichtigen Grund, diesen zu fassen, aber wenn er nachher nur noch Wort übrig bleibt, welches nicht beseelt ist von unmittelbarer Erfahrung, kann man ihn zwar überall zum besten geben – aber GLAUBT man ihn dann wirklich? Oder nimmt man nur noch eine Pose ein?

    Das ist so ähnlich, wie ein Erinnerung immer wieder zu erzählen, bis die eigentliche Erinnerung ausgelöscht ist und nur noch die Erzählung davon erinnerlich bleibt. Erinnerungen sind dann am lebendigsten, wenn sie hoch kommen, am aller meisten, wenn sie zum ersten Mal zurück kommen aus der Vergangenheit, da hat man etwas Lebendiges. Aber wenn man immer wieder etwas (gleich) erzählt und das noch mit einer Schlussfolgerung verknüpft (deswegen bin ich so und so), dann wird das zu einer Art persönlichem Klischee.

    Metaphysik oder spirituelle Erfahrungen, müssen aus dem individuellen Erleben kommen, es nützt überhaupt nichts, einem Pfarrer etwas nachzureden.
    Ein Axiom ist ja ein Satz, der keines Beweises bedarf. Hier in dem Fall, weil es auf einer ’spirituellen‘ Erfahrung beruht (nämlich, dass es ein urtümliches Wesen des Universums gibt), die sich immer wieder erneuern muss (um spirituell zu bleiben) und man nicht wegdiskutieren kann.

    „So lange also mit mit Worten gearbeitet wird, lebt man in einer Worte Welt. “

    Ich denke ganz und gar nicht, dass die Worte die Dinge sozusagen vernichten, dafür sind sie nicht da, obwohl es passieren kann — aber es obliegt der Vorsicht des Sprechers, dies nicht zu begünstigen, sondern für die Brauchbarkeit Sprache und die erfolgreiche Kommunikation zu kämpfen.

    Die menschliche Sprache ist der Hauptunterschied von uns gegenüber den Tieren. Vögel würden nie daran denken, etwas mehrmals identisch zu sagen, sie sagen es immer verschieden und trotzdem verstehen sie sich (möglicherweise zum Teil besser als die meisten Menschen). Unsere Sprache (mit einigermaßen festen Wortbedeutungen) hat Vorteile aber auch sehr viele Gefahren. Man muss Wörter wählen und tatsächlich Bedeutung in die Wörter stecken, man kann sie nicht würfeln und verlangen, dass andere irgendwas darin erkennen. Das ist nicht nur eine Kunst, es ist auch eine Energie, die durch Mühe entsteht. Es ist zum Teil diese Mühe, die der Kommunikation und den menschlichen Beziehungen insgesamt ihre Qualität gibt. Wenn alle nur wie Wiederholungsroboter sprechen, haben sie weder Kommunikation, noch eine tiefere Qualität in ihren Beziehungen.

    Was Ihre interessante Frage betraf bezüglich:

    „(Vermutung: Haben die Religionen Analogien eingeführt? Philosophien haben manchmal versucht, ohne sie auszukommen. Das beweist nicht, dass Religionen alle unsere Konzepte getrübt haben. Man kann unbegrenzt viele Varianten dieses logischen Hutzaubertricks vollführen.)“

    Versteh ich nicht so ganz eigentlich,…. Beispiele….?!?
    Was ist eine Analogie in einer
    Religion
    Philosophie
    was sind

    „alle unsere Konzepte“

    Ich konnte ‚analogy‘ nicht so gut mit Gleichnis übersetzen, wegen dem davor gesagten, das kein Gleichnis war, wie man sich das vorstellt, ich hätte es allerdings in Klammern setzen können. (Ich habe ohnehin versucht, überall, wo ich konnte, Fremdwörter zu vermeiden, um so verständlich und nicht-abgehoben zu bleiben wie möglich.)

    Ein Beispiel für diese Analogien/ Gleichnisse aus der Religion ist natürlich die Dame, die mit Schlangen redet, Äpfel appetitlich findet und nicht auf den Chef hört, was den ‚Sündenfall‘ des ganzen kommenden Geschlechts zur Folge hat.
    Dann kommen Pfarrer, die von kleinen Kindern Geständnisse ihrer Sünden wollen, weil ‚alle Menschen Sünder sind‘ (durch die ‚Erbsünde‘) usw. Und weil sie jedem kleinen Kind irgendeine Kindersünde abluchsen können, wird die These (das Konzept) immer wieder bewiesen, obwohl sie nicht stimmt.