s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!
s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!
by EZRA POUND
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Fiktion besteht darin, dass man glaubt, dass das Beschriebene erfunden ist, Fakten bestehen darin, dass man sie für wirklich hält. Beidem gemeinsam ist, dass man das eine oder das andere glaubt. Selbst, wenn sich jemand vornimmt, vollkommen ehrlich zu sein, ist es fraglich, ob er die Zusammenhänge, Ursache und Folge und so weiter begriffen hat. Oder wenn jemand vorsätzlich lügt, dann kann es passieren, dass er es beispielsweise durch den Blick seiner Augen verrät. Oder er belügt jemanden, der mehr weiß als er selbst und ist hierdurch erfolglos. Viele denken, es gäbe einen „rein intellektuellen“ Inhalt von Aussagen, den man („in vitro“) prüfen könne, ohne die Absichten des Sprechenden mit einzubeziehen.
Dieser Irrglaube ist an Universitäten sehr verbreitet, denn viele leugnen, dass bezahlte Lehrstühle zu bezahlten Lehrmeinungen führen.
Warum sollte jemand dafür zahlen, dass ein Anderer Meinungen verbreitet? Die öffentliche Meinung zum Beispiel ist eigentlich eine Fiktion und sie wird nur dadurch aufrechterhalten, dass so viele sie für echt halten und glauben, dass an jeder Straßenecke das Gespräch stattfindet, das im Fernsehen simuliert wird. Gebildetere Menschen hingegen vermuten, dass beim Abendessen andere Gebildete das sprechen, was angeblich zwischen Philosophen besprochen wird.
Wenn in den Zeitungen steht, dass die aktuelle Wirtschaftlage zur Inflation führen muss und dass der einzige Rettungsanker im Kauf von Gold besteht, dann werden das wieder viele glauben und gar nicht vermuten, dass der Grund für die ganze Inflationspropaganda darin liegt, dass die eigentlichen Akteure am Markt, die mehr Gold haben als sich Herr Huber überhaupt vorstellen kann, eigentlich verkaufen wollen und dies zu einem möglichst hohen Preis. Wenn diese Akteure dann verkauft haben, wird sich der Preis freilich wieder „stabilisieren“ und die „Goldblase“ platzt. Und wieder werfen alle die Hände über den Kopf und sagen, dass diese Spekulationsexzesse ihr natürliches Ende gefunden haben!
Wahre Spiegel- oder Süddeutscheleser würden ihre Hand ins Feuer legen für das, was dort publiziert wird und zwar aus dem einfachen Grund, dass sie sich den Bildlesern so überlegen fühlen. Und ich glaube, dass eine sehr große Menge an Sprachphilosophen, Semiotikern und Schriftsetzern (unter anderem) daran beteiligt waren, dieses System aufzubauen.
Das mag verwirrend klingen, weil es verwirrend ist. Die eine Frage, die hilft, aus dem Labyrinth zu entkommen (zumindest zeitweise) ist: für wen wurde das Buch (oder der Zeitungsartikel, das Gedicht etc.) geschrieben und warum. Zwar klingt diese Fragestellung ähnlich wie das Thema in der Schule „Was ist die Intention des Autors?“ aber sie könnte gar nicht verschiedener sein. Denn es gibt zumeist eine vorgegaukelte Intention, hinter die man erst blicken muss.
Hinzu kommt allerdings noch, dass das Unterbewusstsein nicht unterscheiden kann zwischen Fiktion und Fakt. Stimmungsbetonte Ideen sickern in diesen Teil des Bewusstseins ungefiltert ein und können sogar gesundheitsgefährdenden Schaden anrichten. Eigentlich ist das klar, wenn man bedenkt, dass der Tagesverstand nicht zuständig ist für den Atemrhythmus oder Hormonausschüttungen. Mir scheint, dass Charles Baudelaire sehr Ähnliches thematisiert im Einleitungsgedicht zu seinen Blumen des Bösen „An den Leser“ (gut, was er NOCH damit sagen wollte, bleibt vielleicht sein Geheimnis).
Das sind die zahlreichen Schleier der Isis, könnte man sagen.

Aus: Blumen des Bösen
An den Leser
Von Charles Baudelaire
In Dumpfheit, Irrtum, Sünde immer tiefer
Versinken wir mit Seele und mit Leib,
Und Reue, diesen lieben Zeitvertreib,
Ernähren wir wie Bettler ihr Geziefer.
Halb sind die Sünden, matt ist unsre Reue,
Und unsre Beichte macht sich fett bezahlt,
Nach ein paar Tränen rein die Seele strahlt
Und wandert froh den schmutzigen Pfad aufs neue.
Satan, der Dreimalgrosse, übt die Künste,
Auf seinem Kissen wiegt er unsern Geist,
Bis das Metall, das Kraft und Wille heisst,
Vom Zaubrer aufgelöst in fahle Dünste.
Des Teufels Fäden sind’s, die uns bewegen,
Wir lieben Graun, berauschen uns im Sumpf,
Und Tag für Tag zerrt willenlos und stumpf
Der Böse uns der Hölle Stank entgegen.
Wie an der Brust gealterter Mätressen
Der arme Wüstling stillt die tolle Gier,
So haschen nach geheimen Lüsten wir,
Um sie wie dürre Früchte auszupressen.
Gleich Würmern wimmelnd ist ins Hirn gedrungen
Die Teufelsschar, die uns zerstören muss,
Wir atmen, und ein unsichtbarer Fluss,
Der Tod, strömt klagend hin durch unsre Lungen.
Wenn Notzucht, Gift und Dolch und alles Böse
Noch nicht geschmückt mit holder Stickerei
Des Schicksals Grund voll fadem Einerlei,
Dann ist’s, weil unsre Seele ohne Grösse.
Doch zwischen Panthern, Schakalen und Hunden,
In der Skorpionen, Schlangen, Affen Welt,
Die kriecht und schleicht und heult und kläfft und bellt,
Im Tierhaus unsrer Laster ward gefunden.
Das schlimmste, schmutzigste von allen Dingen,
Die Qual, die nicht Gebärde hat noch Schrei,
Und doch die Erde macht zur Wüstenei
Und gähnend wird dereinst die Welt verschlingen:
Der Überdruss! – Tränen im Blick, dem bleichen,
Träumt vom Schafott er bei der Pfeife Rauch.
Du, Leser, kennst das holde Untier auch,
Heuchelnder Leser – Bruder –: meinesgleichen!
(in der Übersetzung von Therese Robinson, 15. November 1873 in Darmstadt; gestorben am 17. Februar 1945 in Malmö)
Als Kind kann man noch nicht so eindeutig unterscheiden zwischen dem Beseelten und dem Unbeseelten. Jeder hat es schon einmal gesehen, wie sich ein Kind an einem Tisch anstößt und ruft „Blöder Tisch!“ und diesen dann schlägt. Und obwohl das Kind selbst seinen Puppen eine Stimme verleiht, weiß es nicht so ganz genau, ob sie eigentlich leben oder nicht. Und wenn es sich einbildet, dass unter seinem Bett ein Ungeheuer sei (eine Idee, die es nur nachts bekommt, das ist vollkommen unlogisch), dann kann es Todesangst verspüren wegen nichts.
Außerdem weiß das Kind zum Teil nicht mal, was es glaubt, weil es noch nie darüber nachgedacht hat. Zu merken, was man glaubt, ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Bewusstseins.
Aber mit ungefähr achtzehn Jahren (oder vielleicht, sobald er wahlberechtigt wird), macht der Mensch einen unglaublichen Bewusstseinssprung.
Er verändert seinen Gesichtsausdruck und ist erwachsen.
Im Vergleich mit diesen verwirrten Kindern kann er nun einwandfrei unterscheiden zwischen:
Lebendigem (früher sagte man Beseeltem, aber das ist nicht wissenschaftlich: Menschen, Tiere, ggf. Pflanzen, das ist nicht so ganz klar, die Biologie weiß es noch nicht),
Toten Gegenständen, z.B. Tisch und
Konzepten. Besonders dieses Dritte scheint ihn so unglaublich erwachsen zu machen, so ernst und nobel. Hier ist der Geist, die Vernunft, der Verstand, die Solidarität usw.
Das frühere Leben der Dummheit aus einer Kindheit scheint wie weggeblasen. Oft bekommt der Mensch dann, wenn er mit Kindern spricht, einen Tonfall als wären sie etwas geistesbehindert und so recht eigentlich gar nicht die Zeitverwendung wert.
Er fängt an, vollkommen absurde Gedankengänge für erhabene Prozesse der Logik zu halten, zum Beispiel:
„Ich denke, also bin ich.“
Das ist nur Scheinlogik, denn das Sein spürt man immer, außer vielleicht im Koma, aber dann ist man zu gar keiner Aussage fähig.
Oder die berühmte Schlussfolgerung aus:
„Alle Menschen sind sterblich“ und „Sokrates ist ein Mensch“ => „Sokrates ist sterblich“
Sokrates ist nicht nur sterblich, er ist sogar tot! Und das weiß jeder, der von Sokrates schon einmal gehört hat, ergo ist das keine Schlussfolgerung. Wenn schon ist es eher umgekehrt: Da bisher alle Menschen irgendwann gestorben sind, zum Beispiel Sokrates, Platon…, wissen wir, dass Menschen insgesamt sterblich sind (Argument per Induktion, statt per Deduktion).
Der Mensch kommt dann auf die Universität und liest Kant. Er findet ihn genial und versteht, dass man Deutschland als das Land der Dichter und Denker bezeichnet, Menschenarten, zu denen er sich jetzt auch zählt.
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
(Nebenbemerkung, dieses ‚durch‘ erscheint mir weder logisch noch grammatikalisch richtig.)
Maximen sind mehr oder weniger Kalendersprüche. Kant beweist nirgends, dass ein Handeln nach Kalendersprüchen sinnvoll ist oder das Handeln auf Dauer verbessert. Und dann fordert er auch noch, dass man nur nach dem besten aller Kalendersprüche handeln soll, einen der so gut ist, dass man folglich jeden Menschen zwingen kann und muss, nach diesem zu handeln. Deswegen nennt man diesen ‚der kategorische Imperativ‘.
Das Wort Vernunft ist so schön und rührend, das Wort Kritik ist so maskulin und streitbar, gibt man noch die Reinheit dazu, dann ergibt sich „Die Kritik der reinen Vernunft“. Wahnsinn! Das ist erhaben hoch drei!
„Ich nenne alle subjektiven Grundsätze, die nicht von der Beschaffenheit des Objekts, sondern dem Interesse der Vernunft, in Ansehung einer gewissen möglichen Vollkommenheit der Erkenntnis des Objekts, hergenommen sind, Maximen der Vernunft.“ (- Kant)
Was bedeutet dies? Ich übersetze:
„Ich nenne alle Sprüche, die aus der Wahrnehmung einer einzelnen Person kommen, die nicht mit dem Thema zu tun haben, worum es dem Schein nach geht, sondern mit einem Bild zu tun haben, das die Person von sich hat, ein Bild, das immer mehr aussieht, wie jemand, der weiß, wovon er spricht: Maximen der Vernunft.“
Als Skuptur würde ich mir diese ungefähr so vorstellen:

Ein wirklich konsequenter Moralist löst sich in Unmoral auf, das ist nicht anders möglich. Das erinnert mich an Andrej Platonow, der so ein überzeugter Sozialist war, dass die Sozialisten seine Bücher verbieten mussten, um den kommenden Kommunismus nicht zu gefährden.
Der Film beginnt dunkel und nur das wenige Schimmern der roten Fahne mit dem Hakenkreuz überzeugt davon, dass der Film nicht Schwarz-Weiß ist. Zwei Kameraden, Krücke (Herbert) und Frontenbold (Gunther) erwarten den unausweichlichen Tod in Stalingrad. Sie haben sich in einem Gebäude verrammelt und Herbert rührt Gips an, während der Frontenbold einen Brief an seinen Führer schreibt, dabei trinkt er die restlichen Tropfen Alkohol, die ihm noch bleiben. Sie leiden große Angst und Herbert frisst Gips und gipst sich von Kopf bis Fuß ein, weil er den nahenden Tod nicht ertragen kann. Frontenbold ist ein Trunkenbold und Witzbold an der vordersten Grenze zum Heldentod.

„Ich stehe ja eh mehr auf das, was die Kehle befriedigt, sei es Gelächter oder Schnaps.“
Er räsoniert: „Wenn der Krieg vorbei ist, bin ich wieder ganz schön allein. Ist ganz hübsch ein Unterschied, ob die Kameraden lachen oder ob eine anonyme Masse lacht, wenn du besoffen aus der Trambahn fällst.“
Plötzlich will Gunther nicht in russischer Erde liegen, er will unter einer deutschen Autobahn begraben sein, weil er das Sausen der deutschen Autos so liebt. Er macht das Sausen nach aber es klingt bedrohlich, sein Gesicht ist ganz wahnsinnig und die Autos scheinen unter seinen Gesten zu explodieren. Herbert denkt an seine Bräute, er denkt, wie sie ihn betrogen haben. Der Frontenbold liest dessen Briefe an die fünf Frauen vor.
Mit den Worten „Meine über alles geliebte Anytta“ wechselt sie Szene und man sieht das hoffnungsvolle Gesicht einer jungen Frau, die an einem blühenden Baum steht. Die Musik klingt asiatisch und Herbert erklärt, dass es sich um einen Kirschbaum handelt aber dann zweifelt er: war es vielleicht doch ein Birnbaum unter welchem die Buschwindröschen blühten und die lachsrote Unterhose der Anytta gelegen hat?
Herbert hat sich inzwischen völlig eingegipst. Herein stürmt ein russischer Soldat und versucht, ihn zu erschießen, doch das Gips hält stand und als ein Deutscher kommt, um den Russen zu erschießen, stellen er und Gunter fest, dass in dem Gips kein Mensch mehr steckt, es ist eine Hülle ohne Mensch, der Mensch darin ist verschwunden.
Der Deutsche sagt, dass das „Das Wunder von Stalingrad“ sei und dass man auf ein solches Ende hoffen müsse, denn einen anderen Ausweg gäbe es nicht. Da kommen die Russen und schießen die Übrigen tot.
Die Frauen Herberts erleben während dessen ein kleines Abenteuer. Sie sind alle am Starnberger See versammelt und halten ihre Kinder (wer die genauen Väter sind, ist nicht so wichtig, gescheiter ist es doch, wenn man weiß, wer sein Kind ist), auch kleine Katzen sind täppisch unterwegs. Auf ein Mal fliegen „Bomber, Amerikaner!“ über ihre Köpfe hinweg und die Frauen rennen von ihren Kindern weg, damit sie zerbombt werden und nicht ihre Kinder.
Die Frauen winken mit ihren Unterhosen dem Himmel zu, während sie sich gegenseitig versichern, dass sie nur Verachtung für kriegtreibende Männer haben, sie spucken gemeinschaftlich auf den Boden. Da stürzt einer vom Himmel ab, ein schwarzer, amerikanischer Soldat. Glücklich über die männliche Gesellschaft, wollen die Frauen ihn als Frau verkleiden. („Sonst erschlagen dich die Unseren.“) Und tatsächlich: kaum haben sie ihm die Bademütze und die weibliche Kleidung angezogen, da kommt schon der Nachbar (Joseph Bierbichler) mit der Axt angelaufen.
(Kleine Bemerkung: meine Schwester fragte mich unlängst, warum die Frauen „gegen die Bomenangriffe“ Bademützen tragen, diese seien sicherer „als das gefährliche Haar“. Ich meinte, die Mutter Achternbuschs soll Sportlehrerin gewesen sein. In „Die Atlantikschwimmer“ stellt er sie als Schwimmlehrerin dar. Aber andererseits ist es eben seine Form von Surrealismus. Aus heutiger Sichert erinnern die Badehauben gegen Bombenangriffe an die FFP2 Masken, von denen wir wissen, dass sie nicht vor Viren schützen, weil sie dafür viel zu grobmaschig sind.)
Hier übrigens, hat schon eine wichtige Musik eingesetzt, sie klingt nach einer Mischung aus Idylle und Atomwinter, oder jedenfalls nach gemeinsamer Einsamkeit in einem Leben voller Todesahnung und Hoffnung, es ist Dvorzaks „Symphonie aus der neuen Welt“.
Der Nachbar eilt, wie gesagt, herbei und will den Schwarzen mit der Hacke erschlagen. Doch die Frauen überfallen ihn zärtlich und binden ihn an einen Baum. Zuerst streitet der Nachbar mit den Frauen und sagt, bald würden sie alle erschossen: „Peng, peng, peng, peng!“, erläutert er.
„Du bist doch plem, plem, plem“, sagen die Frechen ohne Angst dazu.
Ein Wirrwarr aus einfachem Peng-peng-peng und mehrfachem Plem-plem-plem mischt sich in die Musik und man meint, vielleicht den glücklichsten Augenblick im Leben dieser Menschen mitzuerleben.
Der Nachbar wird versöhnlich, nachdem er die Familienfotos des Schwarzen sieht, er meint zwar überlegen: „Dass die Deinen schwarz sind, das glaube ich dir. Das liegt doch auf der Hand. Komm. Bind mich los.“ Aber sanfter wird der Nachbar nichtsdestotrotz. Seine Begründung für diesen Umstand ist, dass dieser Schwarze wenigsten für etwas Farbe in den Kindern der Frauen sorgen könnte. Somit könnten sie nicht jedem Mann ihre Babys andrehen. (Jetzt werden Kühe und Kälber gezeigt: in der Tat. Alle gleich, seit Generationen.)
Jetzt erzählt der Sepp was über den Herbert, von dem er übrigens nicht weiß, wie er sich in die Armee geschlichen hat. Der Herbert hatte ein Handtascherl, das er unbedingt loswerden wollte, an eine Frau, die sich seiner noch erinnert, wenn er nicht mehr ist. Alle Frauen haben es abgelehnt, bis auf die Anytta, die hat es genommen und geweint. Aber keine von den Weibern hat gemerkt wie viel Brustwarzen die Tasche hatte, nämlich sechs, genau wie der Herbert selbst und dazwischen war die Rose von New Orleans eintätowiert. (Das einzige Geschenk vom Herbert war eine zu große Last.)

Zwei Rentner stehen im Hofgarten und lesen die Schrift auf dem Denkmal der toten Soldaten: „Sie werden auferstehen“. Sie ängstigen sich, weil ihre Rente ja schon so wie es ist, hinten und vorne nicht ausreicht. Wie wird es erst, wenn die alle auferstehen und ihren Teil fordern? Eine abgespulte Stimme sagt immerzu: „Bitte warten. Bitte warten. Bitte warten.“
Eine junge Dame besucht den toten Soldaten und vergisst ihre Jacke bei ihm. Er steht auf, so wie es in der Schrift versprochen war, und zieht ihre Jacke an. Es ist der verlorene Herbert, der im Gips gestorben und hier im Hofgarten wieder zum Leben findet. Er redet die Rentner auf Russisch an. Die Frau sagt: „A Russ“, der Mann meint: „Für mi is des a Gspinnerter und kei Russ.“
Über alle Maßen wundert sich der Soldat, dass jemand in Stalingrad Deutsch kann. Da kommt die junge Dame daher und nimmt ihm die Jacke ab, die ja ihr gehört. Hand in Hand geht sie mit einem Mann davon, der dem schwarzen, abgeschossenen Amerikaner gleicht. Herbert setzt sich auf eine Bank, neben die Rentner. Vor ihnen auf dem Boden liegt eine Rose neben einem Hundekot. Die Frau sagt ihrem Mann, dass sie die Rose möchte, aber er entgegnet, dass er nur einen Hundsdreck sieht. Sie sagt zynisch: „Hast du schon a mal was anderes gesehen wie einen Hundsdreck?“ Offensichtlich nicht, denn er weigert sich, die Rose zu sehen, die Herbert jetzt begeistert aufhebt und der jungen Dame schenkt, die übrigens in ihrem Gesicht lauter schwarze Punkte hat.

Sie führt ihn vom Hofgarten bis zum Marienplatz und versichert ununterbrochen, dass er sich in München befindet: im einzigen München. Er aber glaubt es nicht, er denkt, dass Stalingrad nach der deutschen Eroberung nun in München unbenannt wurde und bringt das Argument: „So viele Autos, genau wie der Führer versprochen hat.“
Die junge Dame behauptet felsenfest, dass es hier weder Nazis noch Kozis (Kommunisten) gäbe, sondern nur Geld: und zwar den Überfluss davon wie den Mangel.
„Wie langweilig. Wie ungerecht.“, meint der Stalingradkämpfer und fügt hinzu, dass die Ungerechtigkeit immer langweilig sei, gerade so… wie ein KZ… „Ein was?“ „Nichts, nichts. Pscht. Ich habe nichts gesagt.“ „Was?“ „Nichts, nichts.“
Aber wo sind die Symbole des Nationalsozialismus, fragt sich der Mann. Ist es möglich, dass alle so gute Nazis geworden sind, dass sie kein Zeichen mehr für die Ideologie benötigen?
Nachdem sie auf dem Marienplatz Spenden eingesammelt haben, verabschieden sich der Stalingradkämpfer und die junge Dame. Die Frau will ihm Mut machen und ruft ihm noch zu, er solle blind an sich glauben, doch Herbert bekommt seine Augen nicht richtig auf.

Er fährt mit der Bahn zum Starnberger See. Zwei Polizisten stehen vor einem Steg und diskutieren darüber, wie man mit Anglern zu verfahren habe. Große Fische gehen in den Besitz des Anglers über, kleine Fische hingegen nicht. Als sie Herbert erblicken, nennen sie ihn „teurer Kamerad“ und erkundigen sich, wie es an der Front war.
„Mit solchen wie euch hätten wir den Krieg verloren.“, meint der Stalingradkämpfer.
„Der ist gut, der ist echt gut!“, lacht der ranghöhere Polizist begeistert.
Auf dem Steg schläft ein Mann. Er sieht dem Frontenbold Gunther aufs Haar gleich. Herbert erkennt ihn, umarmt ihn stürmisch und fällt mit ihm ins Wasser, nachdem der rangniederere Polizist ebenfalls ins Wasser gefallen ist.
„Moment! Warum taucht denn hier keiner mehr auf?“, fragt sich der übrig gebliebene Polizist auf dem Steg. Herbert taucht auf und zieht den Polizisten auf den Steg, weil er ihn für Gunther hält. Gunther währenddessen, läuft an Land und rennt weg.
„Immer läuft er weg, der Gunther!“, meint Herbert.
Man sieht Gunther, wie er in ein Haus rennt, es sieht aus wie ein Gasthaus, aber es ist eine Kirche. Drinnen sitzt der Priester und erwartet Gunther, der nicht Gunther ist, sondern der Sohn von Gunther … Traudilein.
Es ist sehr schwierig, das alles zu beschrieben, vor allem, weil jetzt ein Feuerwerk an Höhepunkten auf den Zuschauer einbricht. Die Musik ist jetzt „Stabert Mater“ von Pergolesi.
Und die Musik selbst ist ungewöhnlich: statt auf einen Höhepunkt hinzuarbeiten, besteht sie nur aus Höhepunkten. Deswegen passt sie so ausgezeichnet zu den berückend schönen Szenen, die jetzt folgen. Meiner Meinung nach ist dies das Herz des Films und es ist die geglückteste Verbindung von Bild, Sprache und Musik, die man sich vorstellen kann. „Stabert Mater“ wird in seiner Wirkung durch den Humor gesteigert, der Humor hingegen wirkt erhaben und zeitlos durch die Musik und die stilisierten Bilder. Die drei Welten: Bild, Klang und Sprache verbinden sich hier in traumhafter Weise. Wenn man den Film das erste Mal sieht, fliegt man hier bereits und man kann nichts im Gedächtnis behalten, weil auf jede Erscheinung eine scheinbar noch größere Erscheinung folgt.
Gunthers Sohn steht am Scheideweg seines Lebens: er soll heiraten aber es fällt ihm schwer, seinen Pfarrer zu verlassen, dessen Koch er ist. Seine Mutter ist auch nicht für diese Ehe, aber für den Pfarrer ist sie auch nicht. Sie findet, wenn er so viel beichtet, kommt er nicht mehr zum sündigen.
„Herr, du kennst meine Sünden all, haben wir sie doch zusammen begangen“, betet Gunthers Sohn Traudilein. Er verabschiedet sich von seinem Schrank und bittet diesen um Verzeihung der wenigen Gedanken wegen, die trotzdem beunruhigend waren und der Tränen wegen, die er darin geweint hat. Er verabschiedet sich von seinem Verkündigungsengel und dem Engel fällt eine Feder herunter – Traudilein hebt sie auf und steckt sie ihm höflich wieder an…
An dieser Stelle bin ich unwillkürlich an Werner Herzog erinnert: in seinem Film „Auch Zwerge haben klein angefangen“ bricht einem anarchistischen Zwerg die Türklinke ab und er steckt sie verlegen wieder an die richtige Stelle. Laut Werner Herzog ist dies das Kleinbürgerliche, das durch den wütenden Anarchisten durchschimmert. – Und es gibt noch eine Stelle, die an Werner Herzog erinnert – aber die kommt noch.
Traudilein hat seinen Priester trainiert, damit dieser den Stein im Wettbewerb am Höchsten hebe. Aber das ist nicht alles: Traudilein hat auch der Konkurrenz so laut: „Arschloch! Arschloch!“ zugerufen, dass ihnen die Moral ausging und der Sieg ausblieb.
Aber der Pfarrer findet, dass mehr Verdienst an ihm selbst läge, als an seinem Pfarrerkoch. Bayrische junge Frauen, die tanzen werden von der Taille ab gezeigt, ihre Kleider fliegen vor lauter Drehungen. Der Pfarrer sagt: „Du hingst mit deinem Rüssel an all dem Tand.“
Und Traudilein entgegnet, er könne sein Fleisch doch nicht dauernd betrunken machen: „Das Fleisch ist kein Planet mit eigner Bahn, das Fleisch, es hängt am Fleische dran.“
Herbert ist jetzt verzweifelt, dass Gunther sich nicht an ihn und seine Vergangenheit erinnern will. Traudilein (wie gesagt, der Sohn Gunthers) ruft seiner Mutter zu: „Bitte, tu mir diesen Kriegsbanditen weg!“ Aber die Mutter weigert sich. Der Herbert hätte ehrlich seine Schlacht geschlagen. Herbert aber ruft Traudilein zu: „Erinnere dich!“

Und inmitten der Erinnerung ändert sich die Geschichte plötzlich. Herbert erzählt: „Wir waren entflohene KZ-Häftlinge“.
(Warum ändert sich die Geschichte Herberts? Meine Interpretation ist: Herbert war Stalingradkämpfer, er hat gelitten und möchte sein Leiden verständlich machen. Aber die Menschen haben für sein Leiden nichts übrig und so erzählt er eben die Geschichte von seinem Leiden in einer anderen Verkleidung, in einer, die von der Gesellschaft und den Nachgeborenen akzeptiert wird.)
Es folgen jetzt Szenen, die die Erzählungen Herberts darstellen, die er als Erinnerungen ausgibt. Sie sind hochstilisiert und sehr stark vom Stummfilm beeinflusst. Die Figuren reden nie mit eigener Stimme, es ist immer der Erzähler, der beschreibt. Man kann diesen Teil zusammenfassen mit: „Wir waren zwei KZ-Häftlinge mit einer deutschen Uniform.“
Sie waren also zwei Flüchtige und einer von beiden muss sterben, damit der Andere mit der Tarnung überlebt. Herbert bringt Gunther um, indem er ihn mit einem Stein erschlägt.
Dieses Erschlagen wird später noch mal in Zeitlupe wiederholt (alles zu „Stabert Mater“) und hier bin ich wieder an Werner Herzog erinnert: die Szene als Woyzeck die Marie ersticht, die Szene zu Zeitlupe wechselt und dieser bedeutungsvolle Musikwechsel stattfindet.
An dieser Stelle möchte ich nochmals eine Interpretation anbieten: Der Stalingradkämpfer hat, wie gesagt, wirklich gelitten und er sucht nun nach der passenden Geschichte zu seinem Erlebnis, eine Geschichte, die auch jeder versteht. Da er die Schuld aber nicht wegleugnen kann und im Gegenteil rechtfertigen möchte, stellt er sich als unmoralischen KZ-Häftling dar, der seinen eigenen Kameraden erschlägt. Einerseits ist es eine Beichte, andererseits eine Rechtfertigung, da er sagt, dass die anderen Beteiligten im Krieg ebenfalls Unmoralisches getan haben und damit weiter leben mussten und sogar konnten.
Die Szene kommt jetzt wieder zurück zum Priester, Traudilein, Herbert, Traudileins Mutter Traudi und nun betritt überraschend Anytta den Raum. Herbert schaut entgeistert: „Anytta!“
Traudi sagt: „Anytta ist das nicht, das ist Anita.“ Mit anderen Worten die Enkelin Anyttas und Herberts. Anita setzt sich auf den Schoß des Pfarrers, der ja keine Gefahr für sie darstellen kann, denn was kann ein „schwuler Herr“ einem jungen Mädchen antun? Der schwule Herr versucht dem Mädchen die Religion zu erklären und endigt mit „Verstehst du das Programm?“ Sie schüttelt lange den Kopf, wie ein Pferd, das sich von seinen Gesichtszügeln befreien möchte.
Die Hochzeit kommt und Traudileins beunruhigende Pfarrerphase nimmt damit ein so beunruhigendes Ende wie dieses. Der Nachbar Sepp ist da und er denkt, dass er der Vater von der Annamirl ist (der Mutter Anitas), daher schenkt er ihr fünf Mark und steckt sie ins Handtascherl, das ihr vermacht wurde und worin sie so ein schreckliches Buch fand: „Ausmerzen“. „Ausmerzen? Hat das mit dem Merz was zu tun?“, fragt Sepp den Pfarrer. Aber der Pfarrer meint hauptsächlich, dass die Kirche eben Verschiedenes ausmerzen muss, die Singvögel unter den Vögeln, die Blumen unter den Pflanzen und vor allem die Dichterköpfe, damit nur noch die Computerköpfe rattern.
Herbert versucht jetzt Anita zu verführen, er führt sie weg zu den Hügeln, wo die Rosen wachsen. (Herbert behandelt seine Krücke in der selben Weise, wie Chaplin seinen Spazierstock. Er hat den gleichen Schnurrbart auch wie dieser in „Der große Diktator“. Der Hut fehlt selbstverständlich auch nicht.) Die Rosen wachsen überall dort, wo er sich mit Frauen vergnügt hat. Bei fast jedem Rosenstrauch kann er etwas erläutern: „Hier haben wir deine Großmutter gezeugt.“
Aber Anita findet die alten Geschichten langweilig und Rosen hätten ohnehin so blöde Stacheln.
Sie gehen an einem Hügel vorbei, da springen zwei Springer in die Höhe, um einen Rosenstrauch zu erblicken. „Denn diesen Rosenstrauch zu erblicken ist ihr ein und alles.“
Anita blickt aber dauernd zur Autobahn hinüber und fragt, ob sie nicht lieber raten wollen, in welchem Auto einer drin sitzt und in welchem zwei. Herbert findet das langweilig, aber er gibt sich selbst zu, dass er sie nicht begeistern kann mit seiner Vergangenheit. Da rennt sie auf die Straße zu. „Ja, willst du denn dem ersten von der Autobahn entgegenlaufen?“
“Ja!“
Sie rennt auf einen Mann mit Blumenstrauß zu, einem Schwarzen, identisch dem abgeschossenen Amerikaner. Sie umarmt ihn, nimmt die Blumen und sagt begeistert: „Rosen!“
Derweil ist keiner der Hochzeitsgäste mehr übrig geblieben außer Sepp. Der geht stark betrunken auf einen Steg zum See und hält einen Monolog darüber, dass ein neuer Hitler kommen könnte und alle ihn unterstützten würden. Über Herbert meint er, dass der niemals in Stalingrad war: „Wahrscheinlich war der nur zwanzig Jahr in Andechs… besoffen!“
Ganz an der Spitze des Stegs pinkelt er in den See und ruft in die Nacht hinein: „Heilt Hitler! Heilt euch doch selber!“

„Das Andechser Gefühl“ ist Achternbuschs einfachster Film und gilt auch als sein Erster. Deswegen ist er vielleicht ein guter Einstieg. Es ist ein Biertraum von „Italien“ mit tragischem Ende und die Handlung beschränkt sich auf zwei Tage: Heute und Morgen. Am Anfang werden diese beiden Tage ahnungsvoll in einander geschnitten bis sich Morgen endgültig in Heute verwandelt.
Heute sitzt ein Lehrer im Biergarten von Andechs. Seine Taschenuhr erinnert ihn an Morgen, denn Morgen wird über sein Schicksal entschieden: Verbeamtung auf Lebenszeit oder Arbeitslosigkeit. Ein Schulrat wird seinem Unterricht beiwohnen, um ihn zu beurteilen. Der Lehrer lässt seine Taschenuhr in sein Bier fallen, trinkt, verschluckt sich daran, wird kreidebleich und stirbt fast. Die hilfreiche Kellnerin eilt herbei und schüttet ihm ein Bier über den Kopf. Er spuckt die Uhr aus und wundert sich darüber, wie spät es schon sei. Er denkt, dass er Morgen sterben muss und er denkt weiter, dass die Filmschauspielerin folglich noch heute kommen müsse, um ihn noch lebend anzutreffen. Sie ist seine frühere Geliebte und kommt schon den geschlängelten Weg angefahren in ihrem gelben Auto, ihrem gelben Kleid und den gelben Haaren, ganz wie ein goldener Traum steht sie vor ihm. Sie freuen sich, aber plötzlich schweigen sie. Was hat man sich zu sagen? Nichts. Aber die Zeit im Biergarten ist wie angehalten und das Biertrinken verbindet. So sprechen sie im Chor:
„Das Andechser Gefühl, ist ein Gefühl, dass man nicht allein ist.“

Aber hat sich Morgen vielleicht schon angeschlichen? Der Lehrer ist schon in der Schule und hält eine Unterrichtsstunde über das Menschenhaar:
„Wenn einer von euch auf die Universität kommen sollte, wird er den prozentualen Unterschied zwischen Morgenausfall und Abendausfall erfahren. Für euch übrigen reicht, dass wir am Tag 120 Haare verlieren. Übrigens wächst das Haar im Sommer schneller als im Winter.“
Vielleicht ist dem Lehrer sein Wissen sinnlos geworden und deswegen spricht er so gelangweilt. Der Schulrat ist aber nachsichtig und erklärt, dass die Weltanschauung wichtiger sei, als eine missglückte Unterrichtsstunde. Doch in einem Verhör stellt sich heraus, dass die Ansichten des Lehrers höchst desillusioniert und anti-propagandistisch sind. Warum ist der Schulrat trotzdem zufrieden und lässt den Lehrer die Prüfung bestehen?
Zurück im Biergarten nimmt das holprige Gespräch seinen Lauf. Alles redet über die Filmschauspielerin und ein Mann schneidet sich das Ohr ab, zum Zeichen, dass sie schön ist. Eine junge Frau will ein Autogramm, doch zwei Burschen fangen grundlos eine Schlägerei an und dabei wird die Schauspielerin am Kopf getroffen und fällt in Ohnmacht. Der Lehrer trägt sie weg. Als sie aufwacht, weiß sie nicht mehr, ob sie seine Mutter ist oder nicht. Er fragt:
„Magst du immer noch solche Filme, in denen hundert Mädchen auf hundert Harfen spielen, hundert Mädchen als hundert Blütenblätter, hundert Mädchen in hundert Betten, hundert Mädchen…“
(Diese Stelle habe ich ausgewählt, weil sie ein Beispiel ist, für die Art, wie Achternbusch mit Zahlen umgeht, sie lyrisch verfremdet. Denn was kann für einen Menschen, der zur Vereinzelung verdammt ist, die Vielheit von Menschen sein? Man kann nicht für zwei Menschen das Doppelte empfinden, wie für einen und für eine Millionen Menschen eine Million mehr als für die eigene Mutter. Oder?)

Der französische Pianist Stéphane Blet starb am 7. Januar bei einem Sturz von einem Balkon in Genf.
(mehr …)
Brief an Herrn Hitler von Major Douglas, 06.05.1939

Herr Führer,
als Einleitung zum beigefügten Memorandum,* bitte ich um die Erlaubnis, Ihre hochgeschätzte Aufmerksamkeit auf folgende Beobachtungen lenken zu dürfen.
(a) Zwar wird behauptet, und zweifellos auch ehrlich geglaubt, dass es einen ideologischen Konflikt gibt zwischen der ‚demokratischen‘ Machtgruppe und der totalitären Gruppe, jedoch gibt es tatsächlich keinen solchen Konflikt – die Handlungen beider Seiten fußen auf Schlussfolgerungen der tiefer liegenden Annahme, die ohne Zweifel als unanfechtbar betrachtet wird, dass die Vollbeschäftigung Ihrer Bevölkerungen den Erfolgsbeweis in sich tragen. Die Meinungsverschiedenheiten beider Gruppen beschränken sich allein auf ihre Verfahrensweisen.
(b) Wenn diese Behauptung auf einer ‚moralischen‘ Grundlage beruht, dann muss festgestellt werden, dass sie praktische Probleme mit sich bringt, die nur lösbar sind durch Rückgriff auf einen Krieg mit wechselseitiger Zerstörung, der gewiss in Anarchie münden wird und in schlussendlicher Unterwerfung unter einen transatlantischen Überlebenden.
(c) Wenn jedoch behauptet wird, dass die Vollbeschäftigung eine praktische Notwendigkeit für eine fortschreitende Zivilisation sei, kann leicht nachgewiesen werden, dass das Gegenteil der Fall ist. Es ist allgemein anerkannt, dass die gegenwärtige Rüstungsproduktion in jedem Land erzwungen wurde durch die allgemeine Annahme, dass Arbeitslosigkeit der wirtschaftlichen Zerstörung gleich kommt, und so muss gleichzeitig zugegeben werden, dass die Vollbeschäftigung, die durch die Aufrüstung errungen wird, sowohl zeitlich begrenzt, als auch zugleich das beste Beispiel für Verschwendung und Ineffizienz ist.
(d) Diese Beschäftigungspolitik, die ich hier in Zweifel stelle, wird jetzt als untrennbar vom jüdischen Finanzsystem erkannt.
(e) Eine einfache Änderung in diesem System würde die Vollbeschäftigung obsolet, den Wettbewerb um Märkte unnötig machen und würde die Macht des internationalen Finanziers zerstören – eine Macht, die der Krieg nur vergrößert und die letztlich die Zivilisation in Europa zerstören wird, wenn nicht sie selbst zerstört wird.
Darf ich den ernsten Antrag vorbringen, dass die gegenwärtige Krise in der weltgeschichtlichen Schlüsselrolle, die Sie tragen, dafür genutzt werden kann, eine Aufdeckung dieser falschen und zerstörerischen Politik zu erzwingen?
Wenn dieses Thema auf den vorgeschlagenen Konferenzen in den Vordergrund gebracht würde, dann ist es unbestreitbar, dass sich nicht nur Deutschland, sondern die gesamte zivilisierte Welt in der Unterstützung Ihrer Handlungen vereinen wird. Nicht Präsident Roosevelt, sondern Sie, wären anerkannt als der Vertreter all jener Werte, die gleichermaßen geehrt werden von den sogenannten Demokratien und ihren künstlich erzeugten Gegnern.
Hochachtungsvoll,
Ihr C. H. Douglas
* Bei dem erwähnten Memorandum handelt es sich um eine Ausgabe des zuvor veröffentlichten ‚Eine Warnung an Europa‘ (‚Warning Europe‘).
Übersetzung von Júlia
Original: https://www.socred.org/images/douglas-archives/Letter-to-Herr-Hitler.pdf
Wenn man Vögel beobachtet und ihnen zuhört, wie sie mit ihren Lauten ihr Innen- und Außenleben bedeuten, wird man feststellen, dass sie nie ein ‚Wort‘ zwei Mal verwenden. Sie haben keine Wörter in dem Sinne, auch wenn sie immer wieder von den gleichen ‚Dingen‘ oder Wesen sprechen. Sie legen die aktuellste ihrer Emotionen ohne einen Moment des Überlegens (das Überlegen passiert laufend im Hintergrund und kulminiert beispielsweise in einer Warnung), ohne Übergang in ihren Ton, was man auch in ihren Augen sehen kann. Dies nehmen sie aus ihrer Lebensintensität, die immer vorhanden ist, egal ob sie sich angstvoll in einem Busch vor einem Sturm verstecken oder sich der Nachdenklichkeit hingeben, eine leise Melodie hervorzubringen, die sie noch nie gehört haben. Auch in der Schläfrigkeit sind sie ‚ganz‘ schläfrig.
Sie wenden die Intensität nicht an, um zu beeindrucken, sondern im Falle einer Warnung beeindrucken sie, WEIL sie versuchen, eine Gefahr so klar wie möglich zu bedeuten.
Sie üben diese Kommunikationstechniken in ihren Leben so gut ein, dass ihr Verständnis für einander oft für uns aussieht wie Hellsichtigkeit. Und das ist es für uns auch, denn wie würdest du das finden, lieber Leser, wenn ich zum Fenster einmal Koffer sage, dann Tablette und danach Wasserbett. Du würdest anfangen, mich zu korrigieren, obwohl ich eine Methode anwende, die seit Millionen von Jahren funktioniert. Der Punkt ist nur der, dass man sich dabei nicht verstellen darf.
Das Gegenteil davon wäre eine Diva aus Hollywood, die wie ein Schluck Wasser in der Kurve zu Hause herumhängt, um sich dann plötzlich aufzubrezeln und auf die Straße zu stürmen, um sich dort zwei Stunden lang fotografieren zu lassen mit einem Pappbecher in einer Hand und einem Handy oder kleinen Hund in der anderen. Die Betrachter ihrer Fotos werden dann vermutlich sagen (weil sie das schon oft gehört haben und eigentlich nie etwas Urtümliches, Eigenes denken): „Naja, mir gefällt das auch nicht, was sie macht, aber ich finde, sie verkauft sich gut!“
„Soll aber der Mensch noch einmal in die Nähe des Seins finden, dann muss er zuvor lernen, im Namenlosen zu existieren. Er muss in gleicher Weise sowohl die Verführung durch die Öffentlichkeit als auch die Ohnmacht des Privaten erkennen. Der Mensch muss, bevor er spricht, erst vom Sein sich wieder ansprechen lassen, auf die Gefahr, dass er unter diesem Anspruch wenig oder selten etwas zu sagen hat. Nur so wird dem Wort die Kostbarkeit seines Wesens, dem Menschen aber die Behausung für das Wohnen in der Wahrheit des Seins wieder geschenkt.“
M. Heidegger, Über den Humanismus
Das Namenlose muss natürlich kein ‚Nirvana‘ sein oder ein theoretisches Nichts. Eben gerade die Vögel haben einen ausgeprägten Sinn für Musik und laut Ezra Pound (Guide to Kulchur) ist der vorrangige Sinn von Musik:
Die Zauberkraft der Musik liegt in ihrer Wirkung auf den Willen. Eine plötzliche Räumung des Geistes vom Gerümpel und die Wiedererschaffung eines Sinns für Proportion.
Bei uns heutigen Menschen sind die Wörter so sehr mit (häufig falschen) Bedeutungen überfrachtet, dass wir unter ihnen zusammenbrechen. Wie alle echten und tiefen Probleme, ist dieses Problem sehr alt, wir sehen es nur in neuen Gewändern und meinen, es wäre neu, nur weil wir es zum ersten Mal entdecken.
Goethe im Faust I:
MEPHISTOPHELES.
(…)
Im ganzen – haltet Euch an Worte!
Dann geht Ihr durch die sichre Pforte
Zum Tempel der Gewißheit ein.
SCHÜLER.
Doch ein Begriff muß bei dem Worte sein.
MEPHISTOPHELES.
Schon gut!
Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen;
Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte läßt sich trefflich glauben,
Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.
Um zwei Beispiele zu geben. Ich denke, dass das Wort ‚Querdenken‘ von vorne herein verfehlt war. Die Einzigen, die es notwendig finden, Labels an ‚Dinge‘ zu heften, sind die Werbefritzen mit ihren Slogans. Dass sich eine Gruppe von Menschen als Querdenker bezeichnet, hat nur dazu geführt, dass andere Menschen zu einander Dinge sagen wie: „Haben die Querdenker eigentlich eine eigene Partei? Ach so, sie haben ja die AfD.“
Es kommt in unserer Zeit dabei gewohnheitsmäßig so weit, dass das bedeutungsüberfrachtete Wort wichtiger wird als sein Sinn, so wichtig, dass es geradezu den Sinn negiert.
„Sie fragen: Comment redonner un sens au mot ‚Humanisme‘? Diese Frage kommt aus der Absicht, das Wort ‚Humanismus‘ festzuhalten. Ich frage mich, ob das nötig ist. Oder ist das Unheil, das alle Titel dieser Art anrichten, noch nicht offenkundig genug? Man misstraut zwar schon lange den ‚-ismen‘. Aber der Markt des öffentlichen Meinens verlangt stets neue. Man ist immer wieder bereit, diesen Bedarf zu decken. (…)
Die Herrschaft solcher Titel ist nicht zufällig. Sie beruht, und das vor allem in der Neuzeit, auf der eigentümlichen Diktatur der Öffentlichkeit. (…)
Darum gerät die Sprache in den Dienst des Vermittelns der Verkehrswege, auf denen sich die Vergegenständlichung als die gleichförmige Zugänglichkeit Allem für Alle unter Missachtung jeder Grenze ausbreitet. So kommt die Sprache unter die Diktatur der Öffentlichkeit. Diese entscheidet im voraus, was verständlich ist und was als unverständlich verworfen werden muss.
M. Heidegger, Über den Humanismus
Ein anderes Beispiel wäre, dass wir Heutigen uns wirklich fragen müssen, ob Viren überhaupt als Krankheitserreger existieren. Wenn dem nämlich nicht so wäre, müssten wir alle anderen Wörter hinterfragen, die wir sonst auch verwenden. Z.B. das Wort Immunsystem. Das Wort bedeutet mehr als wir wissen. Es impliziert auf so eine vage Weise so viel, dass man es eigentlich weglegen muss und lieber Wörter finden sollte, die auf der eigenen Erfahrung beruhen.
Ein Gedankengebäude oder Haus der Sprache, darf nicht zusammenbrechen, wenn man ein Wort entfernt und durch ein anderes ersetzt. Ein gutes Haus besteht nicht durch eine einzelne Annahme, es ist an so vielen Stellen mit der Wirklichkeit, mit dem Boden und ist sich selbst so stabil, dass man es auch renovieren könnte.
Ich habe einmal gehört, wie ein Schulkind zum anderen auf dem Heimweg sagte: „Als die D-Mark noch war, da hat ein Brot tausend Euro gekostet.“
Ich konnte mich an eine solche Zeit nicht erinnern. Ich vermutete, dass sie in der Schule etwas über ‚Inflation‘ gelernt haben, aber nicht darüber natürlich, dass man vollkommen verschiedene Phänomene einfach als ‚Inflation‘ bezeichnen kann, obwohl in einer Situation Inflation als unzulässige Erhöhung der Geldmenge (aber nicht der Produktion) gegeben ist, während andere Preissteigerungen einfach durch Monopolmacht beschlossen sein können, sich aber durch ein solches Wort gut tarnen.
Denn manche erachten die Wörter als ihre Untertanen und gehen mit ihnen um, wie es ihnen gerade passt, während die anderen wichtig klingende Wörter als ihre Vorgesetzten betrachten, die sie nie hinreichend verstehen können, dieses Unvermögen aber tunlichst verbergen.
Die Herrschaft der Wissenschaft und der Technik sind viel mehr als George Orwell in seinen Albtraum-Visionen vom Überwachungsstaat gesehen hat. (Auch ‚Überwachungsstaat‘ ist eines jener übermächtigen Wörter, die mehr Bedeutung vorgeben, als ihnen wahres Wissen und genaues Verständnis zugrunde liegt.)
Die Abschaffung des Denkens passiert dadurch, dass niemand es mehr lernt. Da das Denken dem Menschen aber nahe steht als sein natürliches Erbe, aber nicht mehr erreichbar ist, will Heidegger hier zeigen, wie der Sprung in das andere Element, welches das Denken ist, zu bewerkstelligen ist und wie man sich darin bewegen kann. Niemand bewegt sich an der Luft gleich wie im Wasser, es sind verschiedene Dichten, Widerstände und Möglichkeiten sich fortzustoßen und sich darin zu schlängeln.
Ich greife einige der schönsten Zitate aus diesem bemerkenswerten Vortrag heraus:
Als das vernünftige Lebewesen muß der Mensch denken können, wenn er nur will. Indes will der Mensch vielleicht denken und kann es doch nicht. Am Ende will er bei diesem Denkenwollen zu viel und kann deshalb zu wenig. Der Mensch kann denken, insofern er die Möglichkeit dazu hat. Allein dieses Mögliche verbürgt uns noch nicht, daß wir es vermögen. Denn wir vermögen nur das, was wir mögen. Aber wir mögen wiederum wahrhaft nur Jenes, was seinerseits uns selber und zwar uns in unserem Wesen mag, indem es sich unserem Wesen als das zuspricht, was uns im Wesen hält. Halten heißt eigentlich hüten, auf dem Weideland weiden lassen. Was uns in unserem Wesen hält, hält uns jedoch nur so lange, als wir selber von uns her das Haltende be-halten. Wir be-halten es, wenn wir es nicht aus dem Gedächtnis lassen. Das Gedächtnis ist die Versammlung des Denkens.
(…)
Unsere Sprache nennt z.B. das, was zum Wesen des Freundes gehört, das Freundliche. Dementsprechend nennen wir jetzt das, was in sich das zu-Bedenkende ist: das Bedenkliche. Alles Bedenkliche gibt zu denken. Aber es gibt diese Gabe immer nur insoweit, als das Bedenkliche von sich her schon das zu-Bedenkende ist. Wir nennen jetzt und in der Folge dasjenige, was stets, weil einsther und allem voraus, zu bedenken bleibt: das Bedenklichste. Was ist das Bedenklichste? Wie zeigt es sich in unserer bedenklichen Zeit? Das Bedenklichste ist, daß wir noch nicht denken; immer noch nicht, obgleich der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.
(…)
Dieser Vorgang scheint freilich eher zu fordern, daß der Mensch handelt und zwar ohne Verzug, statt in Konferenzen und auf Kongressen zu reden und sich im bloßen Vorstellen dessen zu bewegen, was sein sollte und wie es gemacht werden müßte. Somit fehlt es am Handeln und keineswegs am Denken. Und dennoch — vielleicht hat der bisherige Mensch seit Jahrhunderten bereits zu viel gehandelt und zu wenig gedacht.
(…)
Daß wir noch nicht denken, kommt vielmehr daher, daß dieses zu-Denkende selbst sich vom Menschen abwendet, langher schon abgewendet hat.
(…)
Es wird gut sein, wenn wir möglichst lange in solcher Abwehrhaltung zu dem Gesagten ausharren; denn so allein halten wir uns in dem nötigen Abstand für einen Anlauf, aus dem her vielleicht dem einen oder anderen der Sprung in das Denken gelingt. Es ist nämlich wahr, daß das bisher Gesagte und die ganze folgende Erörterung mit Wissenschaft nichts zu tun hat, gerade dann, wenn die Erörterung ein Denken sein dürfte. Der Grund dieses Sachverhaltes liegt darin, daß die Wissenschaft ihrerseits nicht denkt und nicht denken kann und zwar zu ihrem Glück und das heißt hier zur Sicherung ihres eigenen festgelegten Ganges.
(…)
Wir sagten: der Mensch denkt noch nicht und zwar deshalb nicht, weil das zu-Denkende sich von ihm abwendet; er denkt keineswegs nur darum nicht, weil der Mensch sich dem zu-Denkenden nicht hinreichend zu-wendet. Das zu-Denkende wendet sich vom Menschen ab. Es entzieht sich ihm. Doch wie können wir von Solchem, das sich einsther entzieht, überhaupt das Geringste wissen oder es auch nur nennen? Was sich entzieht, versagt die Ankunft. Allein — das Sichentziehen ist nicht nichts. Entzug ist Ereignis. Was sich entzieht, kann sogar den Menschen wesentlicher angehen und in den Anspruch nehmen als alles Anwesende, das ihn trifft und betrifft. Die Betroffenheit durch das Wirkliche hält man gern für das, was die Wirklichkeit des Wirklichen ausmacht. Aber die Betroffenheit durch das Wirkliche kann den Menschen gerade gegen das absperren, was ihn angeht, angeht in der gewiß rätselhaften Weise, daß das Angehende ihm entgeht, indem es sich entzieht. Der Entzug, das sich Entziehen des zu Denkenden könnte darum jetzt als Ereignis gegenwärtiger sein, denn alles Aktuelle.
(…)
Was sich uns in der genannten Weise entzieht, zieht zwar von uns weg, aber es zieht uns dabei gerade mit und zieht uns auf seine Weise an. Was sich entzieht, scheint völlig abwesend zu sein. Aber dieser Schein trügt. Was sich entzieht, west an, nämlich in der Weise, dass es uns anzieht, ob wir es sogleich oder überhaupt merken oder nicht. Was uns anzieht, hat schon Ankunft gewährt.
Ich empfehle dem Leser folgenden Text sehr genau zu hören und selbst nachzudenken, was seine angemessene Geschwindigkeit ist, seine Dichte, seine Bewegung:
Ein Tanzlied
Mistral-Wind, du Wolken-Jäger,
Trübsal-Mörder, Himmels-Feger,
Brausender, wie lieb ich dich!
Sind wir zwei nicht Eines Schoßes
Erstlingsgabe, Eines Loses
Vorbestimmte ewiglich?
Hier auf glatten Felsenwegen
Lauf ich tanzend dir entgegen,
Tanzend, wie du pfeifst und singst:
Der du ohne Schiff und Ruder
Als der Freiheit freister Bruder
Über wilde Meere springst.
Kaum erwacht, hört ich dein Rufen,
Stürmte zu den Felsenstufen,
Hin zur gelben Wand am Meer.
Heil! da kamst du schon gleich hellen
Diamantnen Stromesschnellen
Sieghaft von den Bergen her.
Auf den ebnen Himmels-Tennen
Sah ich deine Rosse rennen,
Sah den Wagen, der dich trägt,
Sah die Hand dir selber zücken,
Wenn sie auf der Rosse Rücken
Blitzesgleich die Geißel schlägt, –
Sah dich aus dem Wagen springen,
Schneller dich hinabzuschwingen,
Sah dich wie zum Pfeil verkürzt
Senkrecht in die Tiefe stoßen, –
Wie ein Goldstrahl durch die Rosen
Erster Morgenröten stürzt.
Tanze nun auf tausend Rücken,
Wellen-Rücken, Wellen-Tücken –
Heil, wer neue Tänze schafft!
Tanzen wir in tausend Weisen.
Frei – sei unsre Kunst geheißen,
Fröhlich – unsre Wissenschaft!
Raffen wir von jeder Blume
Eine Blüte uns zum Ruhme
Und zwei Blätter noch zum Kranz!
Tanzen wir gleich Troubadouren
Zwischen Heiligen und Huren,
Zwischen Gott und Welt den Tanz!
Wer nicht tanzen kann mit Winden,
Wer sich wickeln muß mit Binden,
Angebunden, Krüppel-Greis,
Wer da gleicht den Heuchel-Hänsen,
Ehren-Tölpeln, Tugend-Gänsen,
Fort aus unsrem Paradeis!
Wirbeln wir den Staub der Straßen
Allen Kranken in die Nasen,
Scheuchen wir die Kranken-Brut!
Lösen wir die ganze Küste
Von dem Odem dürrer Brüste,
Von den Augen ohne Mut!
Jagen wir die Himmels-Trüber,
Welten-Schwärzer, Wolken-Schieber,
Hellen wir das Himmelreich!
Brausen wir … o aller freien
Geister Geist, mit dir zu zweien
Braust mein Glück dem Sturme gleich. –
– Und daß ewig das Gedächtnis
Solchen Glücks, nimm sein Vermächtnis,
Nimm den Kranz hier mit hinauf!
Wirf ihn höher, ferner, weiter,
Stürm empor die Himmelsleiter,
Häng ihn – an den Sternen auf!

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